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03.12.2013

14:22 Uhr

Liquiditätsschwemme

Börse auf Droge – wie lange noch?

VonJessica Schwarzer

Die Märkte sind wie im Rausch. Getreu der Formel von Börsenaltmeister Kostolany „Börsentendenz = Liquidität plus Psychologie“ geht die Party weiter. Doch was passiert, wenn den Börsen die Liquidität entzogen wird?

Börsenexperte und Bestsellerautor André Kostolany ist schon lange tot, doch seine Börsenweisheiten gelten auch heute noch. dpa

Börsenexperte und Bestsellerautor André Kostolany ist schon lange tot, doch seine Börsenweisheiten gelten auch heute noch.

DüsseldorfAktionäre im Glück – seit Monaten steigen die Aktienkurse rund um den Globus. Dax und Dow Jones jagen von Rekord zu Rekord. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis der deutsche Standardwerteindex die magische Marke von 10.000 Punkten überwindet. Der Dow Jones ist mittlerweile auf mehr als 16.000 Punkte geklettert.  Im Oktober stand er noch unter 15.000 Punkten. Befeuert wird die Rally an den Aktienmärkten von den Notenbanken oder genauer ihrer Politik des billigen Geldes. Seit einigen Jahren fluten sie die Märkte mit Liquidität.

„Die Geldschwemme der vergangenen Jahre, die gekoppelt war und ist an ein Niedrigzinsumfeld in quasi allen westlichen Industrienationen, war die politische Antwort auf die hohen Verwerfungen aus den Jahren 2008/2009“, sagt Markus Zschaber, Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft. Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brother, die eine weltweite Finanz- und in der Folge auch Wirtschaftskrise auslöste, hatten die Notenbanken nur ein Ziel: die Wirtschaft wieder zu stabilisieren und anzukurbeln. Die europäische Schuldenkrise zwang die Europäische Zentralbank (EZB) zu ähnlichen Maßnahmen wie die US-Notenbank Fed.

Die Leitzinsen rutschten auf Rekordtiefs. Und weil es in Zeiten, in denen auch Anlagezinsen quasi abgeschafft sind, an Investment-Alternativen mangelt, fließt eine Menge Geld in die Aktienmärkte. Liquiditätsgetriebene Rally nennen Experten das, was wir an den Märkten erleben. Doch wie lange kann das noch gut gehen? Wann entziehen die Notenbanken den Märkten das Geld, das wie eine Droge wirkt? Wann droht der Entzug? Und wird es ein kalter, also harter Entzug?

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

...geduldig

"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."

...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Schon André Kostolany sagte: „Meine einfache Börsenformel lautet: Börsentendenz = Liquidität plus Psychologie. Der wichtigste Faktor ist die Liquidität. Wenn die Welt im Geld schwimmt, dann steigen die Kurse.“ Der Börsenaltmeister ist längst verstorben, doch seine Börsenformel gilt heute wohl mehr denn je.

Fest steht: Irgendwann wird die Politik des billigen Geldes zurückgefahren. Die Frage ist nur: wann? Und wie? „Der Einstieg zum Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik in den USA kommt wohl in Form von reduzierten Anleihekäufen durch die Fed frühestens im März und spätestens bis zum Sommer 2014“, glaubt Claude Heller, Leiter Vertriebspartnergeschäft bei der Fondsgesellschaft Fidelity in Deutschland. Bis es aber zum Zinsanstieg komme, werde es unter der neuen Fed-Chefin Janet Yellen noch eine Weile dauern. Oberste Priorität bleibe die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in den USA. „Von dem Punkt, an dem Liquidität entzogen wird, sind wir noch sehr weit entfernt – zumal die EZB den Leitzins in Europa noch länger tief halten wird als die Fed“, ergänzt der Fidelity-Experte.

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

03.12.2013, 14:36 Uhr

Bis auch der letzte deutsche Sparer aufgrund der Niedrigstzinsen sich in Aktien flüchtet um noch halbwegs eine Altersvorsorge zu treffen. Dann machst Bumm und alles ist verzockt von den Banken, den Soros dieser Welt und die Politiker heucheln Betroffenheit.

HB49

03.12.2013, 14:50 Uhr

Ein interessierter Mensch hatte seit 2009, 2011 und spätestens Sommer 2013 die Möglichkeit zu erkennen, wohin die Reise geht und wird jetzt schrittweise die großen Gewinne mitnehmen. Doch die Deutschen wollen nicht lernen.

Seismograph

03.12.2013, 14:56 Uhr

Ein Zurueck ist voellig ausgeschlossen! Nur solch Geisteskranker Abschaum, wie die Regierungsmarionetten und die meisten Parlamentarier koennen sich einbilden, dass sie den Geist jemals wieder in die Flasche bekommen!
Bis Jahresende bringt das Weihnachtsgeschaeft ein wenig heuchlerische Ruhe, dann aber beginnt erneut die Diskussion um die US Staatsverschuldung und das ungeloeste Haushaltsproblem, worauf dann nahtlos die Diskussion um das europaeische Desaster nicht mehr unter der Decke gehalten werden kann, vor allem das von Frankreich und Italien: gar nicht zu sprechen von den schon lange hoffnugslosen Faellen, wie GR, PT, ES, CY, etc., etc.!
Danach ist Sommerflaute und Urlaubslaune angesagt, bis dann das zum zigsten mal sich wiederholende US Haushaltsdesaster auf dem Plan steht und dann wiederholt sich die ganze Sache nochmals! Zwischendurch kreuzen ein paaar schwarze Schwaene die Vertuschungsvorhaben der Regierungsmarionetten, werden aber von der devoten Presse vom Volk weitgehend ferngehalten!
Abschaeulich kann man da nur noch konstatieren!

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