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03.02.2011

13:34 Uhr

Zu große US-Banken

Ökonomen warnen vor neuen Risiken für Finanzsystem

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie jüngsten Geschäftsberichte der US-Banken geben Ökonomen Anlass zur Sorge. Denn es wird deutlich, dass das Problem „To big too fail“ noch größer geworden ist. Und auch regionale Bankenriesen vergrößern ihre Marktmacht, während die Republikaner jegliche Regulierung torpedieren. Droht ein neuer Crash?

Große Institute wie JP Morgan haben ihren Anteil an den Einlagen und Verbindlichkeiten im Gesamtbankensystem weiter unaufhörlich gesteigert. Quelle: Reuters

Große Institute wie JP Morgan haben ihren Anteil an den Einlagen und Verbindlichkeiten im Gesamtbankensystem weiter unaufhörlich gesteigert.

DÜSSELDORF. Führende Ökonomen blicken mit Besorgnis auf den derzeitigen Konzentrationsprozess im US-Bankenwesen und warnen vor den Risiken für das globale Finanzsystem. "Der Befund gibt Anlas zur Sorge, aber nicht zur Panik: Tatsächlich findet im amerikanischen Finanzsystem derzeit ein massiver Konzentrationsprozess statt, der einzelnen Geldhäuser größer macht", sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Adolf Horn, Handelsblatt Online. "Das erzeugt zu Recht Befürchtungen für den Fall einer weiteren Krise."

Der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise, warnte davor, nur die großen Institute in den Blick zu nehmen. Damit wachse die Gefahr, dass gerade risikoreiche Geschäfte in andere Bereiche des Finanzsystems abwanderten. Er bezweifelte, ob die bisherigen Regulierungsmaßnehmen ausreichen. "Die größten Gefahren für die Finanzmarktstabilität dürften nicht in den großen Instituten, sondern in der noch wenig regulierten Schattenwelt schlummern", sagte Heise Handelsblatt Online.

Hintergrund sind die bisher veröffentlichten Jahresbilanzen von US-Banken. Zwar sind die Bilanzsummen der großen US-Banken seit Ausbruch der Krise drastisch geschrumpft. Aber gleichzeitig ist der Anteil der größten fünf Institute, Bank of America, JP Morgan, Citigroup, Wells Fargo und Goldman Sachs, an den Einlagen und Verbindlichkeiten im Gesamtbankensystem weiter unaufhörlich gestiegen. Nach den Daten des Finanzdienstleisters IQ Capital und der US-Notenbank Fed lag er Ende des dritten Quartals bei 13,3 Prozent, nach 11,8 Prozent drei Jahre zuvor. Und der Trend dürfte anhalten. Denn wie die Berichtssaison zum Geschäftsjahr 2011 gezeigt hat, machen vor allem Banken wie JP Morgan und Wells Fargo, wieder große Gewinne. Gleichzeitig schlittern immer mehr mittlere und kleine Banken in den Ruin und werden von größeren Rivalen aufgekauft. Der Konzentrationsprozess setzt sich also fort.

Zudem ist fraglich, ob die im Sommer 2010 verabschiedete Neuregulierung des Bankenmarktes durch die "Frank-Dodd-Bill" tatsächlich greifen wird. Denn die Umsetzung des Gesetzes stockt. So haben die oppositionellen Republikaner nach ihrem Wahlsieg im November durchblicken lassen, dass sie ihre neue Macht nutzen wollen, um die nötige Aufstockung der Mittel für die Regulierer zu blockieren.

IMK-Chef Horn nannte das Verhalten der Republikaner schlicht verantwortungslos. Es sei "Ausdruck ihre ideologischen Verblendung gegenüber jedweder Staatstätigkeit", sagte der Ökonom. Europa habe allerdings "mehr Anlass zur Sorge, denn auch hier findet einerseits ein Konzentrationsprozess statt, aber ohne dass andererseits schon wesentlich schärfere Regulierungen in Kraft wären. Das verheißt nichts Gutes".

Kommentare (9)

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no.7

03.02.2011, 15:31 Uhr

Meiner Ansicht nach steht der nächste Crash bereits vor der Tür. das Kartenhaus wird wieder einmal zusammenrappeln, auch unser Kartenhaus. denn es hat sich ja nichts geändert- bei den wesentlichen Punkten ist alles beim alten geblieben, was auch von vorneherein klar war. Nun schießen wegen der fast schon als kriminell zu bezeichnenden Dauerflutung der Finanzmärkte die Rohstoffpreise durch die decke. Die Wallstreet schaufelt sich das von der Fed geschenkte Geld in die taschen, die armen auf der welt - und die abermillionen ausgebeuteten in den industrieländern- zahlen die Zeche. Gegen die US-administration ist Sodom ein moralischer Ort.

Insolvenzverwalter

03.02.2011, 16:32 Uhr

Münchau schreibt heute in seinem Kommentar in der FTD:
"Deutschland torpediert die europäischen Stresstests für banken. Die bundesbank sperrt sich insbesondere gegen die Transparenz solcher Tests, um die insolvenz eines Großteils des deutschen bankensektors zu vertuschen".

Diese Aussage bedeutet nichts anderes, als das große Teile deutscher banken vor der insolvenz stehen!
Man, man, man wo soll das noch enden.
Die Finanzkrise ist mitnichten schon vorbei, wie uns Poltik und Medien täglich indoktrinieren, sondern die weltweite Megakrise steht erst noch bevor, und ich bin kein Pessimist, nur Realist.

zeitenwende

03.02.2011, 16:33 Uhr

Goldman Sachs, das sind doch die, die traditionell den US-Finanzminister stellen. Und auch bei anderen Finanzhäusern läuft der Wechsel zur Regierung und zurück reibungslos. Man jubelt über wieder steigende Gewinne, die mit den selben Methoden erwirtschaftet werden, die zur Krise geführt haben. Die bankster kassieren wieder steigende boni und überschwemmen die Märkte mit von der Notenbank geliehenem Papiergeldversprechen, das mit keinerlei Wert hinterlegt ist, und dem armen Volk weltweit, das 2/3 seines Einkommens für Energie und Lebensmittel ausgibt, treiben sie die Preise hoch.
Eigentlich alles wie gehabt - bis die Ausgebeuteten mal aufstehen.

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