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17.12.2014

22:33 Uhr

Leitzinserhöhung in den USA

Die Fed spielt auf Zeit

Die US-Notenbank Fed übt sich im Spagat: Sie signalisiert eine mögliche Leitzinserhöhung, hält aber an ihrem Niedrigzinsbekenntnis fest. Bei der Abstimmung über den künftigen geldpolitischen Kurs gab es Gegenstimmen.

Janet Yellen - die Präsidentin der amerikanischen Notenbank.

Janet Yellen - die Präsidentin der amerikanischen Notenbank.

Eine einziges Wort reicht Beobachtern als Signal für eine mögliche Leitzinserhöhung in den USA: "geduldig". Bisher hatte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) als Leitlinie vorgegeben, sie werde die Zinsen für „beträchtliche Zeit“ nahe Null halten. Nun erklärte sie am Mittwoch nach der Sitzung des Offenmarktausschusses, sie könne den Beginn der Normalisierung der Geldpolitik "geduldig" angehen.

Zwar teilte die Fed zugleich mit, ihr früheres Bekenntnis zu langfristig niedrigen Zinsen stehe damit im Einklang. Viele Experten hatten damit gerechnet, dass ein Bezug zu dem Niedrigzinsbekenntnis komplett aus der Erklärung der Fed gestrichen würde. Nun wählte die Fed eine Kompromissformel, um die Märkte nicht zu verschrecken: "Die Fed will keinen abrupten Wechsel, sondern eine Politik der ruhigen Hand", meint US-Ökonom Scott Clemens von der Privatbank Brown Brothers Harriman.

Immerhin: Die neue Formulierung deutet darauf hin, dass die Fed nach sechs Jahren ultralockerer Geldpolitik langsam auf eine Zinserhöhung zusteuert und eine Straffung der Geldpolitik konkreter ins Auge fasst. Der Leitzins liegt bereits seit Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent.

Einen konkreten Termin für eine Zinsanhebung nannte das zehnköpfige Gremium aber zum Abschluss seiner zweitägigen Beratungen über den künftigen Fed-Kurs nicht. Fed-Chefin Janet Yellen zufolge wolle sich das Führungsgremium nicht auf einen Zeitpunkt festlegen, da die Zinswende von der Entwicklung der Wirtschaft abhänge.

Die Fed folgt mit ihren Formulierungen früheren Mustern: 2004 ersetzte sie im Januar eine „beträchtliche Phase“ der Zinsstabilität mit einem „geduldigen“ Kurs Ende dieses Jahres. Im Juni darauf folgte die erste Zinserhöhung.

Doch eine Leitzinserhöhung in absehbarer Zeit ist noch längst keine ausgemachte Sache. Die Entscheidung über eine „geduldige“ Zinspolitik wurde mit 7 gegen 3 Stimmen getroffen. Das gilt als Zeichen erheblicher interner Auseinandersetzungen über den künftigen Kurs. Die Gegenstimmen kamen von Richard Fisher, Narayana Kocherlakota und Charles Plosser.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

An den Märkten wird damit gerechnet, dass die Notenbank Mitte nächsten Jahres die Zinswende einläuten wird. Die US-Aktienkurse weiteten ihre Gewinne nach der Zinssitzung aus. Der Leitindex der New Yorker Börse, der Dow Jones, ging 300 Punkte nach oben.

Die Notenbanker selbst gehen im Mittel davon aus, dass der Leitzins Ende 2015 bei 1,125 Prozent liegen wird. Damit erwarten sie einen sanfteren Anstieg als noch im September, als sie einen Wert von 1,375 Prozent für Ende nächsten Jahren angepeilt hatten.

Kommentare (1)

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Herr Uwe Warschkow

18.12.2014, 19:38 Uhr

Bei 18 Billionen an Schulden der USA bleibt ihr kaum etwas anderes übrig,als den Zins dauerhaft niedrig zu belassen.Ja 6,5% Leitzins,das war mal in 2000.Seitdem haben sich die Schulden verdreifacht.Das hohe Zinsniveau kommt nicht wieder.Das jüngste Handelsbilanzdefizit der USA lag bei 100 Milliarden für den Monat November.Besserung nicht in Sicht.Pro Jahr kommen eine Billion an neuen Schulden hinzu.Das heißt,bei Amtsübergabe im Januar 2017 ,wird die USA 20 Billionen an Verbindlichkeiten angesammelt haben.
Ich gehe deshalb davon aus,dass auch im Jahre 2017 der Leitzins bei unter 2% liegen wird,anders wären die Zinsen nicht zu bedienen.

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