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25.09.2014

14:00 Uhr

Laut Berichten

Chinas Zentralbankchef vor Ablösung

Erwartungen über einen Wechsel an der Spitze von Chinas Zentralbank lösen wilde Spekulationen aus. Der oberste Banker Zhou Xiaochuan gilt als Reformer, genießt international Respekt. Ändert die Bank nun ihren Kurs?

Der als Reformer geltende Chef der chinesischen Zentralbank, Zhou Xiaochuan, dürfte wohl aus politischen Gründen pensioniert werden. dpa

Der als Reformer geltende Chef der chinesischen Zentralbank, Zhou Xiaochuan, dürfte wohl aus politischen Gründen pensioniert werden.

PekingChinas Führung erwägt offenbar die Ablösung des langjährigen Zentralbankchefs Zhou Xiaochuan. Der mögliche Personalwechsel löst Spekulationen über Differenzen oder gar eine Lockerung der Geldpolitik der zweitgrößten Volkswirtschaft aus, doch rechnen Experten nach dem Abgang des 66-Jährigen nicht mit einem Kurswechsel. „Er geht bald“, sagte ein ausländischer Firmenvertreter mit engen Kontakten zu Chinas Wirtschaftslenkern am Donnerstag.

Nachfolger soll demnach voraussichtlich der ehemalige Chef der Wertpapieraufsicht und Vizegouverneur der Notenbank, Guo Shuqing, werden. Der 58-Jährige ist heute Gouverneur der Provinz Shandong. Der Wechsel könnte auf dem 4. Plenum des Zentralkomitees vollzogen werden, das Mitte Oktober in Peking zusammenkommen soll.

Mit elf Jahren in der Position ist Zhou Xiaochuan, der international großen Respekt genießt, der am längsten amtierende Zentralbankchef Chinas. Wegen seiner Erfahrung hatte der neue Staats- und Parteichef Xi Jinping beim Regierungswechsel 2013 eine seltene Ausnahme gemacht und ihn im Amt belassen, obwohl er das Rentenalter erreicht hatte.

Die erste Nachricht von der bevorstehenden Ablösung im „Wall Street Journal“ beflügelte die Aktienmärkte, die auf eine lockerere Geldpolitik spekulieren. Das Blatt schrieb, die Pensionierung des 66-Jährigen dürfte mit seinem Alter begründet werden, doch steckten Differenzen über den finanzpolitischen Kurs dahinter.

Zhou Xiaochuan dringe auf Marktreformen wie eine Liberalisierung der Zinsen, doch befürchte die Führung eine Belastung für die ohnehin langsamer wachsende chinesische Wirtschaft, schrieb das Blatt unter Berufung auf Parteivertreter. Auch wachse der Druck, den Geldhahn aufzudrehen, während die Zentralbank für gezielte Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft plädiere.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

Handelsvolumen

China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

Exporte

Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

Importe

Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

Investitionen

Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.

Mehrere ausländische Banken- und Unternehmensvertreter widersprachen aber dieser Darstellung. Sie erwarten eher Kontinuität und keinen Kurswechsel. Der potenzielle Nachfolger Guo Shuqing wurde als „Schützling“ von Zhou Xiaochuan beschrieben. Wie der langjährige Zentralbanker gehöre der Bankenexperte zu den Reformkräften, die bis zum früheren Regierungschef Zhu Rongji zurückgingen, der bis 2003 marktwirtschaftliche Umstrukturierungen vorangetrieben hatte.

Guo Shuqing zählt demnach wie Zhou Xiaochuan zur Fraktion des Präsidenten sowie des einflussreichen Wirtschafts- und Finanzpolitikers Wang Qishan, der heute als oberster Korruptionsbekämpfer im engsten Führungszirkel sitzt.

Von

dpa

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