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03.03.2011

15:16 Uhr

Dirk Heilmann ist Chefökonom des Handelsblatt. Quelle: Pablo Castagnola

Dirk Heilmann ist Chefökonom des Handelsblatt.

Viel deutlicher konnte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, nicht werden. Eine Erhöhung der Leitzinsen auf der nächsten Sitzung des Zentralbankrates im April sei möglich, aber nicht sicher, sagte er heute auf der Pressekonferenz der EZB in Frankfurt. Das bedeute aber nicht, dass nun eine Serie von Leitzinserhöhungen beginne, fügte er auf Nachfrage hinzu. Damit ließ er keinen Zweifel daran, wie die Mitteilung zu verstehen war, dass der Zentralbankrat die Entwicklung der Inflationsraten im Euro-Raum mit "starker Wachsamkeit" beobachte. Die Märkte haben also das Zinssignal bekommen, auf das sie spekuliert hatten: Europa geht mit Zinserhöhungen voran.

Die EZB steckt in einem Dilemma: Die steigenden Preise für Öl, andere Rohstoffe und Lebensmittel haben die Inflationsrate im Euro-Raum auf 2,4 Prozent hochgetrieben. Es wird wohl auch eine Zeitlang dauern, bis sie wieder auf die Marke von knapp zwei Prozent sinkt, die sich die Zentralbank als Stabilitätsziel gesetzt hat. Die Inflationserwartungen beginnen bereits zu steigen. Das alles spricht für eine baldige Zinserhöhung, um zu verhindern, dass die Inflation eine Eigendynamik bekommt.

Auf der anderen Seite jedoch stecken mehrere Krisenländer der Euro-Zone in einer Rezession oder stehen am Rande einer solchen. Sie brauchen noch auf absehbare Zeit Unterstützung durch niedrige Leitzinsen, während für das boomende Deutschland die Zinsen eigentlich schon zu niedrig sind. Egal was die Frankfurter Währungshüter also machen, es wird unerwünschte Nebenwirkungen haben. Eins ist aber auch klar: Eine Zinserhöhung wird den Euro gegenüber dem Dollar in den nächsten Wochen und Monaten stärken.

Kommentare (7)

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azaziel

03.03.2011, 18:16 Uhr

Steigen die Zinsen, werden viele hochverschuldete Staaten ihre steigende Zinslast nur mit zusaetzlichen Schulden bedienen koennen. Die Laender, die schon bei niedrigen Zinsen ihren Schuldendienst nicht leisten konnten, werden noch tiefer in die Schuldenfalle geraten. Staaten, die es bei anhaltend niedrigen Zinsen vielleicht haetten schaffen koennen, streben dann ebenfalls in die Schuldenfalle. Staaten, die glauben mit Rettungsschirmen in Not geratene Laender retten zu koennen, werden in deren Sog mit in die Tiefe gezogen werden. Sollte man also die Schulden niedrig halten und Inflation in Kauf nehmen? Wuerde sich dann vielleicht die aus Sicht der Schuldner wuenschenswerte Nebenwirkung einer schleichenden Entwertung der Schulden einstellen?

Wer aber wuerde Anleihen zu niedrigen Zinsen kaufen, wenn die Inflationserwartungen steigen? Weil die meisten Laender auslaufende Kredite mit neuen Krediten refinanzieren muessen und sich Geldgeber nicht mit Zinsen unterhalb der Inflationrate werden abspeisen lassen, werden die Zinsen so oder so steigen. Die Zinslast steigt und fuer die meisten Staaten wird damit auch die Verschuldung steigen. Der Lauf der Dinge kann also wahrscheinlich nicht mehr aufgehalten werden. Die Zentralbank wird ganz allmaehlich die Faehigkeit zur Zinsgestaltung verlieren. Schliesslich wird sie auch die Kontrolle ueber die Inflation verlieren. Vielleicht kommt am Ende einer ausser Rand und Band geratenen Inflation ein Reset in Form einer Waehrungsreform. Vielleicht koennen wir dann einen neuen Anfang machen.

Wenn es aber ganz schlecht kommt, verlieren wir mit unserer Waehrung auch unsere freie Wirtschaftsordnung und vielleicht bleibt unsere buergerliche Gesellschaft, wie wir sie kennen, auch auf der Strecke.

C.Meyer

03.03.2011, 18:16 Uhr

Das Dilemma ist die Fehlkonstruktion der Kunstwährung Euro. In Deutschland und anderswo wäre längst eine Zinserhöhung notwendig in andere Staaten der Euro-Zone eben nicht und kontraproduktiv. Was nicht zusammengehört passt eben nicht zusammen. So einfach ist das.

azaziel

03.03.2011, 18:22 Uhr

Pardon, sollte heissen "Sollte man also die ZINSEN niedrig halten ..."

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