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03.09.2015

17:23 Uhr

Zinswende in den USA

IWF ruft US-Zentralbank zur Verschiebung auf

Die Zinswende in den USA soll eigentlich noch in diesem Jahr starten. Wegen der Turbulenzen in China ist der Zeitpunkt jedoch ungewiss. Der IWF erinnert nun an die Flexibilität der Fed – und fordert eine Verschiebung.

Wann kommt die Zinswende in den Vereinigten Staaten? Eine Antwort ist aktuell ungewisser denn je. AFP

Federal Reserve

Wann kommt die Zinswende in den Vereinigten Staaten? Eine Antwort ist aktuell ungewisser denn je.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die US-Zentralbank Federal Reserve erneut zu einer Verschiebung der erwarteten Zinserhöhung aufgefordert. „Unsere generelle Ansicht ist, dass sie Flexibilität haben, noch zu warten“, sagte IWF-Sprecher William Murray am Donnerstag in Washington.

Angesichts der niedrigen Inflation und des schwachen Lohnwachstums in den Vereinigten Staaten sei eine Anhebung des Leitzinses nicht unmittelbar geboten. Murray verwies auch auf die Folgen einer Zinswende in den USA für die Weltwirtschaft, die sich derzeit in einem „ziemlich holprigen“ Zustand befinde.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Die Federal Reserve hatte die Zinsen Ende 2008 auf das Rekordtief von null bis 0,25 Prozent gesenkt, um die von der Finanzkrise gebeutelte Wirtschaft wieder in Fahrt zu bringen. Noch in diesem Jahr wird erstmals wieder eine Zinserhöhung der Fed erwartet, möglicherweise bei der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses Mitte September. Ende Oktober 2014 hatte die Zentralbank bereits ihre milliardenschweren Programme zum Anleihenkauf auslaufen lassen.

Von

afp

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