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16.04.2013

10:22 Uhr

ZEW-Index sinkt kräftig

Holprige Zypern-Rettung verstärkt Konjunktur-Sorgen

Durch die holprige Zypern-Rettung ist die Euro-Krise wieder aufgeflammt. Auch in China gibt es Rückschläge. Das drückt die Stimmung von Finanzexperten deutlich. Im April ist der ZEW-Index um 12,2 zurückgegangen.

Ein Containerterminal im Hamburger Hafen. dpa

Ein Containerterminal im Hamburger Hafen.

Börsianer bewerten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft wieder pessimistischer. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturentwicklung in den kommenden sechs Monaten fiel im April um 12,2 auf 36,3 Punkte. Das sei der erste Rückgang des Barometers nach vier Anstiegen in Folge, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter Anlegern und Analysten mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf 42,0 Punkten gerechnet.

"Im Grundsatz bleiben die Finanzmarktexperten positiv gestimmt, aber weniger optimistisch als im Vormonat", sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest. Der Rückgang des ZEW-Index passe zu den aktuellen Konjunkturmeldungen, die hinter den Erwartungen zurückblieben.

Konjunkturprognosen der vergangenen Monate

DIHK

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von einem Wachstum von 0,3 Prozent aus. Bislang waren 0,7 Prozent erwartet worden. "Der Aufschwung in Deutschland ist vorerst verschoben", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Die Unternehmen schätzen ihre Lage deutlich schlechter ein als zu Beginn des Jahres." Für 2014 geht das DIHK von einem Wachstum von mehr als einem Prozent aus.

BDI

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, rechnet mit robustem Wachstum von bis zu 0,8 Prozent. Er ist damit weit optimistischer als die Bundesregierung.

Bundesregierung

Die Bundesregierung geht für 2013 von einem Wachstum von 0,4 Prozent aus.

Sachverständigenrat

Genau wie die Bundesregierung rechneten auch die "fünf Weisen" aus dem Sachverständigenrat zuletzt mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Wegen des starken Einbruchs im vierten Quartal 2012 haben sie den Wert jedoch auf 0,3 Prozent mehr als halbiert.

RWI

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,3 Prozent. Im Vergleich zur Herbstprognose wurde die Schätzung um 0,7 Punkte zurückgenommen.

Internationaler Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für 2013 ein Plus von 0,3 Prozent voraus. Im Oktober 2012 war er für 2013 noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen.

EU-Kommission

Zum Lager der Optimisten gehört die EU-Kommission. Für Deutschland erwartet sie 2013 ein Wachstum von 0,5 Prozent. Das ist besser als die Erwartung für den Euroraum. Hier rechnet sie sogar mit einem Rückgang von 0,3 Prozent. Grund für die langsame Entwicklung sind die schlechte Binnennachfrage einiger Länder und große konjunkturelle Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten.

Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank rechnet in ihrem Monatsbericht vom Dezember für 2013 mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2014 soll dies auf 1,9 Prozent steigen.

DIW

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. Damit hat es seine Erwartungen nach unten korrigiert. Zuvor war es von einem Plus von 0,9 Prozent ausgegangen. Für 2014 rechnet das DIW mit einem Wachstum von 1,6 Prozent.

Ifo-Institut

Das Münchner Ifo-Institut geht für 2013 von einem Wachstum von 0,7 Prozent aus. Die Spanne der Schätzung reicht von minus 0,6 bis plus 2,0 Prozent.

"Die Euphorie der vergangenen Monate ist vorerst verflogen," schreibt Postbank-Analyst Thilo Heidrich in einem Kommentar. Hierzu hätten einerseits durchwachsene Konjunkturdaten und andererseits die wieder an Intensität gewonnene Verschuldungskrise beigetragen.

Neben dem erneuten Aufflammen der Euro-Krise durch Zypern-Rettung und Italien-Wahl gab es auch in anderen wichtigen Volkswirtschaften Rückschlage. So sind zuletzt Zweifel an der Stärke der chinesischen Volkswirtschaft aufgekommen. In den USA werden drastische Haushaltskürzungen wirksam. Dies schadet vor allem dem deutschen Exportgeschäft. Die Ausfuhren sowohl in die Euro-Länder als auch weltweit gingen zurück.

Die Erwartungen für einzelne Länder der Eurozone sind noch deutlich schlechter als für Deutschland. Die aktuelle Lage in der Eurozone sieht eine überwältigende Mehrheit der Befragten als schlecht an. Frankreich und Italien schneiden sogar noch schlechter ab als die Eurozone insgesamt.

Für Deutschland sehen jedoch nicht alle Analysten schwarz. Ulrike Rondorf von der Commerzbank rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft die Wende nach oben vollzieht. Trotz einiger Risikoereignisse habe die Staatsschuldenkrise nachgelassen, schreibt sie in einem Kommentar. Dadurch würden die Investitionen weniger belastet, was bereits die wieder steigenden Investitionsaufträge aus dem Inland andeuteten.


Kommentare (4)

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16.04.2013, 11:30 Uhr

Mich kann nichts beunruhigen. Selbst der Vogelkot auf der Frontscheibe meines Privatjets beim Flug ins Büro heute Früh, lässt mich völlig kalt.

Kartenhaus

16.04.2013, 11:35 Uhr

Selbst China türmt immer mehr Schulden auf. Alle Wachstumsprognosen haben ihre Basis im weiteren Schuldenaufbau. Das wird immer deutlicher.
Zypern ist höchstens eine Zündschnur. Die großen Sprengladungen kommen erst noch.
Deutschland darf sich doppelt freuen. Da reichen die eigenen Schulden nicht, man haftet auch noch für andere.

Account gelöscht!

16.04.2013, 11:37 Uhr

Jetzt seid Ihr der Sprache der Politik auch aufgesessen. Die Euro Krise ist nicht wieder aufgeflammt. Sie war nie weg.

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