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31.12.2013

12:50 Uhr

Kritik an Notenbank

IW-Chef Hüther nimmt Draghi in Schutz

Mario Draghi musste sich wegen seiner Geldpolitik einiges anhören, vor allem aus Deutschland. Nun springt ihm IW-Chef Hüther bei: Die Kritik sei „weder überzeugend noch hilfreich“ – und die EZB nicht „die Bundesbank II“.

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln: Rückendeckung für Draghi. dapd

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln: Rückendeckung für Draghi.

BerlinIW-Chef Michael Hüther hat EZB-Präsident Mario Draghi gegen Kritik aus Deutschland am Kurs der Notenbank in Schutz genommen. „Die ausschließlich deutsche Kritik ist in ihrem Fundamentalismus weder überzeugend noch hilfreich“, schrieb der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in einem Gastbetrag für die Zeitung „Die Welt“.

„Dass die Europäische Zentralbank nicht die Bundesbank II ist, scheint für viele deutsche Kritiker immer noch unfassbar“, fügte Hüther hinzu. „Aber in einer Währungsunion mit fiskalisch souveränen Mitgliedsstaaten stellen sich nun einmal andere Aufgaben als in einem Staatswesen mit einer Währung. Etwas weniger Heiligkeit und etwas mehr Pragmatismus täten einigen deutschen Kritikern der EZB gut.“

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Draghi hatte sich in einem „Spiegel“-Interview in ungewohnt scharfer Form über Kritik aus Deutschland am Kurs der EZB beklagt. „Jedes Mal hieß es, 'Um Gottes willen, dieser Italiener zerstört Deutschland'“, sagte Draghi mit Blick auf Entscheidungen der Notenbank während der Eurokrise. „Es gab diese perverse Angst, dass sich die Dinge zum Schlechten entwickeln, aber das Gegenteil ist passiert.“ Tatsächlich habe sich die Lage entspannt: Die Inflation sei niedrig, und die Unsicherheit habe sich verringert.

Eine Reihe von deutschen Wirtschaftswissenschaftlern hatte den Italiener daraufhin angegriffen. „Sein Selbstmitleid und Eigenlob lassen ein tief verunsichertes Ego erkennen“, hatte etwa der Bonner Wirtschaftswissenschaftler Manfred Neumann der „Welt“ gesagt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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rofell

02.01.2014, 13:43 Uhr

Genau, Herr Hüther. Und darum ist und bleibt der Euro und die EU Teufelswerk für die Bürger. Mit Diktat und Bevormundung der Bürger! Mit dem Raub von Milliarden deutschen Vorsorgevermögen! Nein, diese EU wähle ich nicht, niemals!

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