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11.12.2014

14:34 Uhr

Lässt Draghi bald Anleihen kaufen?

Schwache Nachfrage nach EZB-Geldspritze

Die EZB stößt mit ihren neuen Langfristkrediten bei den Banken auf schwache Resonanz. Bei der heutigen Auktion brachte sie weniger Geld unter als geplant. Nun steigt die Wahrscheinlichkeit massiver Anleihekäufe.

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt: Bald könnte EZB-Chef Draghi die Geldpolitik weiter auf unkonventionelle Art lockern. dpa

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt: Bald könnte EZB-Chef Draghi die Geldpolitik weiter auf unkonventionelle Art lockern.

FrankfurtDie Banken in der Euro-Zone haben weniger billiges Geld bei der EZB abgerufen als von der Notenbank erhofft. Bei der zweiten großen Kreditlinie der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Jahr sicherten sich die Institute nach Angaben vom Donnerstag 130 Milliarden Euro. Gemeinsam mit der ersten Salve aus dem September sind es damit 213 Milliarden Euro. Die EZB hat aber in etwa doppelt so viel angepeilt. Das Geld fließt im Idealfall in die Kreditvergabe und kurbelt damit die maue Konjunktur in Europa an. Weil sich die Banken zurückgehalten haben, erhöht sich nun der Druck auf die EZB, mit weiteren Maßnahmen gegen die drohende Deflation zu kämpfen.

EZB-Chef Mario Draghi will die Bilanz der Notenbank bis Ende 2016 auf drei Billionen Euro ausweiten. Dieses Ziel erscheint ohne zusätzliche Maßnahmen jedoch kaum erreichbar. „Die EZB muss zusätzliche Maßnahmen anwenden um die beabsichtigte Bilanzgröße bis Ende 2016 zu erreichen“, schreibt EZB-Experte Christian Schulz von der Berenberg Bank in einem aktuellen Kommentar.

Die Gewinner des EZB-Krisenkurses

Aktionäre

Seit Jahren ist das extrem billige Geld der Notenbanken wichtigster Schmierstoff der Börsen. Im Juni hievte eine EZB-Zinssenkung den Dax erstmals über 10.000 Punkte.

Banken

Für sie ist Zentralbankgeld günstig wie nie. Zudem entlastet die EZB über den Kauf von Kreditpaketen. Das soll Freiräume für neue Kredite schaffen und die Konjunktur ankurbeln.

Bundesfinanzminister

Zeitweise verdiente Deutschland mit der Aufnahme neuer Schulden Geld, weil Investoren negative Zinsen für Staatspapiere in Kauf nahmen. Letztlich profitieren davon auch die Steuerzahler.

Konsum

Auch wegen der mickrigen Sparzinsen sitzt Verbrauchern das Geld locker. Das freut Einzelhändler und hilft der Konjunktur.

Kreditnehmer

Auch wenn Banken die rekordniedrigen Leitzinsen von derzeit 0,05 Prozent nicht 1:1 an Kunden weitergeben – selten war es so günstig, die eigenen vier Wände oder eine neue Fabrikhalle zu finanzieren. Laut FMH-Finanzberatung sank der Effektivzins für Baugeld mit zehnjähriger Laufzeit von rund 4,9 Prozent im November des Krisenjahres 2008 auf rund 1,9 Prozent im November 2014.

Krisenstaaten

Die EZB kauft für sie Zeit, um Reformen umzusetzen.

Wie die Zentralbank in Frankfurt mitteilte, sicherten sich 306 Institute bei der langfristigen Kreditlinie - im sperrigen Fachjargon TLTRO genannt - insgesamt 129,8 Milliarden Euro. Im September hatten 255 Banken zusammen rund 83 Milliarden Euro abgerufen.

Obwohl die angepeilte Summe für dieses Jahr von 400 Milliarden Euro bei weitem nicht erreicht wurde, hält EZB-Direktor Benoit Coeure das Programm für erfolgreich. Die Geldspritzen seien gut angenommen worden. "Nach den ersten beiden Geschäften können wir klar sehen, dass sich der Zugang der Institute zu langfristig verfügbaren Mitteln verbessert." Zusammen mit den weiteren jüngst beschlossenen Maßnahmen der Notenbank - dem Kauf von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen - würden die Bedingungen zur Vergabe von Krediten verbessert.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

11.12.2014, 15:27 Uhr

Was die in der EZb machen ist das Gegenteil von Markt, das Gegenteil von Vernunft und das Gegenteil von Wettbewerbssicherung.
Hier werden nicht intakte Strukturen unterstützt ... in den ClubMed-Ländern und damit auch zugleich eine Wettbewerbsverzerrung zulasten deutscher Unternehmen und Banken geschaffen!

Herr Thomas Albers

11.12.2014, 15:33 Uhr

"Weil sich die Banken zurückgehalten haben, erhöht sich nun der Druck auf die EZB, mit weiteren Maßnahmen gegen die drohende Deflation zu kämpfen."

Also wenn die Nachfrage nach dem Geld nicht wie von der EZB erwartet ausgefallen ist, wie wahrscheinlich ist es, dass die Europäische Krise Ihre Lösung in fehlender Liquidität hat?

Die EZB hat sich mit der - vorgeblichen - Wirkung Ihrer Maßnahmen wohl offensichtlich geirrt. Woher kommt also die Gewissheit, dass QE hier noch etwas erreichen könnte?

Dass ein schwacher Euro beim Wirtschaftswachstum kurzfristig helfen kann steht außer Frage - allerdings ebenso unstrittig ist, dass ein schwacher Euro oder "Ankurbelung der Wirtschaft" innerhalb des EZB-Mandats liegen. ;)

Herr Thomas Albers

11.12.2014, 15:38 Uhr

" Wettbewerbsverzerrung zulasten deutscher Unternehmen und Banken geschaffen!"

Wie siehen jetzt die konkreten Maßnahmen zwecks Wettbewerbsverzerrung aus?

Ich habe eigentlich von der AfD-Seite immer gehört, dass Abwertung die Lösung für diese Länder wäre - das ginge dann ja zu Lasten des deutschen Exports. Warum ist das dann im Gegensatz zu den von Ihnen behaupteten Maßnahmen begrüßenswert?

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