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02.12.2016

18:54 Uhr

Konjunkturausblick

Die gefährlichen Verführer

VonEike Hagen Hoppmann

2017 wird in mehrfacher Hinsicht ein spannendes Jahr. Es ist politisch geprägt, die Auswirkungen auf die Märkte sind unsicher. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, wagt einen Blick in die Glaskugel.

Designierter US-Präsident Donald Trump: Gefährden Populisten das Wachstum? AFP; Files; Francois Guillot

Donald Trump

Designierter US-Präsident Donald Trump: Gefährden Populisten das Wachstum?

FrankfurtIn rund zwei Wochen soll Donald Trump von den Wahlmännern zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt werden. Das mächtigste Land der Welt wird dann von einem Populisten geführt, der eine Mauer zur Abschreckung von Migranten errichten will und den Einsatz von Atomwaffen für ein legitimes Mittel hält.

Nicht nur in den USA hat der Populismus Hochkonjunktur: In Frankreich haben der Front National, in Italien die Fünf-Sterne-Bewegung oder hierzulande die AfD enormen Zulauf. Der Aufstieg der Populisten werde für die Wirtschaft in der Eurozone zur Bedrohung, warnt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Die Wirtschaft stagniert, die Institutionen sind schwach und die Ursachen der Staatsschuldenkrise zum Teil noch nicht behoben. „Die Populisten treffen auf viele ungelöste Probleme“, sagte Krämer. „Sie können mehr Schaden anrichten als in den USA.“

Geldanlage und die Politik: Nicht von Italien verrückt machen lassen

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Nicht von Italien verrückt machen lassen

Die Börsen im Höhenflug – weder ein US-Präsident Trump noch der Brexit können die Rally bremsen. Und das Italien-Referendum? Abwarten. Experten warnen. Die Börse reagiert auf Ereignisse, die noch nicht eingetreten sind.

Denn im kommenden Jahr stehen die Europäer vor schwierigen und richtungsweisenden Entscheidungen: 2017 wird in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden gewählt. Angesichts der Unklarheiten über den exakten Kurs der USA unter der Führung von Trump erwartet die Commerzbank ein politisch dominiertes Jahr. Ähnlich sieht es die DZ Bank: „Im kommenden Jahr wird vor allem die Politik im Vordergrund des Geschehens stehen“, heißt es dort. Die vielfältigen Risikofaktoren hätten durchaus das Potenzial, die „schwelende europäische Krise erneut zu entfachen“.

Bereits an diesem Sonntag stimmen die Bürger Italiens über eine Senatsreform ab. Das Schicksal von Regierungschef Matteo Renzi könnte mit der Wahl verknüpft sein – und auch eine neue Krise scheint nicht ausgeschlossen. „Die Ursachen der Staatsschuldenkrise sind weiterhin nicht gelöst“, sagte Krämer. Deshalb kehre eine Staatsschuldenkrise bei einem „Nein“ aber noch nicht automatisch zurück. Es könne allerdings „gefährlich“ werden, falls es zu raschen Neuwahlen mit Siegchancen für die Fünf-Sterne-Bewegung um Komiker Beppe Grillo kommen sollte.

Italien-Referendum: Anschnallen an den Märkten

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Die Investoren zittern vor dem Ausgang der Abstimmung über Italiens Verfassung am Sonntag. Eins ist sicher: Am Montag danach wird es an den Märkten turbulent zugehen. Was Strategen konkret erwarten.

Krämer sieht darin ein Problem, weil der EZB langsam die Mittel ausgehen, um die Länder zu unterstützen. „Die EZB hat nicht mehr viele Pfeile im Köcher“, sagte Krämer. Er erwartet, dass die Notenbank bei der Sitzung am kommenden Donnerstag mit Blick auf Italien „vorsichtig agieren“ und die Anleihekäufe bei gleichbleibenden Volumen um weitere sechs Monate verlängern wird.

Sollte es in Italien tatsächlich zum „Nein“ kommen, könnten die Währungshüter ihr billionenschweres Anleihen-Kaufprogramm einsetzen, um einen Anstieg der Renditen italienischer Staatsanleihen einzudämmen, sagten zuletzt mehrere Notenbank-Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Die EZB könnte dann zeitweise mehr italienische Bonds kaufen.

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