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19.06.2012

15:50 Uhr

Kurzlaufende Geldmarktpapiere

Bills statt Bonds - die neue Idee der Euro-Retter

Euro-Bonds sind mit Deutschland nicht zu machen. Das haben die Befürworter einer gemeinsamen Schuldenaufnahme der Euro-Zone eingesehen - und propagieren für den kommenden EU-Gipfel eine neue Idee.

Frisch geprägte Ein-Euro-Münzen: Sind Euro-Bills nur die kleinen Brüder der Euro-Bonds? dpa

Frisch geprägte Ein-Euro-Münzen: Sind Euro-Bills nur die kleinen Brüder der Euro-Bonds?

Die Befürworter einer gemeinsamen Schuldenaufnahme der Euro-Länder wagen einen neuen Vorstoß. Dabei wollen sie es eine Nummer kleiner versuchen als mit den lange diskutierten Euro-Bonds - Gemeinschaftsanleihen aller Euro-Länder, die Krisenländern wie Spanien oder Italien eine günstigere Finanzierung ermöglichten. Beim EU-Gipfel am kommenden Wochenende soll ein Konzept für gemeinsame Euro-Bills - also Geldmarktpapiere mit Laufzeit von bis zu einem Jahr - diskutiert werden.

Vor allem Frankreichs Präsident Francois Hollande hofft auf die Einführung der Euro-Bills im Kampf gegen die Schuldenkrise. "Euro-Bonds kann es nicht so schnell geben", sagte ein Mitarbeiter Hollandes am Dienstag. "Aber es gibt Mechanismen, die leichter umgesetzt werden können, sofern der politische Wille dazu da ist - dazu gehören Euro-Bills." Sie würden nur eine Laufzeit von drei Monaten haben und deshalb geringere Garantien erfordern als Bonds mit mehrjähriger Laufzeit. Damit hoffe man, die deutsche Seite zu überzeugen.
Der Charme, aber auch die Gefahr der Lösung: Die gemeinschaftlichen Garantien wären zeitlich überschaubarer als bei einer längerfristigen Schuldenaufnahme. "Die Einführung von Euro-Bills wäre der logische erste Schritt vor einer Einführung von Euro-Bonds", meinen deshalb Anleiheexperten wie Steven Major von HSBC.

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Gemeinschaftlich finanziert werden könnten über kurzfristige Schulden zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Euro-Länder und damit 900 Milliarden Euro. Griechenland, Portugal und Irland, die für ihre langfristige Refinanzierung auf Hilfen der anderen Euro-Länder angewiesen sind, wären vom Konzept ausgenommen.

Not herrscht indes nicht. Auch Länder wie Griechenland können noch kurzfristige Geldmarktpapiere ausgeben, die beim jüngsten griechischen Schuldenschnitt außen vor blieben. Die Griechen zahlen dafür aber relativ viel und boten zuletzt für Sechsmonatspapiere Renditen von 4,7 Prozent. Italien musste Investoren vergangene Woche für Zwölfmonatspapiere mit knapp vier Prozent Rendite locken.

Ausstehende Anleihen

Frankreich

Geldmarktpapiere (Bills): 185,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 1193 Mrd. Euro

Italien

Geldmarktpapiere (Bills): 161,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 1299 Mrd. Euro

Spanien

Geldmarktpapiere (Bills): 74,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 524 Mrd. Euro

Deutschland

Geldmarktpapiere (Bills): 52,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 1007 Mrd. Euro

Belgien

Geldmarktpapiere (Bills): 35,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 288 Mrd. Euro

Niederlande

Geldmarktpapiere (Bills): 27,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 287 Mrd. Euro

Griechenland

Geldmarktpapiere (Bills): 13,9 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 116 Mrd. Euro

Griechenland bekommt Hilfsgelder und wäre deshalb von gemeinsamen Emissionen ausgenommen.

Portugal

Geldmarktpapiere (Bills): 12,7 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 104 Mrd. Euro

Portugal bekommt Hilfsgelder und wäre deshalb von gemeinsamen Emissionen ausgenommen.

Finnland

Geldmarktpapiere (Bills): 3,2 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 65 Mrd. Euro

Slowakei

Geldmarktpapiere (Bills): 2,6 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 23 Mrd. Euro

Österreich

Geldmarktpapiere (Bills): 1,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 178 Mrd. Euro

Irland

Geldmarktpapiere (Bills): 0,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 83 Mrd. Euro

Irland bekommt Hilfsgelder und wäre deshalb von gemeinsamen Emissionen ausgenommen.

Gesamt

Geldmarktpapiere (Bills): 569,1 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 5179 Mrd. Euro

Major von HSBC erwartet, dass Investoren für gemeinsame Kurzläufer der Euro-Zone Renditen zwischen 0,5 und 0,8 Prozent fordern würden. Zum Vergleich: Deutschland zahlte für Sechsmonatspapiere nur 0,007 Prozent.

Ob Euro-Bills schneller kommen als Euro-Bonds oder der ebenfalls auf eine gemeinsame Refinanzierung zielende Schuldentilgungsfonds, ist ungewiss. Aus Deutschland zumindest kam eine harsche Abfuhr: "Euro-Bills sind die kleinen Brüder der Euro-Bonds und damit nichts anderes", sagte eine Sprecherin von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Kommentare (26)

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19.06.2012, 15:32 Uhr

Naja wieso nicht... man nennt Schei**e mal eben Sahnetorte und serviert es den Leuten erneut und quatscht noch gross, wie toll das sei. Es gibt ja Gott sei Dank dass deutsche Schaf, das für alles gerade steht und politisch gesehen auch ALLES frisst was man ihm vorsetzt, sogar Schei**e.

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19.06.2012, 15:43 Uhr

Das ist doch nur ein weiterer Versuch Deutschland für die faulen Kredite andernorts in Haftung zu nehmen. Wenn das Instrument erst mal da ist, wird es wegen der To-Big-To-Fail-Problematik ständig ausgeweitet werden. Solange die Hauptursache, die stark unterschiedliche Kreditqualität (zum Teil kulturell bedingt) nicht angegangen wird, übervorteilt jede Form der gemeinsamen Haftung die "besseren" Schuldner und nimmt den "schlechteren" den Anreiz sich zu verbessern. Diesen Widerspruch lösen auch Euro-Bills nicht, sondern verschärfen ihn bis zum Big Bang.

Account gelöscht!

19.06.2012, 15:44 Uhr

Ja nun, dann weiß man immerhin schon nach einem Jahr, dass die Kohle versenkt wurde - nicht erst nach zehn.
Der frühe Vogel erstickt am Wurm - oder wie war das?

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