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16.06.2011

15:00 Uhr

Zinspolitik

Die Schweizer Notenbank steckt in der Zwickmühle

VonTorsten Riecke

Entgegen der Empfehlungen des Währungsfonds und des OECD hat die Schweizerische Nationalbank den Leitzins nicht erhöht. Und auch bei der nächsten Notenbanksitzung könnte die Zinsschraube weiter still stehen.

Die schweizerische Nationalbank befindet sich in der Zwickmühle. Quelle: Reuters

Die schweizerische Nationalbank befindet sich in der Zwickmühle.

BernDie Schuldenkrise in Europa und wachsende Unsicherheiten über die weltwirtschaftliche Erholung haben die Schweizerische Nationalbank (SNB) in die Zwickmühle gebracht. Eigentlich hätten die eidgenössischen Notenbanker die Leitzinsen mit Blick auf den rund laufenden Konjunkturmotor und den heiß laufenden Immobilienmarkt in der Schweiz anheben müssen.

Doch der starke Zufluss von ausländischem Kapital hat den Schweizer Franken auf neue Rekordstände getrieben, so dass die Notenbank eine weitere Aufwertung nicht riskieren will. Sie beließ deshalb den Leitzins unverändert bei 0,25 Prozent. "Die Nationalbank behält ihre expansive Geldpolitik bei", sagte SNB-Präsident Philipp Hildebrand in Bern.

Hildebrand stellte sich damit gegen Empfehlungen des Internationale Währungsfonds (IWF) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die beide baldige Zinsschritte gefordert hatten. "Wir befinden uns in einem Dilemma", sagte Hildebrand. Der starke Franken führe zu einer ungewollten "Straffung der monetären Bedingungen. Zudem werde die Weltkonjunktur durch die Schuldenkrise, verstärkte Sparanstrengungen und steigende Rohstoffpreise belastet. "Insgesamt überwiegen die Abwärtsrisiken"', so der Notenbanker. Deshalb gebe es auf mittlere Sicht keinen Handlungsbedarf im der Zinspolitik.

Zugleich räumte die Notenbank ein, dass ihre Niedrigzinspolitik die Inflation bis 2014 auf deutlich über zwei Prozent treiben würde. Das bedeute, dass die expansive Geldpolitik nicht über den gesamten Prognosehorizont weitergeführt werden könne, ohne die Preisstabilität längerfristig zu gefährden. Ein unverhohlener Hinweis darauf, dass die SNB die Zinsschraube  anziehen will. Ob das, wie viele Ökonomen glauben, bereits bei der nächsten Notenbanksitzung im September der Fall sein wird, muss man allerdings bezweifeln. Denn im Moment spricht vieles dafür, dass sich der Auftrieb des Franken fortsetzen wird.

Die Schweizer Währung hat gegenüber dem Euro in den vergangenen zwölf Monaten fast 20 Prozent gewonnen und am Donnerstag mit gut 1,19 Franken für einen Euro einen neuen Höchststand erreicht. Zur Überraschung auch der Notenbank hat der starke Franken das Wachstum in der Schweizer Exporte bislang kaum gebremst. Im ersten Quartal stiegen die Ausfuhren gegenüber dem Vorquartal um 5,7 Prozent. Hildebrand geht aber davon aus, dass die Exporteure den Währungsdruck durch einen Verzicht bei den Gewinnmargen aufgefangen haben. "Endlos kann das aber nicht so weitergehen", warnte Hildebrand.

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