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09.10.2015

16:45 Uhr

Konjunkturfördermaßnahmen

US-Investoren bringen Negativzinsen ins Spiel

Die US-Arbeitsmarktzahlen für September enttäuschten, die Konjunktur kühlt sich weltweit ab. Nun spekulieren Investoren über Maßnahmen der US-Notenbank: Anleihekäufe oder gar Leitzinsen unter null?

Anleger diskutieren über Maßnahmen der Fed. dpa

Janet Yellen

Anleger diskutieren über Maßnahmen der Fed.

New YorkAm Jahresanfang hatte das Gros der Marktteilnehmer noch nach einer Zinsanhebung der Federal Reserve gerufen. Inzwischen berichtet einer der größten US- Anleihehändler, es sei immer häufiger die Rede von der Notwendigkeit weiterer Konjunkturfördermaßnahmen.

Morgan Stanley, einer der 22 Primärhändler, die direkt mit der Fed handeln, berichtet von Gesprächen mit Kunden über die Möglichkeit, die Anleihekäufe wieder aufzunehmen oder die Leitzinsen unter null abzusenken. Begonnen hat dies nach überraschend schwachen Arbeitsmarktdaten aus den USA in der vergangenen Woche.

Wie es nach dem Fed-Entscheid weitergeht

Zinswende bleibt vorerst aus

Noch scheuen sich die Geldpolitiker um Fed-Chefin Janet Yellen, erstmals seit Jahren wieder am Geldhahn zu drehen. Allerdings könnte die US-Notenbank noch in diesem Jahr handeln – und damit auch die Konjunktur im Euroraum anschieben. Seit Ende 2008 liegen die Zinsen in den USA, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, auf dem Tief zwischen null und 0,25 Prozent.

Warum hat die Fed die Zinsen diesmal nicht angehoben?

Ein Hauptgrund sind die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Im August hatte ein Kurssturz in China Europas Börsen in einen Abwärtsstrudel gezogen und an der Wall Street für massive Verluste gesorgt. „Wir achten insbesondere auf China und aufstrebende Märkte“, sagt Yellen. Die Fed spricht von „globalen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen“, die den Aufschwung gefährden könnten.

Spielt das die Hauptrolle für die Entscheidung der Notenbanker?

Nein. Am wichtigsten sind hohe Beschäftigung und ein stabiles Preisniveau. Die Inflation liegt aber noch deutlich unter dem Zielwert von zwei Prozent, und vom Arbeitsmarkt kommen trotz hoffnungsvoller Zeichen zwiespältige Signale. Aus Sicht von Ökonomen wie Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau ist eine Zinserhöhung angesichts der US-Konjunktur aber schon lange überfällig: „Die US-Wirtschaft dürfte weiter kräftig wachsen, es herrscht praktisch Vollbeschäftigung und die Inflation, obwohl auf niedrigem Niveau, sollte sich in Richtung Zielwert der Fed von zwei Prozent bewegen.“ Die aktuelle US-Konjunkturlage verlange eine Bewegung hin zu Leitzinsen zwischen 2 und 3 Prozent.

Also geht die Spekulation um die Zinswende weiter?

Die Mehrzahl der Notenbanker ist nach wie vor der Meinung, dass die Fed das Ende ihre Nullzinspolitik noch dieses Jahr einläuten sollte. Der Offenmarktausschuss tagt bis Jahresende nur noch zweimal: Ende Oktober und am 16. Dezember. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, erwartet spätestens im Dezember die Zinswende: „Reagieren Janet Yellen und ihre Kollegen auch nicht zum Jahresende, verspielen die Notenbanker ihre Glaubwürdigkeit.“

Ist die Fed zu zaghaft?

Nach Einschätzung vieler Beobachter schon. „Einen Zeitpunkt, zu dem eine Zinserhöhung in einer völlig stabilen weltwirtschaftlichen Situation erfolgt und keine Risiken birgt, wird es kaum geben“, warnt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Das Problem ist, dass der Druck mit jedem Aufschub zunimmt. Schließlich soll beim ersten Zinsschritt nicht der Eindruck entstehen, dass die Ära des ultrabilligen Geldes schlagartig vorüber ist. „Die Haltung der Geldpolitik wird vermutlich noch für einige Zeit nach der anfänglichen Erhöhung der Leitzinsrate hochexpansiv bleiben“, versichert Yellen deshalb.

Warum sind die Zinsen überhaupt auf dem Rekordtief?

Mit den Mini-Zinsen hatte die Fed auf die Finanzkrise von 2008 und die folgende Rezession reagiert. Bei niedrigen Zinsen investieren Unternehmen tendenziell mehr, Verbraucher geben mehr Geld aus. Das schiebt die Konjunktur an.

Welche Folgen hätte eine Zinserhöhung?

Höhere Zinsen verhindern Blasen etwa an Immobilien- und Aktienmärkten sowie eine zu hohe Inflation. Banken verleihen mehr Geld, statt es zu parken. Für viele Sparer sind Zinserträge auch eine wichtige Einnahmequelle. Allerdings würde der Dollar an Wert gewinnen, wenn gleichzeitig andere Notenbanken auf Null-Zins-Kurs bleiben. Das hätte zwei Konsequenzen, betont Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang: „Zum einen brächen die US-Exporte weg, zum anderen würden aus den Schwellenländern sehr hohe Geldbeträge abfließen und dort einen dramatischen konjunkturellen Einbruch herbeiführen. Und das könnte die gesamte Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen.“

Wird die EZB die Zügel im Euroraum bald anziehen?

Nein. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Geldschleusen noch lange weit geöffnet und den Zins nahe der Nulllinie lassen. EZB-Präsident Mario Draghi hat sogar weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Liane Buchholz vom Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) rechnet frühestens 2017 mit einem ersten Zinsschritt: „Die extreme Niedrigzinsphase in Europa wird uns noch länger begleiten.“ Das ist gut für Häuslebauer, die ihre Immobilie extrem günstig finanzieren können. Aber es ist schlecht für Sparer, weil vermeintlich sichere Anlagen kaum Geld abwerfen.

Was würde eine frühere Zinserhöhung in den USA für Europa bedeuten?

Steigen die Zinsen in den USA, aber nicht in Europa, gewinnt der Dollar gegenüber dem Euro an Wert. In Dollar gehandelte Importe wie Rohstoffe werden so im Euroraum teurer. Das stärkt den mickrigen Preisauftrieb. Gleichzeitig werden hiesige Produkte auf dem Weltmarkt günstiger. Das befeuert den Export und die Konjunktur im Euroraum.

Während keiner der Zinsentscheider der Fed eine Neuauflage der sogenannten quantitativen Lockerung in ihren offiziellen Aussagen ins Spiel gebracht hat, diskutieren einige Investoren die Idee, nachdem eine weltweite Konjunkturabkühlung auch die US-Wirtschaft bremst. Hideo Shimomura von Mitsubishi UFJ Kokusai Asset Management in Tokio hält eine vierte Runde von Anleihekäufen der Fed - QE4 - für möglich. Ray Dalio, Milliardär und Gründer von Bridgewater Associates, erklärte bereits im August, er rechne mit einer solchen Maßnahme der Zentralbank.

US-Notenbank: Schwächelnde Konjunktur bremst Zinswende aus

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Die US-Währungshüter sorgen sich um die konjunkturelle Abkühlung in China - und wollen mit der Zinswende warten. Laut dem aktuellen Notenbank-Protokoll rechnen aber viele Fed-Mitglieder mit einer Anhebung in diesem Jahr.

„Fast unmittelbar nach Bekanntgabe der Arbeitsmarktzahlen für September fingen die Telefone an zu klingeln“, schrieb Matthew Hornbach, Leiter globale Zinsstrategie bei Morgan Stanley, in einer am 6. Oktober veröffentlichten Studie. „Was ist wahrscheinlicher: QE4 oder negative Zinsen?“

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