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19.07.2011

11:39 Uhr

ZEW-Index

Schuldenkrise zieht Konjunkturerwartungen nach unten

Die Angst um die Zukunft des Euro und das Gefeilsche um die Schuldengrenze in den USA lasten auf den Konjunkturerwartungen der Finanzprofis. Der ZEW-Index sank im Juli stärker als erwartet.

Arbeiter des Stuttgarter Sportwagenherstellers Porsche. Quelle: dpa

Arbeiter des Stuttgarter Sportwagenherstellers Porsche.

Mannheim/BerlinDie Konjunkturerwartungen von Finanzexperten sind im Juli stärker gefallen als erwartet. Der vom Mannheimer ermittelte Konjunkturindex fiel im Juli bereits den fünften Monat in Folge.

Das Barometer sank von minus 9,0 auf minus 15,1 Punkte, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner Umfrage unter rund 300 Analysten und Anlegern mit. Analysten hatten lediglich mit minus 12,4 Zählern gerechnet. Der Index für die aktuelle Lage stieg dagegen um 3,0 auf 90,6 Punkte.

Analysten sehen die Schuldenkrise in Europa und das Ringen um die Schuldenbremse in den USA als Ursache. „Die Umfrage steht unter dem Einfluss der eskalierenden Finanzkrise. Der erneute Rückgang der Erwartungen ist enttäuschend und lässt befürchten, dass die hohe konjunkturelle Dynamik der deutschen Wirtschaft nicht gehalten werden kann, sagte Ulrich Wortberg von der Helaba.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Ähnlich äußerte sich sein Kollege Alexander Koch von Unicredit. "Treiber bei der Verschlechterung der Stimmung dürften die Schuldenkrise und die schwächeren US-Zahlen sein. Beim ZEW waren die Aktienkurs- und die Wechselkursentwicklung auch in der Vergangenheit immer entscheidend," sagte Koch.

Der ZEW-Präsident und Vorsitzende des Sachverständigenrats, Wolfgang Franz, äußerte Zweifel, ob sich das Wachstum in Deutschland auf dem derzeitigen Niveau halten kann.„Vor dem Hintergrund des instabilen weltwirtschaftlichen Umfeldes stellt sich die Frage, wie lange der Konjunkturmotor noch mit der derzeitig hohen Drehzahl laufen wird“, sagte Franz.

Für das zweite Quartal sagen von Reuters befragte Analysten ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent voraus. Zu Jahresbeginn war es noch dreimal so stark ausgefallen. Bis Ende 2012 rechnen die Experten mit einem Quartalswachstum, das zwischen 0,4 und 0,6 Prozent schwankt. Für 2011 erwarten sie ein Plus von 3,4 Prozent, für 2012 von 1,9 Prozent.

Kommentare (2)

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Relax

19.07.2011, 11:15 Uhr

Hört endlich auf mit dieser verdammten Panikmache. Früher waren EILMELDUNGEN für Kriege und Terroranschläge bestimmt. Heute wird für jeden Analystenmeinung eine Eilmeldung produziert.

Account gelöscht!

19.07.2011, 11:39 Uhr

lol 1041??? come on hb, die daten kamen offiziell erst um punkt 11h über den ticker...
ps: willkommen bei den zew-kaffesatzlesern. die heinis, neben dem ifo und der gfk, mit der geilsten und besten glaskugel der welt...

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