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02.06.2014

15:01 Uhr

Zinssenkung wahrscheinlicher

Inflation auf den Sinkflug

Die Preise fallen, Sprit und Nahrungsmittel werden immer günstiger. Das stärkt die Kaufkraft, es schürt aber auch Sorgen vor einer gefährlichen Deflation. Eine weitere Zinssenkung der EZB wird immer wahrscheinlicher.

Heizöl verbilligte sich um 2,8 Prozent. dpa

Heizöl verbilligte sich um 2,8 Prozent.

BerlinNach dem kleinen Zwischenhoch zu Ostern ist die Inflation in Deutschland wieder auf dem Rückzug: Im Mai fiel die jährliche Teuerungsrate von 1,3 Prozent im Vormonat überraschend deutlich auf 0,9 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit fast vier Jahren. Dies teilte das Statistische Bundesamt am Montag nach vorläufigen Zahlen in Wiesbaden mit. Zum April sanken die Verbraucherpreise voraussichtlich um 0,1 Prozent.

Damit entfernt sich die jährliche Inflationsrate wieder deutlicher vom Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB), die Preisstabilität bei einer Rate von knapp unter zwei Prozent gewahrt sieht. Das dürfte die Notenbank in ihrem Vorhaben bestärken, den Leitzins schon an diesem Donnerstag noch weiter unter das bereits historisch niedrige aktuelle Niveau von 0,25 Prozent zu senken. Zumal der für die Geldpolitik maßgebliche „Harmonisierte Verbraucherpreisindex“ (HVPI) im Mai nur um 0,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahres lag.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

„Nach dieser Zahl ist nicht mehr die Frage, ob die EZB am Donnerstag handelt, sondern wie die Maßnahmen im Einzelnen aussehen werden“, erklärte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP-Bank-Gruppe: „Eine Zinssenkung dürfte gesetzt sein. Die spannende Frage ist, was die EZB sonst noch im Köcher hat.“

EZB-Präsident Mario Draghi betont seit Monaten die Gefahren einer langanhaltenden Mini-Inflation für die Konjunktur im Euroraum. Eine Deflation - also eine Spirale sinkender Preise durch alle Warengruppen - sieht er zwar nicht. Doch die Gefahr steige, je länger die Inflation niedrig sei. Bei einer Deflation kaufen Verbraucher in Erwartung weiter sinkender Preise nicht mehr ein, Unternehmen stellen Investitionen zurück. Das würgt die Konjunktur ab.

Gebremst wurde der Preisauftrieb im Mai den Angaben zufolge erneut vor allem durch sinkende Energiepreise. Kraftstoffe und Haushaltsenergie waren um 0,8 Prozent günstiger als vor einem Jahr. Zudem verwiesen die Statistiker auf zwei Basiseffekte: So waren zum späten Osterfest im April die Preise für Pauschalreisen besonders stark gestiegen. Dieser Effekt sei im Mai ebenso entfallen wie die statistischen Auswirkungen einer kräftigen Preiserhöhung beim Lotto aus dem Mai 2013.

Erstmals seit Monaten fielen auch Nahrungsmittel als wichtigster Preistreiber in Deutschland weg: Sie verteuerten sich auf Jahressicht nur noch unterdurchschnittlich um 0,5 Prozent. Hierfür dürfe der milde Winter verantwortlich sein, erklärte die Commerzbank. Überdurchschnittlich verteuerten sich im Mai damit lediglich Dienstleistungen um 1,4 Prozent, darunter insbesondere die Wohnungsmiete (plus 1,5).

Commerzbank-Ökonom Johannes Werner erwartet, dass die Inflationsrate in Deutschland in den kommenden Monaten niedrig bleibt - auch weil der Witterungseffekt die Nahrungsmittelpreise weiterhin dämpfen dürfte: „Erst gegen Ende des Jahres dürfte sie anziehen, wenn sich die Nahrungsmittelpreise normalisieren und sich zudem der Effekt des stärkeren Lohnanstiegs zunehmend bemerkbar machen wird.“

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

02.06.2014, 15:01 Uhr

Ah...das Inflations Märchen kommt wieder an die Oberfläche...anscheinend will die Bundesregierung in enger Mafia Partnerschaft mit der EZB (Euro) wieder eine Erhöhung der Schulden durchwinken um ja keine politischen / haushaltärischen Reformen durchziehen zu müssen. Vor allen nicht in den unruhigen Südländern. Lieber mit Schuldenmachen diese sozialen Unruhen am Boden halten....ewig wird dieses Spiel jedoch nicht anhalten. Spätestens dann nicht, wenn Deutschland wirtschaftlich auch am Boden liegt. Und diese wird nicht mehr lange dauern. Siehe EEG/Energiewende!

Account gelöscht!

02.06.2014, 15:52 Uhr

Meine Güte, wer glaubt denn diesen Schwachsinn ??!!??
Aber die Erfahrung zeigt, der Mensch will belogen und betrogen werden.
Armselig geht die Welt den Bach runter....

Account gelöscht!

02.06.2014, 17:55 Uhr

1999 hatten wir 0,6% Inflation-aber einen Leitzins von 3%,2000 1,6% Inflation - aber einen Leitzins von 4,25%.Komisch,damals lagen die Zinsen nicht bei Null,sondern deutlich über der jeweiligen Inflationsrate.

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