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08.09.2016

15:32 Uhr

Liveblog – EZB-Sitzung

„Unsere Geldpolitik ist wirksam“

VonJulian Trauthig

Die EZB hält ihre Leitzinsen unverändert und will das noch lange so lassen. EZB-Chef Mario Draghi gibt sich überzeugt von seinen Maßnahmen: Über eine Ausweitung der lockeren Geldpolitik werde nicht gesprochen.

An diesem Donnerstag tagt in Frankfurt turnusgemäß der Rat der EZB. dpa

Frankfurter Bankenskyline

An diesem Donnerstag tagt in Frankfurt turnusgemäß der Rat der EZB.

DüsseldorfGroßes hatte kaum ein Anleger von der EZB-Ratssitzung an diesem Donnerstag erwartet. Mario Draghi aber schaffte es, sogar diese Erwartungen zu enttäuschen: Weil er auf eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms verzichtete, sank der Dax nach der Veröffentlichung der Zinsentscheidung um 13.45 Uhr. Die Ergebnisse im Überblick:

  • Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Notenbankgeld bleibt bei 0,0 Prozent.
  • Die Strafzinsen für Banken, der sogenannte Einlagezins, liegt weiterhin bei minus 0,4 Prozent.
  • Die monatlichen Ankäufe von Vermögenswerten im Umfang von 80 Milliarden Euro erfolgen bis Ende März 2017 oder wenn nötig darüber hinaus.

+++ Draghi konnte Märkte nicht überzeugen +++

Prognose vom Börsen-Experten

EZB hält bis Ende 2017 an großer Geldflut fest

Prognose vom Börsen-Experten: EZB hält bis Ende 2017 an großer Geldflut fest

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Die Pressekonferenz ist vorbei. Der Dax ist mittlerweile wieder leicht gestiegen, aber immer noch 1,32 Prozent im Minus. Die Märkte konnte Draghi mit seinem Stillstand in der Geldpolitik nicht überzeugen. Eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms blieb aus, zudem zeigte sich Draghi in der Pressekonferenz besonders überzeugt von der Wirkung seines Handelns. Er betonte, dass noch nicht einmal darüber diskutiert wurde, ob man weitere Schritte diskutieren solle.

+++ „Die Zinsen müssen heute niedrig sein“ +++
Draghi ist heute gut gelaunt, er scherzt immer wieder. In der Sache bleibt er aber hart: „Die Zinsen müssen heute niedrig sein, damit sie in Zukunft wieder steigen können.“

+++ „Wir haben einfach nicht darüber gesprochen“ +++
Draghi wird erneut gefragt, warum Aktienkäufe und Helikoptergeld noch nicht diskutiert wurden. Was sei mit „noch“ gemeint? Draghis Antwort: „Wir haben nicht darüber diskutiert, ob wir darüber diskutieren sollen. Wir haben einfach nicht darüber gesprochen.“

+++ „Wir sehen nicht, dass mehr Bargeld gehortet wird“ +++
Draghi erklärt weiter, warum er von seiner Geldpolitik überzeugt ist. „Wir sehen nicht, dass mehr Bargeld gehortet wird“. Es gebe zwar Geschichten darüber, aber die hätten keine Relevanz. Auch weitere ökonomische Indikatoren seien auf seiner Seite, etwa, dass Unternehmensentscheidungen ausbleiben, weil der Wettbewerb hart sei und nicht aus Risikoaversion.

Börse Frankfurt: Die Ohrfeige des Herrn Draghi

Börse Frankfurt

Die Ohrfeige des Herrn Draghi

Der Rat der EZB lässt alles beim Alten. Auf der Pressekonferenz rechtfertigt Mario Draghi das Stillhalten und stößt den Anlegern damit vor den Kopf. Der Dax verliert zeitweise überdeutlich, kann sich aber spät fangen.

+++ Dax bricht ein +++
Anleger scheint Draghi mit seinen Antworten nicht überzeugen zu können. Mittlerweile ist der Dax 1,5 Prozent im Minus, den Großteil der Verluste machte er seit Beginn der Pressekonferenz.

+++ Ähnliche Formulierungen +++
Wie auch bei seinen bisherigen Sitzungen antwortet Draghi auf vielen Fragen mit den immer gleichen Formulierungen. Teils aus der aktuellen Zinsentscheidung, teils aus seinen bisherigen Pressekonferenzen.

+++ „Geldpolitik ist wirksam“ +++
Warum die EZB noch nicht gehandelt habe, wird gefragt. Draghi sagt, die Veränderungen in der Wirtschaft seien nicht substantiell und die Geldpolitik sei wirksam, ja sogar „fully effective“, betont er.

+++ QE-Ausweitung kein Thema +++
Jetzt beginnen die Fragen, der eigentlich spannende Teil. Erste Frage: Wann wird QE ausgeweitet? Draghi antwortet nur, das sei nicht diskutiert worden.

+++ Auch Politik gefordert +++
Draghi fordert die Politik zu Strukturreform auf. Der Fokus solle darauf liegen, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Schon zuvor hatte sich Draghi schon dahingehend geäußert, dass Geldpolitik alleine nicht ausreichen werde, um die Wirtschaft in der Eurozone zu stabilisieren.

+++ Prognosen bleiben kaum verändert +++
Die neuen Daten seit der vergangenen Sitzung sind jetzt da. Sowohl die Wachstumsprognosen als auch die Inflationserwartung haben sich seit dem Brexit leicht gesenkt. Im Detail erläutert er nur die verschiedenen Ergebnisse: 2017 und 2018 soll etwa die Inflation wie auch in den vorherigen Prognosen wieder über ein Prozent liegen. „Das Bruttoinlandsprodukt dürfte moderat, aber stetig wachsen", sagte er. „Die wirtschaftliche Erholung in der Euro-Zone dürfte gedämpft werden von der schwachen ausländischen Nachfrage, die teilweise mit den Unsicherheiten durch das Ergebnis des Referendums in Großbritannien zusammenhängt.“

+++ Es geht los +++
Draghi ist da und sortiert seine Unterlagen. Zunächst ließt er die Zinsentscheidung der EZB vor, die wir schon kennen.

+++ Draghi tritt vor die Presse +++
Um 14.30 Uhr will Draghi die Entscheidung der EZB erklären. Noch warten alle auf den Präsidenten der Zentralbank.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

+++ Der Euro verteuert sich nach Entscheidung +++
Der Euro hat nach der EZB-Zinsentscheidung seine Gewinne ausgebaut und die Marke von 1,13 Dollar geknackt. Er verteuerte sich um bis zu 0,7 Prozent auf 1,1315 Dollar. Der Dax rutschte im Gegenzug weiter ins Minus und verlor bis zu 0,8 Prozent auf 10.670 Punkte.

+++ Inflationsziel weit entfernt +++
Mit ihrer ultralockeren Geldpolitik will die EZB eigentlich die Inflation im Euro-Raum anfachen, um Preisstabilität zu erreichen. Die Notenbank sieht diese bei einer Preissteigerung von knapp zwei Prozent gewährleistet. Davon ist sie jedoch weit entfernt: Im August stiegen die Verbraucherpreise im Euro-Raum wie schon im Juli nur um 0,2 Prozent. Bei zu geringen Preissteigerungen sieht die EZB die Gefahr einer sich selbst verstärkenden Deflation, also einer Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und wirtschaftlichem Niedergang.

Kommentare (29)

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Herr Percy Stuart

08.09.2016, 14:48 Uhr

„Bei zu geringen Preissteigerungen sieht die EZB die Gefahr einer sich selbst verstärkenden Deflation, also einer Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und wirtschaftlichem Niedergang.“

Ich habe mich gerade gestern im Sportartikelfachhandel nach neuen Laufschuhen umgesehen. Wenn man dann sieht, welche schlechte Qualität man von Nike und auch anderen Herstellern für 100 Euro (sind immerhin fast 200,00 D-Mark, dass muß man sich mal vorstellen!) angeboten bekommt, kann man das Kaufinteresse schon gewaltig verlieren. Das passende Schuhpaar hatte schätzungsweise einen Materialwert von 10,00 Euro, ein bißchen Kunststoffschaum für die Sohle, dazu noch Stoff- und Syntetikmaterial bei den Schuhen und natürlich „Made in China“. Die Profitspanne muss immens sein für die Sportartikelhersteller. Was dann im Gegenzug an Material- und Verarbeitungsqualität geboten wird ist ehrlich gesagt eine Frechheit. Das ärgert mich, weshalb ich auch den Laden ohne einen Neukauf wieder verlassen habe.

Schuhe um die 50 Euro waren nur Schrott. Halllo, 50 Euro waren mal knapp 100 D-Mark!
Das Zeugs ist nichts wert und die wollen dafür ein Schweinegeld von mir abkassieren. Irgendwo in Vietnam und China billgst aus Kunststoffen und Syntetik zusammengeklebt und dann in Euroland teuer verkauft. Nein Freunde, so läuft das nicht mehr. Ich werde erst wieder was von euch kaufen, wenn ihr wieder faire Preise und hochwertige Schuhe anbietet und ihr die Menschen, die für euch das Zeugs herstellen anständig dafür entlohnt. Wo landen denn die ganzen immensen Profite? Diesen ganzen verklebten Kunststoffmüll, der nach ein paar Monaten bereits dem Sondermüll zugeführt werden muß könnt ihr behalten, den kauf ich nicht.

Herr Percy Stuart

08.09.2016, 14:51 Uhr

Bei normaler Kleidung das gleiche - No-Name Pulli 35 Euro, normale No-Name-Herrenjacke 129 Euro, Hose 50 Euro, ein paar No-Name-Echtlederschuhe 69 Euro, jetzt alles mal 1,95 und dann staunen, wie die Preise trotz Globalisierung und Billiglohnlandproduktion explodiert sind. Klar kann ich bei Aldi und Co auch Klamotten kaufen, mach ich aber nicht, zweitens ist die angebotene Qualität dem Preis entsprechend schlecht. Einmal einkleiden > 283 Euro x 1,95 = 551,85 D-Mark. Wenn wir jetzt einer erzählen will, die Preise müssen weiter steigen, dann verstehe ich die Welt definitiv nicht mehr, Welcher Normalverdiener kann sich solche Ausgaben eigentlich überhaupt noch leisten?!

Herr Percy Stuart

08.09.2016, 14:56 Uhr

Produktwert, Produktqualität und der dafür abgerufende Verkaufspreis müssen wieder in einem vernünftigen Verhältnis stehen.

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