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24.09.2012

14:55 Uhr

Kritik am Währungsfonds

Bundesbank warnt IWF vor Kompetenzüberschreitung

Die Bundesbank hat den Internationalen Währungsfonds scharf kritisiert. Der IWF dürfe mit seinen risikoreichen Finanzhilfen für die Krisenländer nicht zu weit gehen. Der Währungsfonds solle kein Kreditinstitut werden.

Die Bundesbank in Frankfurt. dpa

Die Bundesbank in Frankfurt.

BerlinDie Bundesbank hat den Internationalen Währungsfonds (IWF) vor einer Überdehnung seiner Helfer-Rolle durch zu risikoreiche Kreditvergaben gewarnt. "Durch die Übernahme zu hoher Risiken würde sich der IWF tendenziell von einem Liquiditätsmechanismus zu einem Kreditinstitut wandeln", schrieb die Bundesbank in ihrem Monatsbericht vom Montag.

Ein solcher Wandel stände "weder im Einklang mit den rechtlichen und institutionellen Vorgaben des IWF-Abkommens noch mit seinem Finanzierungsmechanismus und seinen Möglichkeiten der Risikoabsicherung". Gehe der IWF mit Finanzhilfen an Krisenländer zu weit, könnten die Aussichten der vom IWF unterstützen Anpassungsprogramme geschmälert werden.

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"Im Zuge der jüngsten Finanzkrise hat der IWF seine Finanzierungsfunktion zur Unterstützung von Mitgliedsländern bei der Krisenbewältigung und zur Vermeidung von Ansteckungseffekten stark ausgeweitet", hieß es in dem Bundesbank-Bericht, ohne das damit konkret auf die Euro-Staatsschuldenkrise eingegangen wurde. Insofern erfülle der IWF seine wichtige systemische Rolle.

"Gleichzeitig haben die mit IWF-Finanzhilfen verbundenen Risiken für den Fonds substanziell zugenommen", und zwar quantitativ wie qualitativ. Die Bundesbank verwies kritisch auf eine gesunkene Effizienz von IWF-gestützten Anpassungsprogrammen sowie auf den weitgehenden Verzicht auf wirtschaftspolitische Anpassungsvorgaben bei neu entwickelten vorsorglichen Hilfeinstrumenten.

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Die Bundesbank kommt in ihrer Analyse zu dem Schluss, dass neben positiv zu beurteilenden Reformen auch Änderungen beim IWF stehen, die die Risiken erhöht haben. "Insbesondere die Ausweitung der Finanzierungsfunktion des Fonds und die Aufweichung der Standards für die Mittelvergabe haben zu einer Verschlechterung seines Risikoprofils geführt", hieß es in dem Bericht.

"Die Bereitschaft zu einer immer weitreichenderen Absicherung beziehungsweise Substituierung der Finanzierung seitens privater Gläubiger birgt nicht nur die Gefahr, den IWF in seinem institutionellen Aufbau zu überfordern." Im Übrigen sei auch die finanzielle Leistungsfähigkeit des IWF begrenzt.

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Der Fonds sollte sich daher nach Auffassung der Bundesbank auf seine primären Kompetenzen und Expertisen konzentrieren, wie etwa seine Überwachungsfunktion zur Krisenvorbeugung sowie auf seine zielgerichtete Finanzierungsrolle im Rahmen effizienter Programme zur Überwindung temporärer Zahlungsbilanzprobleme.

Von

rtr

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

24.09.2012, 15:26 Uhr

Na, das kann ich mal teilen.
Der IWF sollte sich darum kümmern, das die Entwicklungsländer nach vorne kommen, Europa hat selbst genug Kohle, und eine eigene Notenbank.
Und wenn schon Hilfen für Griechenland, dann kein Geld, sondern reine Strukturhilfen und kostenpflichtige Zwangsberatungen wie Steuereintreibung und aufspüren von Schwarzgeldern in Steuerparadiesen, etc., wenn man schon von Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität reden will.
Wettbewerbsfähig ist jedes Land, welches Leute in Bettenburgen als Arbeitstiere ohne Rechte pfercht, während man zu Hause Lohndumping fahren kann.

Pendler

24.09.2012, 15:27 Uhr

[...].

+++++++++++++++++
Die Menschheit dient seit dem jahr 2000 als "Laborratten". Mit aller Macht steuert die US Notenbank FED einer Deflation entgegen. Bisher läßt sich festhalten, dass seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007/2008 tatsächlich der Leitspruch "Never fight the FED" bestätigt wurde und wird. Der Chef des weltgrößten Hedgefonds, der im Jahr 2011 übrigens George Soros als den "besten Hedgefondsmanager aller Zeiten" abgelöst hat, Ray Dalio, spricht in seinen Analysen von einem geordneten Deleverage-Prozess in den USA. Derselbe Prozess in Europa werde Jahre dauern und unglaublich schmerzhaft verlaufen. Übrigens erwartet auch Dalio noch ein größeres "Leg" nach unten; also das, was ich einige Zeilen weiter oben in meiner Chartkommentierung als "gewaltigen Knall" bezeichnet habe. Dalio sieht hierbei die Gefahr größerer sozialer Unruhen und Verwerfungen, die "Hitler-esken" Politikern den Aufstieg ermöglichen könnten. Ähnlich bewertet übrigens auch George Soros die Situation.
+++++++++++++++++++++++
[...]. +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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Account gelöscht!

24.09.2012, 15:33 Uhr

Also wenn Herr Weidmann bei der naechsten Wahl waehlbar waere, dann waere ihm meine Stimme sicher.

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