Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.04.2013

07:22 Uhr

Zweite Jahr in Folge

Japan erneut mit Handelsdefizit in Rekordhöhe

Schlechte Bilanz für Tokio: Japans legt ein Handelsdefizit in Rekordhöhe hin - schon das zweite Jahr in Folge. Das liegt vor allem an China und der EU - und den gesunkenen Exporten.

Der Handel in Japan lief alles andere als rosig. dpa

Der Handel in Japan lief alles andere als rosig.

Japan hat im zweiten Jahr in Folge ein Handelsdefizit in Rekordhöhe verzeichnet. Wie die Regierung am Donnerstag bekanntgab, belief sich der Fehlbetrag in dem am 31. März abgelaufenen Fiskaljahr auf rund 8,2 Billionen Yen (62 Milliarden Euro). Es ist das erste Mal seit der Ölkrise 1980, dass Japan zwei Jahre hintereinander rote Zahlen in seiner Handelsbilanz schrieb. Japans Exporte sanken dabei unter anderem wegen geringerer Ausfuhren an Autos und Maschinen nach China und weniger Halbleitern und Elektronikteilen nach Europa um 2,1 Prozent auf 63,9 Billionen Yen. Die Importe stiegen indes um 3,4 Prozent auf 72,1 Billionen Yen.

Im Handel mit der Europäischen Union rutschte die Bilanz dabei erstmals ins Minus, während das Defizit mit China so hoch ausfiel wie nie zuvor. Bezogen auf März diesen Jahres belief sich der Fehlbetrag in Japans Handelsbilanz nach vorläufigen Berechnungen auf 362 Milliarden Yen. Das ist der neunte Monat in Folge mit einem Defizit.

Was Japans Notenbank beschlossen hat:

Neue Messlatte für die Geldpolitik

Die Notenbanker verabschieden sich ein Stück weit vom Leitzins als maßgeblicher Kenngröße für die Geldpolitik. Neuer Orientierungspunkt ist die Geldbasis, also die Geldmenge M0: Diese setzt sich aus dem im Umlauf befindlichen Bargeld sowie den Einlagen der Banken bei der Notenbank zusammen. Sie soll nun um jährlich 60 bis 70 Billionen Yen (495 bis 577 Milliarden Euro) steigen und sich damit bis Ende 2014 ungefähr verdoppeln.

Ankauf länger laufender Anleihen

Die Bank von Japan will künftig Staatsanleihen mit einer Laufzeit von bis zu 40 Jahren kaufen und damit die gesamte Zinskurve widerspiegeln. Unter ihrem Wertpapierkaufprogramm waren es bisher nur drei Jahre.

Die durchschnittliche Laufzeit aller von der Notenbank gehaltenen Papiere soll auf sieben Jahre steigen. Um dieses Ziel zu erreichen, verschmolz die Notenbank das Wertpapierkaufprogramm mit einem bislang unabhängigen Programm zur Liquiditätsversorgung.

Das Volumen

Die Währungshüter wollen den Bestand an Staatsanleihen um jährlich 50 Billionen Yen (gut 400 Milliarden Euro) erhöhen. Der unbefristete Ankauf von Staatsanleihen, bislang für 2014 geplant, wird dazu vorgezogen.

Ankauf risikoreicher Papiere

Zusätzlich will die Notenbank mehr risikoreiche Papiere kaufen: Jährlich sollen die Bestände an börsengehandelten Indexfonds (ETFs) um eine Billion Yen (acht Milliarden Euro) und die Bestände an Immobilienfonds (REITs) um 30 Milliarden Yen (245 Millionen Euro) steigen.

Aussetzen der Banknotenregel

Nach dieser Vorgabe darf die Notenbank nicht mehr Staatsanleihen in der Bilanz halten, als Banknoten im Umlauf sind. Das gilt nun vorerst nicht mehr.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

fnf2019

18.04.2013, 09:25 Uhr

Draghis „Religion“: Die Löhne müssen runter !

Nun - Draghis Überrumpelung Hollandes bestand in einem arglistigen Trick, der sicher nicht unter „Versehen“ oder politischer Naivität abzubuchen ist. Der stets arrogante EZB-Chef hat einfach Äpfel mit Kürbissen verglichen, indem er die Produktivität r e a l berechnete (also inflationsbereinigt) – die Lohnentwicklung jedoch n o m i n e l l dieser in der Grafik gegenüberstellte: das Ergebnis führte zu einer Darstellung, die die Lohnsteigerung „explosiv ansteigend“ darstellte – währenddessen sich die Produktivität gemächlich entwickelte. Besonders gravierend ist dies im direkten Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich zu sehen, was zu einigen giftigen Kommentaren der „wohlgefühlten Ökonomen-Journaille“ querbeet durch die deutsche Medienlandschaft führte und Frankreich umgehend als DAS Problem der Eurozone an die Wand genagelt wurde.

http://ow.ly/k939g

keeper

18.04.2013, 10:06 Uhr

... dann müssten die Löhne aber auf chinesisches Niveau sinken. Ansonsten bleibt der Trend: "designed in Japan - made in China".

und zu Draghis "arglistigem Trick":
wenn ich vor der Standortfrage stehe, dann schaue ich auf die Entwicklung der nominellen Größe.
Die Produktivitätszuwächse habe ich schließlich selbst in der Hand.

Und wie Länder-Charts der Eurozone aussehen, sollte Hollande schon wissen.
Und wenn er das weiß, dann ist ihm auch durchaus die nicht-wettbewerbsfähige Situation seines Landes bekannt - zumindest die Defizite gegenüber dem Hauptwettbewerber: Deutschland.

Ja, es stimmt schon: der Abbau des Sozialstaates in Deutschland hat nicht nur der deutschen Unter- und Mittelschicht das Wasser abgegraben, sondern wird noch sehr viel nachhaltiger und negativer bei den entsprechenden Gesellschaftsschichten in Frankreich zu buche schlagen.

Aber hey: solange hüben wie drüben die Kapitalerben und deren Kapitalverwalter gut und bestens da stehen, ist doch alles in Butter.
(TINA-Einheitsparteien werden gewählt; weder Ausschreitungen noch Sabotage - einzig Resignation und Maulheldentum findet statt. Die EZB fährt die Finanzierung der Exporte nur so langsam zurück, wie die Exportindustrie neue Märkte andernorts erschließt.)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×