Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2011

11:24 Uhr

ZEW-Konjunkturbarometer

Ökonomen feiern deutschen Dauer-Boom

Börsenprofis glauben wegen guten Aussichten für Konsum und Investitionen an eine Fortsetzung des deutschen Aufschwungs in diesem Jahr. Der Erwartungs-Index des Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stieg unerwartet deutlich, was auch der gestiegenen Arbeitsplatzsicherheit zu verdanken ist. Ökonomen sehen Deutschland in sicherem Fahrwasser und bejubeln diese Entwicklung.

Von Krise keine Spur mehr: Deutschland boomt - ohne Ende. Quelle: dpa

Von Krise keine Spur mehr: Deutschland boomt - ohne Ende.

HB MANNHEIM. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten in den kommenden sechs Monaten stieg im Januar überraschend stark an um 11,1 auf 15,4 Punkte. Das teilte das ZEW am Dienstag zu seiner Umfrage unter rund 300 Börsianern mit. Optimistischer waren sie zuletzt vor einem halben Jahr. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit 6,8 Zählern gerechnet. Trotz des Anstiegs ist das Barometer noch weit von seinem langfristigen Durchschnittswert von 26,8 Punkten entfernt.

Das wachsende Vertrauen in die deutsche Wirtschaft erfreut auch Anleger: Der Dax übersprang erstmals seit Juni 2008 wieder die 7100-Punkte-Marke. Der Leitindex kletterte bis zum Mittag um gut ein Prozent auf 7145 Zähler.

Für etwas Erleichterung am Markt sorgte neben den ZEW-Daten laut Börsianern zudem, dass die Euro-Länder den Rettungsschirm für klamme Staaten möglichst rasch verstärken wollen. „Ein Meilenstein wurde bislang zwar nicht verkündet, aber immerhin wissen wir, dass an Lösungen gearbeitet wird“, sagte ein Händler. Der Vorsitzende der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, hatte am Montagabend nach den Beratungen der Ressortchefs in Brüssel erklärt, die Arbeit zu beschleunigen, um dem Europäischen Rat so schnell wie möglich ein Ergebnis vorzulegen.

Weitere Hinweise auf die Entwicklung der US-Konjunktur erhoffen sich die Anleger von der US-Bilanzsaison, die in dieser Woche ihren Höhepunkt erreicht.

Die Lage beurteilten die ZEW-Experten ebenfalls besser. Dieses Barometer stieg leicht um 0,2 auf 82,8 Punkte. „Die gestiegene Arbeitsplatzsicherheit trägt zur Belebung des privaten Konsums bei“, begründete ZEW-Präsident Wolfgang Franz die wachsende Zuversicht der Experten. „Das aktuell niedrige Niveau der Realzinsen dürfte die Nachfrage nach Investitionsgütern in Deutschland stärken.“ Für 2011 erwartet der von Franz geleitete Sachverständigenrat der Wirtschaftsweisen ein Wachstum von 2,2 Prozent. 2010 hatte es ein Plus von 3,7 Prozent gegeben.

Experten reagierten euphorisch auf die ZEW-Daten. Andreas Scheuerle von der Dekabank psrach von guten Perspektiven. "Dennoch wird es voraussichtlich im zweiten Quartal eine Abschwächung bei der Wachstumsdynamik in der Jahresrate geben", fügte der Volkswirt hinzu. "Die Aussichten bleiben aber sehr rosig.“

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Siggi40

18.01.2011, 13:13 Uhr

Welches Jobwunder – welchen Aufschwung?
„Die gestiegene Arbeitsplatzsicherheit trägt zur belebung des privaten Konsums bei“,
in Deutschland sind 7,5 Mio. bürger auf staatliche Leistungen angewiesen. Der Rückgang bei den gezählten Arbeitslosen wurde in Zeitarbeiter umgeschichtet, die man wieder ruck-zuck entlassen kann und mit deutlich weniger Lohn arbeiten.
Zwischen Traum und Wirklichkeit. Warum wird jeden Tag immer mehr geflunkert?
Mit 31,2 % hatten fast ein Drittel der beschäftigten im letztgemeldeten Monat Oktober keinen sozialversicherungspflichtigen Job.

Der deutsche Arbeitsmarkt sieht nur auf der basis statistischer Manipulationen und voller Zählung der wuchernden Niedrigstlohnbeschäftigungen gut aus. Selbst nach den bejubelten offiziellen Zahlen ist mit den letzten Monatsergebnissen sowohl der Aufbau der beschäftigung, wie der Abbau der Arbeitslosigkeit praktisch zum Erliegen gekommen. Die beschäftigung stagniert bereits seit fünf Monaten bis zum letztberichteten Monat Oktober und liegt nur um ein halbes Prozent über dem Wert vom Januar 2009.
http://www.siggi40.magix.net/public/Fotos/14924.jpg

die gute Tilly

18.01.2011, 13:16 Uhr

Das ist ja beruhigend, was die "Experten" so alles sagen. Wirklich phantastisch, wie geil die Wirtschaft so läuft. Wohl vor allem wegen des tollen Euros *gähn*
Da die Wirtschaft offensichtlich so eklatante Vorteile durch die Währung hat - so wird ja immer kolportiert - bin ich ungedingt dafür, dass die Wirtschaft die Kosten für den Euro übernimmt. Warum soll das der Steuerzahler machen? Derjenige, der den Vorteil hat, muss eben auch die Nachteile in Kauf nehmen. Also, ihr tollen überzeugenden Experten: Geht daran, einen Fonds zur Stützung des Euros einzurichten. Da kann die Wirtschaft dann schön die billiönchen über die Jahre einzahlen. Das ist gerecht - aber lasst den Steuerzahler sein bisschen. Das braucht er nämlich noch, um die binnenkonjunktur zu stärken! Und davon - das werden die expertiellen Experten sicherlich bestätigen, hat die Wirtschaft auch noch was. Also: Die paar billiönchen für den Euro werdet ihr Euch doch leisten können. Vielen Dank für Eurer Verständnis!
die gute Tilly

Siggi40

18.01.2011, 13:19 Uhr

Welches Jobwunder – welchen Aufschwung?
„Dem deutschen Fiskus wurden dadurch im vergangenen Jahr weit mehr Steuereinnahmen beschert als die amtlichen Steuerschätzer vorausgesagt hatten“.
Deutsche Firmen sitzen auf über 1 bio. € Verlustvorträgen, die die Steuerprognosen wieder auf den boden der Tatsachen führen sollten. Mindestens 200 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen bereiten nicht nur Schäuble Kopfschmerzen.
Dazu kommt, dass es mit unserem „Dauer-boom auf Pump“ langsam aber sicher zu Ende geht.

2011 erlahmt der Asienboom:
Die Konjunktur des Kontinents droht sich im kommenden Jahr deutlich abzukühlen und damit den Aufschwung in Deutschland massiv zu schwächen. Experten rechnen nur noch mit halb so viel Wachstum in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens. Gleichzeitig haben viele Regierungen angefangen, ihre Konjunkturprogramme zurückzufahren, denen wir unseren „Aufschwung zu verdanken hatten“.

Der index für Containerschiffe auf den Weltmeeren baltic Dry säuft ab. Nach einem kurzen Aufbäumen aufgrund diverser globaler Konjunkturprogramme driftet der baltic Dry index wieder in Richtung historischer Tiefs. Verlust in den letzten drei Monaten: fast 50%. Vorbote für die Entwicklung der Weltwirtschaft?

Die meisten Schulden zur belebung der Konjunktur und Rettung der bankster sind in den Schattenhaushalten versteckt.
http://www.siggi40.magix.net/public/Fotos/Staatsschulden_2.jpg

Zwei Jahre lang wurde das Armageddon mit über 30 bio. Dollar hinausgeschoben. Jetzt sind die Retter pleite, die mit wegbrechenden Steuereinnahmen auch noch die Annuität für die gigantische Verschuldung aufbringen müssen. Die derzeitige Situation ist um ein vielfaches schlimmer, als noch vor zwei Jahren. Der boom ging genau so lange, wie die Zentralbanken jeden Tag immer neue Milliarden und billionen drucken. Wo das endet wissen noch unsere Eltern und Großeltern. Die haben es LiVE erlebt.

Unser erträumter Aufschwung – eine Fata Morgana.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×