Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.10.2014

16:07 Uhr

Lebensversicherung

Was gebrauchte Lebenpolicen als Geldanlage taugen

VonSara Zinnecker

Der Zweitmarkt für Lebensversicherungen kauft gut verzinste Altpolicen von Kunden auf – und verkauft sie weiter. Für Anleger, denen Sicherheit wichtig ist, könnte das eine Option sein. Doch ein paar Haken hat die Sache.

Gebrauchte Lebenpolicen als Geldanlage: Gibt es bald mehr Angebot? Getty Images

Gebrauchte Lebenpolicen als Geldanlage: Gibt es bald mehr Angebot?

DüsseldorfDer Jahresschlussverkauf beginnt schon jetzt – jedenfalls, wenn es um das Geschäft mit Lebensversicherungen geht. Zum 1. Januar sinkt der Garantiezins für neue Verträge, die Verzinsung also, die Versicherer für ihre Kundengelder mindestens erwirtschaften müssen. Zum fünften Mal in 15 Jahren geht es damit bei den Garantien nach unten, angelehnt an das allgemein schrumpfende Zinsniveau für sichere Anlagen.

Bald dürfen Neukunden also nur noch mit 1,25 Prozent garantierter Verzinsung auf ihre einbezahlten Beiträge rechnen. Klar, dass da so mancher Versicherer noch mit den alten Konditionen, einem Garantiezins von 1,75 Prozent, wirbt. Ein halbes Prozent mehr, das ist doch was, so das Verkaufsmotto.

Doch ein ehrlicher Blick genügt, um zu erkennen, dass auch mit einer Mindestverzinsung von 1,75 Prozent im Alter nicht mehr viel Spielraum bleibt. Zumindest solche Neukunden, die eine Lebensversicherung nicht nur als reines Vorsorgeprodukt, sondern eben auch als Renditeprodukt ansehen, dürften einigermaßen frustriert sein. Doch bleibt solchen Kunden unter Umständen ein Weg, doch noch an besser verzinste Altverträge heranzukommen.

Der Zweitmarkt für Lebenpolicen

Verband

Insgesamt 14 Zweitmarktanbieter sind im bundesweiten Verband BVZL organisiert. Bei Verbraucherschützern gelten sie als die seriös. Die Anbieter kaufen alte Lebensversicherungen an und verkaufen sie an private Anleger und kleinere institutionelle Investoren weiter.

Ankaufvolumen

Mit Policen im Wert von rund 200 Millionen Euro halten die Zweitmarktanbieter in Deutschland nur einen Bruchteil, rund drei Prozent, des jährlichen Stornovolumens. Das Ankaufvolumen ist über die letzten Jahre konstant geblieben. 2007 machte das Ankaufvolumen noch zirka 12 Prozent des Stornovolumens aus.

Verträge

Zweitmarktanbieter kaufen längst nicht alle Altpolicen. Interessant werden Verträge erst ab einem Rückkaufswert von 10.000 Euro – dann ist der Vertrag in der Regel mehr wert als bislang an Geld investiert wurde. Die Rendite dreht ins Positive. Einen derartigen Rückkaufswert erreichen Policen in aller Regel ab zehn Jahren Laufzeit.

Verkaufsvolumen

2013 hat Marktführer Policendirekt etwa 29 Prozent des angekauften Volumens an Altpolicen (108 Millionen Euro) an Investoren weiterverkauft. Zum Verkaufsvolumen von Altpolicen liefert der Zweitmarktverband keine Zahlen.

Diese Hintertür öffnet der Zweitmarkt für Lebensversicherungen: Er kauft potenziellen Kündigern ihre Lebenpolicen ab, sofern sie bereits eine Weile laufen und mindestens 10.000 Euro Wert sind, und verkauft sie auf Anfrage an interessierte Anleger weiter. Der Käufer führt die Beiträge bis zur Fälligkeit fort und streicht am Ende die Ablaufleistung ein.

Als „seriöser Zweitmarkt“ bezeichnen Verbraucherschützer die 14 Anbieter, die sich seit 2004 im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL) zusammengeschlossen haben. Als Marktführer gilt der Anbieter Policen Direkt, der 2013 Altverträge im Wert von 108 Millionen Euro angekauft hat – mehr als die Hälfte des gesamten Zweitmarkt-Ankaufvolumens.

Auf der Internetseite von Policen Direkt können Anleger Verträge nach bestimmten Kriterien filtern, etwa nach Investitionssumme, nach Restlaufzeit oder nach Versicherer. Wer fündig wird, stellt eine Anfrage an das Unternehmen, welches die Police beim Versicherer anfragt und überträgt. Bei anderen Anbietern läuft der Auswahlprozess ähnlich ab. So einfach –  theoretisch.

Denn in der Praxis hat die Sache einen Haken: Die Auswahl an Altpolicen am Zweitmarkt ist derzeit recht gering. Wie der Verband meldet, hat die Branche 2013 gebrauchte Verträge im Wert von 200 Millionen Euro angekauft, lediglich rund drei Prozent des Stornovolumens.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Josef Schmidt

22.10.2014, 08:38 Uhr

Für die Tonne denn nach dem neuen Versicherungsgesetz sind nicht mal die garantierten Auszahlungen sicher.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×