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09.01.2012

11:29 Uhr

Zuwachs im November

Exporte legen kräftig zu

Die deutschen Exporte sind im November unerwartet stark gestiegen. Ökonomen hoffen nun, dass die deutsche Wirtschaft den Winter mit einem leichten Dämpfer übersteht.

Fahrzeugen, die im Hafen von Emden auf ein Schiff für den Export verladen werden. dapd

Fahrzeugen, die im Hafen von Emden auf ein Schiff für den Export verladen werden.

Wiesbaden/BerlinTrotz Schuldenkrise und schwächerer Weltkonjunktur behaupten sich die deutschen Exporteure bislang überraschend gut. Im November verkauften sie 2,5 Prozent mehr ins Ausland als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Das Plus fiel mehr als dreimal so stark aus wie von Analysten vorhergesagt. Damit wurde der im Oktober erlittene Rückgang von 2,9 Prozent nahezu ausgeglichen.

Im Jahresvergleich stiegen die Ausfuhren im November um 8,3 Prozent, wie aus den Zahlen des Bundesamts weiter hervorgeht. Die Einfuhren lagen um 6,7 Prozent höher als im Vorjahr. Der deutsche Handelsbilanzüberschuss stieg auf 16,2 Milliarden Euro, nach 11,5 Milliarden Euro im Vormonat.

„Das ist eine positive Überraschung und lässt hoffen, dass der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts am Jahresende nur relativ klein ausgefallen ist“, sagte Citigroup-Ökonom Jürgen Michels. Er erwartet für dieses Jahr dennoch eine deutlich schwächere Entwicklung des Exports. „2012 ist zwar mit einem Anstieg zu rechnen, aber in einem deutlich geringeren Ausmaß als im alten Jahr. Die Exporte in die Euro-Länder dürften wegen der Schuldenkrise und den damit verbundenen Sparmaßnahmen sinken.“ Für Entlastung könne jedoch der schwache Wechselkurs des Euro sorgen. „Die Euro-Schwäche ist sicherlich nicht unwillkommen. Sie hilft den deutschen und den anderen europäischen Exporteuren. Das dämpft etwas die Folgen der schwächeren Weltkonjunktur.“

Im neuen Jahr dürfte sich das widrige Umfeld deutlicher in den Bilanzen niederschlagen. Die Exporte werden mit knapp sechs Prozent nur noch halb so stark wachsen wie 2011, befürchtet der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK). „Das ist nicht schlecht nach zwei Jahren Aufschwung in Folge und angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen - vor allem in Europa“, sagte DIHK-Experte Ilja Nothnagel. Viele Euro-Länder stehen vor einer Rezession, weil die Regierungen im Kampf gegen die Schuldenkrise Steuern erhöht, Löhne gekürzt und Investitionen gestrichen haben. Die Währungsunion ist der wichtigste Abnehmer von Waren „Made in Germany“: Etwa 40 Prozent der Exporte gehen dorthin.

Die Auftragsentwicklung deutet auf schwächere Geschäfte hin: Im November erhielt die exportabhängige Industrie 7,8 Prozent weniger Aufträge aus dem Ausland. „Das spricht für eine schleppende Exportentwicklung in den kommenden Monaten“, sagte Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf. „Die Exporte waren eine der tragenden Säulen des deutschen Aufschwungs. Sie wackelt nun und wird die Konjunktur nicht mehr so stabilisieren wie bislang.“

Allerdings gibt es auch Hoffnungsschimmer. In der weltgrößten Volkswirtschaft USA fiel die Arbeitslosenquote im Dezember auf den tiefsten Stand seit knapp drei Jahren, was den Konsum ankurbeln kann. Davon wollen die deutschen Autobauer profitieren: Volkswagen erwartet 2012 abermals ein prozentual zweistelliges Absatzwachstum. Dabei kann auch der schwächelnde Euro helfen, der zum Dollar zuletzt auf den niedrigsten Stand seit 16 Monaten fiel. „Das gibt den einen oder anderen Impuls“, sagte DIHK-Experte Nothnagel.

Insgesamt wurden Waren im Wert von 94,9 Milliarden Euro ins Ausland geliefert. Das sind 8,3 Prozent mehr als im November 2010. Während die Exporte außerhalb der EU um 8,2 Prozent stiegen, legten sie in die Euro-Länder um 7,7 Prozent zu. Von Januar bis November wurden damit 976 Milliarden Euro umgesetzt. Nach Berechnungen des Exportverbandes BGA wurde Anfang Dezember die Billionenmarke übertroffen - zum ersten Mal innerhalb eines Kalenderjahres.

Die Importe fielen im November überraschend um 0,4 Prozent zum Vormonat. Analysten hatten mit einem Plus von 1,1 Prozent gerechnet. Insgesamt wurden Waren im Wert von 78,7 Milliarden Euro eingeführt - 6,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die bereinigte Handelsbilanz - die Differenz zwischen Ein- und Ausfuhren - fiel mit 15,1 Milliarden Euro unerwartet hoch aus.

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