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02.09.2015

14:15 Uhr

ZEW-Umfrage

Eingetrübte Konjunkturerwartungen für China

Schon länger beobachten Experten die chinesische Volkswirtschaft mit Sorge. Nach den jüngsten Marktturbulenzen erwarten die meisten neue geldpolitische Schritte aus Peking. Die größte Befürchtung: Senkung der Leitzinsen.

Das ZEW erhebt den Index zusammen mit der Fudan Universität in Shanghai. Rund 25 internationale Ökonomen wurden befragt. Reuters

ZEW-Barometer

Das ZEW erhebt den Index zusammen mit der Fudan Universität in Shanghai. Rund 25 internationale Ökonomen wurden befragt.

BerlinÖkonomen blicken skeptischer auf die Konjunktur in China und erwarten weitere geldpolitische Schritte der Behörden in Peking. Das Barometer der Konjunkturerwartungen für China in den nächsten zwölf Monaten fiel im August kräftig auf minus 6,0 Zähler von plus 8,8 Punkten, wie das Mannheimer ZEW-Institut am Mittwoch mitteilte. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhebt den Indikator zusammen mit der Fudan Universität in Shanghai und befragte Ende August rund 25 internationale Ökonomen. Die Experten erwarten demnach, dass die Notenbank weiter an der Zinsschraube dreht. „Ich gehe davon aus, dass die chinesische Regierung über Zinssenkungen versucht, den Konsum und die Investitionen anzukurbeln“, sagte ZEW-Experte Oliver Lerbs zu Reuters.

Die Abkühlung der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt habe sich schon länger abgezeichnet. Mittelfristig sei es schwierig, Wachstumsraten über sieben Prozent zu erreichen, betonte Lerbs. So hätten Stahl- und Bauindustrie mit enormen Überkapazitäten am Immobilienmarkt zu kämpfen. Den befragten Experten zufolge dürften vor allem die Industriebranchen Automobil, Elektro und Energie die Konjunkturabkühlung spüren.

Die schwächelnde Wirtschaft hat zuletzt die Börsen in China einbrechen lassen, aber auch den Finanzmärkten weltweit zugesetzt.

Notenbanken lockern ihre Geldpolitik

Kampf gegen fallende Preise

Der Kampf gegen einen gefährlichen Abwärtssog aus fallenden Preisen und schrumpfenden Investitionen hat in diesem Jahr weltweit bereits 20 Notenbanken auf den Plan gerufen. Es folgt ein Überblick über ihre Schritte 2015.

Australien

3. Februar:
Die australische Zentralbank RBA senkt den Leitzins auf ein Rekordtief. Der Schlüsselzins liegt damit nun bei 2,25 Prozent. Mit dem Schritt wollen die Währungshüter unter anderem die Konjunktur ankurbeln.

China

4. Februar:
Die Zentralbank von China kündigt an, dass die Finanzinstitute künftig nicht mehr so viel Kapital als Mindestreserve bereithalten müssen. Damit will sie für mehr Liquidität im Finanzkreislauf der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft sorgen und die Kreditvergabe anschieben.

Dänemark

5. Februar/29. Januar/22. Januar/19. Januar:
Die dänische Zentralbank setzt vier Mal innerhalb weniger als drei Wochen ihre Leitzinsen herab. Sie interveniert zudem regelmäßig am Devisenmarkt, um die Koppelung der Krone an den Euro zu verteidigen.

EZB

22. Januar:
Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eines der bislang größten Anleihe-Kaufprogramme aller Zeiten an. Insgesamt wollen die Währungshüter Staatsbonds sowie andere Wertpapiere im Volumen von 1,14 Billionen Euro erwerben. Mit den Käufen soll im März begonnen werden.

Indien

15. Januar:
Die indische Notenbank setzt den Leitzins um 0,25 Punkte auf 7,75 Prozent nach unten und deutet mögliche weitere Senkungen an. Die Wirtschaft des Landes durchläuft derzeit eine Phase schwachen Wachstums.

Indonesien

17. Februar:
Die Zentralbank von Indonesien setzt überraschend die Zinsen um 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent herab. Es ist die erste Senkung seit drei Jahren. Volkswirte hatten dies nicht erwartet.

Israel

23. Februar:
Die Bank von Israel kappt ihren Leitzins auf 0,1 von bislang 0,25 Prozent. Es ist die erste Senkung seit sechs Monaten. Hintergrund ist unter anderem der Kampf gegen Deflationsgefahren und die Aufwertung der Landeswährung Schekel.

Russland

30. Januar:
Russlands Notenbank kappt den Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Geld auf 15 von 17 Prozent. Das ist eine scharfe Kehrtwende, da die Notenbank 2014 die Zinszügel erst kräftig angezogen hatte. Die westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts und der Ölpreisverfall haben eine Kapitalflucht aus Russland ausgelöst und den Rubel auf Talfahrt geschickt.

Schweden

12. Februar:
Schwedens Zentralbank senkt ihren Leitzins für Wertpapier-Rückkaufgeschäfte mit den Geschäftsbanken - den sogenannten Repo-Satz - auf minus 0,1 Prozent von zuvor null Prozent. Zugleich kündigt sie an, für zehn Milliarden Kronen Staatsanleihen zu kaufen.

Schweiz

15. Januar:
Die Schweizer Notenbank (SNB) vollzieht eine radikale Kehrtwende und schafft den Mindestkurs des Franken zum Euro ab. Die Währungshüter begründen ihre überraschende Entscheidung mit dem immer stärker werdenden Dollar und dem anhaltend fallenden Euro. Gleichzeitig wird der Strafzins auf Einlagen von Banken bei der Notenbank auf 0,75 Prozent von 0,25 Prozent angehoben.

Türkei

24. Februar/20. Januar:
Die Zentralbank der Türkei senkt ihren Schlüsselzins in zwei Schritten um insgesamt 0,75 Punkte auf 7,5 Prozent. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu forderte nach der zweiten Zinslockerung die Notenbank auf, noch größere Schritte einzuleiten, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Von

rtr

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