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27.08.2015

17:51 Uhr

Leitzinserhöhung

Experten raten zur Vorsicht

Seit Jahren dümpelt der Leitzins in den USA zwischen null und 0,25 Prozent. Ginge es nach manchen Experten könnte die Niedrigzinsphase noch länger andauern – oder auch nicht. Viele Augen richten sich auf China.

Esther George ist die Präsidentin des Fed-Ablegers in Kansas City. Reuters

Fed-Mitglied

Esther George ist die Präsidentin des Fed-Ablegers in Kansas City.

Washington/PekingDie US-Notenbankerin Esther George rät wegen der Wirtschaftsabkühlung in China und den jüngsten Finanzmarkt-Turbulenzen bei einer Anhebung der Zinsen zu Vorsicht. „Nach dem, was wir zuletzt gesehen haben, denke ich, dass wir schlichtweg abwarten und schauen müssen“, sagte die Präsidentin des Fed-Ablegers in Kansas City am Donnerstag dem Sender Fox Business Network. George hatte sich zuletzt noch für eine rasche Zinswende ausgesprochen.

Die Währungshüterin, die erst 2016 wieder in dem für die Fed-Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschuss stimmberechtigt ist, wollte dennoch nicht ausschließen, dass sie im September einen Zinsschritt unterstützt. „Ich möchte nicht auf kurzfristige Daten hin überreagieren“, sagte sie. Solche Daten könnten sich möglicherweise auf lange Sicht als nicht wichtig für eine derartige Entscheidung herausstellen. Die US-Notenbank tagt das nächste Mal am 16. und 17. September.

Nach Ansicht eines hochrangigen Mitglieds der chinesischen Notenbank (PBC) sollte die Zinswende sogar erst einmal verschoben werden. „Die Fed sollte nicht nur die US-Wirtschaft sehen, sondern auch die Weltwirtschaft betrachten, die sehr fragil ist“, sagte der Leiter des zentralbankeigenen Forschungsinstituts für Finanzen und Banken, Yao Yudong, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Verschiebung des Zinsschritts würde insbesondere den Schwellenländern mehr Zeit zur Vorbereitung geben.

Chinas Wirtschaft stehe zwar weiterhin auf einer soliden Basis, sagte Yao. Einige Schwellenländer könnten aber in den kommenden Jahren Finanzkrisen drohen, sollten die Zinsen in den USA steigen. Die Leitzinsen in den USA liegen seit Ende 2008 auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent. Die Chefin der Federal Reserve Bank (Fed), Janet Yellen, hatte angekündigt, die Zinswende in diesem Jahr zu starten. Der genaue Zeitpunkt steht aber bislang nicht fest.

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Yao wies Überlegungen zurück, die Abwertung der Landeswährung Yuan habe die jüngsten weltweiten Börsenturbulenzen ausgelöst. „Chinas Wechselkurs-Reform hat nichts zu tun mit der weltweiten Börsen-Volatilität“, sagte er. Diese sei vor allem auf den bevorstehenden geldpolitischen Schritt in den USA zurückzuführen. Yao zufolge könnte der Yuan mit der Zeit wieder im Kurs zulegen. „Der Wechselkurs (des Yuan) wird im Kern stabil bleiben mit zweiseitiger Volatilität. Wir können die Möglichkeit nicht ausschließen, dass der Yuan nach zwei bis drei Jahren steigt.“

Die überraschende Yuan-Abwertung durch die PBC am 11. August um fast zwei Prozent hatte weltweit die Sorge verstärkt, dass die Konjunktur der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft dauerhaft ins Stottern geraten könnte. Solche Befürchtungen wies Yao jedoch zurück. „Chinas Wirtschaft ist in guter Verfassung. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das Wachstum im Gesamtjahr sieben Prozent erreichen wird.“ Viele Volkswirte gehen allerdings davon aus, dass die Regierung in Peking diese selbstgesteckte Zielmarke verfehlen wird. Dies wäre ohnehin das geringste Plus seit einem Vierteljahrhundert.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Herr Peter Noack

28.08.2015, 07:28 Uhr

Ahnungslose Experten!
Warum nimmt sich die Fed nicht ein Beispiel an der Zentralbank der Ukraine und senkt den Leitzins auf 27 Prozent. Paul Volker hat vor 34 Jahren den Zins auf 18 Prozent gesteigert und die Wirtschaft wuchs rasant, der Kommunismus ging unter und das rasante Wachstum von China begann.
Der Zinsentscheid der Fed wird ein wohltuender Schock für die Märkte und führt zur Normalisierung der Assetpreise. Das will wohl niemand mehr?

Herr Peter Noack

28.08.2015, 07:41 Uhr

Nach welcher Theorie rechtfertigen 4 oder 5 Prozent Senkung des Renminbi zum Dollar über 20 Prozentige Kurssenkungen an den Börsen? Ein paar Tage später sind davon schon wieder 10 Prozent aufgeholt, ohne dass sich der Währungskurs geändert hat. Dafür gibt es keine Theorie. Das ist reine Psychose, also krankhaft. Die psychotisierten Akteure gehören in die Gummizelle bis der Anfall vorbei ist.

Herr Peter Noack

28.08.2015, 07:49 Uhr

Das geringste Plus des chinesischen Wachstums seit einem viertel Jahrhundert bedeutet immer noch das über 500 Fache BIP von 2015 bis 2105. Zehn Jahre später könnten es schon das 1.000 Fache sein? Auch die Weltwirtschaft kann nicht das gesamte 21. Jahrhundert über 3 Prozent wachsen. Das wäre dann bis 2100 das 12 Fache von heute. China muss sein Wachstum in den nächsten 20 Jahren unter 3 Prozent senken. Das gilt auch für die gesamte Menschheit. Ökonomen können das nicht verstehen und Politiker noch weniger.

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