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07.04.2006

21:15 Uhr

Lenhard Jesse

„Die gesetzliche Erbfolge ist oft nicht optimal“

Lenhard Jesse ist Partner der Kanzlei Flick,Gocke,Schaumburg. Im Interview spricht er über Erbfälle vor Gericht, Erbverträge und Testamente.

Handelsblatt: Trotz Testaments landen viele Erbfälle vor Gericht. Woran liegt das?

Lenhard Jesse: Probleme machen vor allem Testamente, in denen die Fachbegriffe fehlen. Hat der Verstorbene seine Wünsche ohne Beratung selbst verfasst, lassen sich diese oftmals juristisch unterschiedlich interpretieren. Die Gerichte versuchen zwar, den eigentlichen Willen des Erblasser zu erkennen. Wenn dieser aber teilweise die endgültige Entscheidung hören könnte, würde er sich oftmals sicher wundern.

Teilweise sind die Testamente sogar ungültig.

Das stimmt, vor allem wenn formale Regeln nicht eingehalten werden. Dazu zählt beispielsweise, dass das Testament, solange es nicht vom Notar beurkundet wird, noch immer von Hand geschrieben werden muss. Dies gilt übrigens auch bei Ehepaaren, die gemeinsam ein Testament verfassen. Die Partner müssen dann auch beide das von Hand geschriebene Dokument unterschreiben.

Gibt es noch weitere formale Regeln?

Problematisch wird es auch, wenn der Erblasser sein Testament über die Jahre häufig ändert oder erweitert. Dabei passiert es oft, dass er sich am Ende selbst widerspricht und das Testament daher ungültig wird.

Immer häufiger werden auch Erbverträge geschlossen. Was sind denn die Unterschiede zwischen diesen Verträgen und Testamenten?

Erbverträge müssen prinzipiell notariell beurkundet werden. Im Gegensatz zum Testament sind es Verträge, die mindestens zwischen zwei Personen geschlossen werden. In einem Erbvertrag kann beispielsweise ganz genau geregelt werden, welches Kind später einmal das Unternehmen bekommt und was es dafür als Gegenleistung an seine Geschwister zahlen muss.

Gibt es auch bei Erbverträgen Schwierigkeiten?

Da stets ein Notar beteiligt ist, sind die Probleme später weitaus geringer. Allerdings sollte man sich genau überlegen, ob man einen Erbvertrag abschließen will. Denn dieser kann von dem potenziellen Erblasser nicht wie ein Testament einfach wieder aufgehoben werden. Um den Vertrag zu verändern oder aufzuheben, müssen immer beide Parteien zustimmen.

Wo sollte ein Testament aufbewahrt werden?

Das Testament kann grundsätzlich zu Hause, bei einem Notar oder beim Amtsgericht hinterlegt werden. Entscheidend ist nur, dass es nach dem Tod auch gefunden wird.

Wer bestimmt eigentlich den Testamentsvollstrecker?

Der Erblasser kann grundsätzlich noch zu Lebzeiten jeden Menschen – auch ohne dessen Zustimmung – als Testamentsvollstrecker einsetzen. Kann oder will dieser später die Aufgabe nicht übernehmen, bestimmt das jeweils zuständige Gericht einen Vertreter. Das Amtsgericht wählt auch einen Testamentsvollstrecker aus, falls der Erblasser selbst sich nicht für eine Person entschieden hat.

Die Fragen stellte Patrick Mönnighoff.

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