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09.01.2008

08:37 Uhr

Zinsentscheidungen

Notenbanker unter Druck

Morgen werden die europäischen Währungshüter die ersten Zinsentscheidungen in diesem Jahr fällen. Doch nur selten in der jüngeren Vergangenheit dürften die Zentralbanker vor einem schwierigeren Dilemma gestanden haben: Auf der einen Seite bedroht die Kreditkrise die Konjunktur, auf der anderen Seite könnte die Inflation aus dem Ruder laufen.

mak/mm LONDON/FRANKFURT. Besonderer Druck lastet auf Mervyn King, dem Gouverneur der Bank of England (BoE). Gleich mehrere Industrieverbände forderten King und seine Kollegen auf, eine weitere Zinssenkung nicht länger hinauszuzögern. Tatsächlich startete das Jahr in Großbritannien mit einer Reihe von Hiobsbotschaften. Am Immobilienmarkt sprechen die meisten Indikatoren für eine Krise. Die Konsumenten gaben im Weihnachtsgeschäft so wenig aus wie seit 2004 nicht mehr, die Unternehmen beurteilen ihre Aussichten so pessimistisch wie sei 2001 nicht mehr, und die Banken gehen so negativ ins neue Jahr wie seit 1991 nicht mehr. Vieles spricht dafür, dass die Turbulenzen an den Finanzmärkten bereits auf die Realwirtschaft durchschlagen. Laut einer Umfrage haben britische Banken im vierten Quartal 2007 ihre Kreditvergabe an Unternehmen und Verbraucher deutlich eingeschränkt und wollen an dieser restriktiven Politik festhalten.

Angesichts der Datenlage mache es für die BoE keinen Sinn mit einer weiteren Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte auf 5,25 Prozent abzuwarten, meint Volkswirt Alan Clark von BNP Paribas. Im Dezember hatte die Zentralbank erstmals seit zwei Jahren die Zinsschraube gelockert, um die Folgen der Kreditkrise auf die Realwirtschaft abzudämpfen. Doch mit seiner Meinung ist Clark in der Minderheit. Nur zwölf von 63 von der Agentur Reuters befragten Analysten glauben, dass die BoE bereits bei dieser Sitzung ihren Leitsatz senkt. Die Mehrheit geht davon aus, dass sie bis Februar abwartet, wenn der neue Bericht zur Inflationsentwicklung vorliegen wird.

Die Geldpolitiker sorgen sich vor allem um den Einfluss des rasant gestiegenen Ölpreises und der erwarteten hohen Lohnabschlüsse auf die Preise. Trotz der Inflationsgefahren rechnet die Mehrheit der Volkswirte bis Mitte des Jahres aber mit zwei Zinssenkungen in Großbritannien auf dann fünf Prozent. Die Experten der Großbank UBS glauben sogar, dass der Leitsatz auf 4,25 Prozent fallen muss, um eine harte Landung des Immobilienmarktes zu verhindern.

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