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16.01.2009

11:24 Uhr

Kreditzinsen

„Der Risikoaufschlag fällt happig aus“

VonJörg Hackhausen

Die Banken verlangen zurzeit hohe Zinsen von ihren Schuldnern. Im Interview erklärt Verbaucherschützer Niels Nauhauser, woran das liegt und worauf Kreditnehmer achten sollten.

Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg Pressebild

Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Handelsblatt: Die Banken verlangen zurzeit hohe Zinsen von ihren Schuldnern. Was sind die Gründe?

Niels Nauhauser: Das geschieht aus der Not heraus. Die Banken müssen Geld verdienen, aus den roten Zahlen herauskommen. Das bisherige Geschäftsmodell bricht ja wegen der weltweiten Finanzkrise weg, beispielsweise im Investment-Banking. Deshalb müssen sich die Banken mehr auf das Privatkundengeschäft konzentrieren - und dort die Margen erhöhen.

Ist das eine bedenkliche Entwicklung?

Nicht unbedingt, zumindest ist das keine ungewöhnliche Entwicklung. Vor ein bis zwei Jahren waren die Konditionen noch sehr günstig, davon haben die Verbraucher profitiert. Dass Kredite jetzt teurer werden, lässt sich nicht verhindern. Zusätzlich zur Marge der Bank kommt derzeit noch ein hoher Risikoaufschlag hinzu. Der fällt gerade bei Dispo-Zinsen happig aus. Wenn sich die Ertragslage der Banken bessert, kann man sich darauf verlassen, dass die Kredite wieder günstiger werden. Der Wettbewerb der Banken funktioniert.

Worauf müssen Kreditnehmer in der gegenwärtigen Situation achten?

Zunächst einmal sollte man es vermeiden, überhaupt einen Kredit in Anspruch zu nehmen. Wenn man aber tatsächlich einen Kredit braucht, dann muss gewährleistet sein, dass man ihn auch zurückzahlen kann. Das Kreditvolumen darf nicht zu hoch sein. Außerdem lohnt es sich für Kreditnehmer, von Bank zu Bank zu gehen und den Effektivzinssatz zu vergleichen.

Muss man nur auf den Effektivzins achten?

Vorsichtig sollte man bei Produkten sein, die zusätzlich zum Kredit mitverkauft werden. Wir raten davon ab, eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder eine Restschuldversicherung abzuschließen. Daran verdienen manche Banken gewaltig. Wenn man die Gebühren einer solchen Versicherung einrechnet, betragen die Kreditkosten oft nicht mehr zwölf, sondern zwanzig oder dreißig Prozent. Im Übrigen sind die Bedingungen häufig so schlecht, dass man nicht viel von der Versicherung erwarten kann, wenn tatsächlich ein Schaden eintritt.

Sollten Kunden angesichts der gestrigen Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank auf günstigere Konditionen warten?

Es bringt nichts, auf den einen oder anderen Basispunkt zu spekulieren. Wenn tatsächlich ein Kredit nötig ist, dann sollte man ihn auch aufnehmen.

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