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13.05.2014

12:14 Uhr

ZEW-Index sinkt

Ukraine-Krise drückt Konjunkturaussichten

Der Trend bestätigt sich: Im fünften Monat in Folge beurteilen Finanzexperten die Konjunkturaussichten skeptisch. Der ZEW-Konjunkturindex fällt auf den niedrigsten Stand seit Januar 2013 – deutlich stärker als erwartet.

Mit Containern beladene Lastwagen stauen sich im Hafen von Hamburg: Dem ZEW-Index zufolge wird die deutsche Wirtschaft das hohe Wachstumstempo nicht halten. dpa

Mit Containern beladene Lastwagen stauen sich im Hafen von Hamburg: Dem ZEW-Index zufolge wird die deutsche Wirtschaft das hohe Wachstumstempo nicht halten.

Berlin/MannheimUnter dem Eindruck der Ukraine-Krise beurteilen Börsianer die Aussichten für die deutsche Wirtschaft deutlich skeptischer. Das Barometer für die ZEW-Konjunkturerwartungen sank im Mai auf 33,1 Punkte von 43,2 Zählern, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 248 Anlegern und Analysten mitteilte. Es war bereits der fünfte Rückgang in Folge und der niedrigste Stand seit Januar 2013. Befragte Ökonomen hatten mit 41,0 Zählern gerechnet.

„Es zeichnet sich bereits ab, dass die deutsche Wirtschaft das hohe Wachstumstempo nicht halten kann“, erklärte ZEW-Präsident Clemens Fuest. „Dennoch ist von einer in der Grundtendenz positiven konjunkturellen Entwicklung im Jahr 2014 auszugehen.“

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Auch das Bundeswirtschaftsministerium geht davon aus, dass die Frühjahrsbelebung im laufenden Quartal wohl schwächer verlaufen werde als üblich. Im ersten Quartal sei das Wachstum hingegen stärker ausgefallen als Ende 2013 mit 0,4 Prozent, teilte das Ministerium mit. Die offiziellen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März werden am Donnerstag veröffentlicht. Experten gehen von rund 0,7 Prozent Wachstum aus.

Das Ministerium betonte in seinem Monatsbericht: „Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem breit angelegten Aufschwung.“ Dies signalisiert auch die Lage der Wirtschaft, die die vom ZEW befragten Fachleute erneut besser beurteilten. Dieses Teilbarometer kletterte überraschend deutlich um 2,6 auf 62,1 Punkte.

Die Finanzmärkte blicken allerdings eher auf die ZEW-Konjunkturerwartungen, die die trüberen Aussichten für die nächsten sechs Monate beschreiben. Der Euro fiel in der Spitze auf ein Fünf-Wochen-Tief von 1,3739 Dollar, auch der Aktienindex Dax bröckelte leicht ab.

„Die Erwartungen reduzieren sich spürbar. Das ist allerdings auch vor dem Hintergrund der aktuell sehr guten Lage zu sehen“, sagt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus. „Es ist schwierig, dieses hohe Tempo zu halten. Die Unsicherheit wegen der Ukraine-Krise und die Konjunkturabkühlung in China gehen nicht spurlos an den Börsianern vorbei.“ Auftragseingänge und Industrieproduktion in Deutschland hätten zuletzt ebenfalls nachgelassen, so der Analyst. Die deutsche Wirtschaft werde nicht mehr so schnell zulegen wie im ersten Quartal.

Johannes Jander von Heleba geht davon aus, dass trotz des Rückgangs keine generellen Konjunkturzweifel aufkommen sollten. „Der erneute Rückgang ist aufgrund der gestiegenen geopolitischen Risiken in Bezug auf die nach wie vor ungelöste Situation in der Ostukraine nicht überraschend“, sagt er. „Zusätzlicher Druck auf die EZB, im Juni weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen zu beschließen, sollte unseres Erachten nicht aufkommen.“

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

13.05.2014, 11:47 Uhr

Ist das nicht das Jammern auf hohem Niveau ?

Deutschland ist das Paradies auf Erden - natürlich nur für die, die auch etwas leisten wollen. Hier lässt es sich richtig geil Kohle scheffeln und das Vermögen auf einen neuen Level hieven, vor allem dank EU und der eierlegenden Wollmilchsau Euro. Beides sind ein Segen, und der Euro ist Wohlstandsbringer und ökonomische Goldgrube zugleich.

Uns geht es als hochqualifizierte Leistungsträger trotz 6-stelligen Beträgen im Jahr ans FA so gut wie noch nie. Ich liebe das Leben und das Arbeiten in der geographischen Mitte der Vereinigten Staaten von Europa genauso wie die Zweisamkeit mit meiner schönen jungen Muse in meinem Zweitwohnsitz an der Cote d´Azur. So einfach ist das. Over and out !

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