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07.09.2016

09:13 Uhr

Larry Summers kritisiert die Fed

Attacke auf Yellen

VonFrank Wiebe

Der bekannte Harvard-Ökonom Larry Summers greift die Geldpolitik der USA an: Der ehemalige Finanzminister wirft Fed-Chefin Janet Yellen vor, die Realität völlig zu verkennen. Er warnt vor einer Rezession.

Der Ökonom fordert von der Fed, sich langfristig neu auszurichten. Reuters

Larry Summers:

Der Ökonom fordert von der Fed, sich langfristig neu auszurichten.

New YorkLarry Summers, hoch dekorierter Harvard-Ökonom und ehemaliger Finanzminister, ist weder für falsche Zurückhaltung noch für Mangel an Selbstbewusstsein bekannt. Jetzt hat er Janet Yellen, der Chefin der US-Notenbank (Fed), einen verbalen Tiefschlag versetzt und ihrem Vorgänger Ben Bernanke nebenbei auch eins mitgegeben.

Zur Einschätzung Yellens in ihrer letzten Rede, die Fed sei „unter den meisten Umständen in der Lage“ einer drohenden Rezession „wirksam zu begegnen“, schreibt er in seinem Blog: „Diese Stellungnahme ist vergleichbar mit der unseligen Meinung des früheren Fed-Chefs Ben Bernanke, die Subprime-Probleme seien leicht einzudämmen.“ Die Probleme mit Subprime-Darlehen, also Immobilien-Krediten schlechter Bonität, standen im Zentrum der Finanzkrise des Jahres 2008, deren Ausmaß die Fed damals in der Tat völlig unterschätzt hatte.

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Summers beißende Kritik ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass er selber als Anwärter für den Job galt, den Yellen seit Februar 2014 bekleidet. Außerdem gehört er zu den bekanntesten Vertretern der These, dass sich die USA und andere entwickelte Länder langfristig auf schwaches Wachstum und niedrige Zinsen einstellen müssen.

In den letzten Monaten findet diese These immer mehr Anhänger, auch bei der Fed. Yellen hat in ihrer letzten Rede gesagt, dass die Leitzinsen langfristig kaum über drei Prozent hinausgehen dürften – was weniger ist als auf den Höhepunkten früherer Zins-Zyklen. Viele Ökonomen rechnen aber mit einem nächsten Zinsschritt im kommenden Dezember, das wäre ein Jahr nach der ersten Anhebung seit der Finanzkrise.

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Summers rechnet dagegen vor, was alles gegen eine Zinserhöhung spricht: der zuletzt nachlassende Druck vom Arbeitsmarkt, das Fehlen wirklicher Inflation, das schwache Wachstum. Der private Sektor in den USA wachse nur mit 1,3 Prozent, schreibt er, und das sei seit den 60er-Jahren immer ein Anzeichen für eine aufziehende Rezession gewesen.

Er wiederholt seine Warnung, eine Rezession komme in den folgenden drei Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent und sieht die Fed dafür schlecht gerüstet. Denn die Zinsen sind so niedrig, dass sie kaum gesenkt werden können. Und die massiven Anleihekäufe wie in den vergangenen Jahren bringen nach seiner Ansicht wenig. Als Beleg dafür führt er an, dass die langfristigen Zinsen nach dem Auslaufen dieser Käufe kaum gestiegen sind – was viele Ökonomen freilich im Zusammenhang mit den Minuszinsen und den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank sehen, die die Anleger auf der Suche nach wenigstens ein bisschen Rendite in die USA treiben.

Nach allen Warnungen fordert der Ökonom alles zu tun, um eine Rezession zu verhindern. Wie genau das gehen solle, verspricht er wie ein guter Drehbuch-Autor, erfahre der geneigte Leser im nächsten Blogeintrag.

Ein hochrangiger US-Notenbanker hat unterdessen seine Forderung nach einer schrittweisen Erhöhung des Leitzinses in den Vereinigten Staaten bekräftigt. „Es macht Sinn, auf einen graduellen Pfad von Zinserhöhungen zurückzukehren, lieber früher als später“, sagte der Präsident der Fed von San Francisco, John Williams, im Dienstag (Ortszeit). Die US-Wirtschaft sei „in einem guten Zustand“.

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