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13.08.2013

11:07 Uhr

ZEW-Index steigt deutlich

Ende der Rezession stützt deutsche Wirtschaft

Finanzexperten bewerten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft so gut wie seit der Zypern-Rettung im März nicht mehr. Deutschland profitiert vom sich abzeichnenden Ende der Rezession in wichtigen Euro-Ländern.

Hamburger Hafen: Die positiven Signale für die deutsche Wirtschaft mehren sich. dpa

Hamburger Hafen: Die positiven Signale für die deutsche Wirtschaft mehren sich.

Börsenprofis blicken wieder deutlich optimistischer auf die deutsche Wirtschaft. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturentwicklung in den kommenden sechs Monaten stieg im August um 5,7 auf 42,0 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit März, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter Anlegern und Analysten mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Anstieg auf 40 Punkte erwartet. Allerdings liegt das Barometer weiterhin deutlich über seinem langfristigen Mittelwert von 23,7 Zählern.

Was den Konjunkturoptimismus weiterhin stützt, ist die robuste deutsche Binnenkonjunktur, erklärte das Institut von ZEW-Präsident Clemens Fuest. Zum Anstieg des Indikators dürfte beigetragen haben, dass sich in wichtigen Staaten der Eurozone ein Ende der Rezession abzuzeichnen scheint. Auch die derzeitige Lage der heimischen Wirtschaft bewerteten die Finanzprofis deutlich besser als im Vormonat. Das Barometer stieg um 7,7 auf 18,3 Zähler. Hier hatten Ökonomen nur einen Anstieg auf 12,0 Punkte erwartet.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

„Die Euro-Zone zieht Deutschland hoch. Die Investoren werden immer optimistischer, was die Lösung der Euro-Krise angeht,“ sagt Christian Schulz von der Berenberg Bank. Die Zuversicht für die Euro-Zone sei deshalb sehr stark gestiegen - auf den höchsten Stand seit April 2010. Insbesondere für die Krisenländer Frankreich, Italien und Spanien habe die Zuversicht zugenommen. „Das wirkt sich positiv auf Deutschland aus, denn ein Auslaufen der Euro-Krise ist gut für die deutschen Wachstumsaussichten.“

Postbank-Analyst Heinrich Bayer hält den Optimismus für gerechtfertigt. Zuletzt hätten sich sowohl die harten Konjunkturdaten als auch die Stimmungsindikatoren für Deutschland und die EWU verbessert, so dass sich die ZEW-Umfrage nahtlos in diese Serie einreihe.

Nicht ganz so positiv gestimmt ist Ralph Solveen von der Commerzbank. Eine Euphorie in Hinblick auf die Konjunkturaussichten gebe es nicht, wofür trotz des wohl kräftigen Wachstums im zweiten Quartal auch kein Anlass bestehe.
Nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums hat die deutsche Wirtschaft deutlich Fahrt aufgenommen. Es schätzt, dass die am Mittwoch anstehenden Daten zum Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal ein Plus von 0,75 Prozent bringen werden. Zu Jahresbeginn sprang nur ein Miniwachstum von 0,1 Prozent heraus.

Von

rtr

Kommentare (35)

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Nachdenker

13.08.2013, 11:27 Uhr

Wenn alles in der Bundesrepublik so toll läuft und die Konjunktur boomt, angeblich Fachkräftemangel herrscht, warum leben hier dann mindestens 8 Millionen Menschen am Existenzminimum (Arbeitslosigkeit, Hartz 4) und über eine Million Menschen sind Aufstocker, Leiharbeiter und prekär Beschäftigte.
Wie passt das zusammen???

Freidenker

13.08.2013, 11:29 Uhr

Vor der Bundestagswahl mehren sich die Anzeichen für einen baldigen Aufschwung.

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Jo mei....das Kapital muß aber doch eine Angst haben, dass die Linken an die Macht kommen. Soviele LÜGEN VOR DER WAHL...wers glaubt!

Dann kann ja Hartz 4 endlich entsorgt werden, gell!!

Kartenhaus

13.08.2013, 11:32 Uhr

ZEW steigt - Realwirtschaft sinkt. Beide Trends sind stabil.

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