Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.09.2016

10:06 Uhr

London-Alternative

Hessen will Banker schneller feuern lassen

Im Wettbewerb um die beste Alternative zu London hat der hessische Finanzminister einen zumindest bei Gewerkschaften unbeliebten Vorschlag gemacht: Das Kündigungsschutzgesetz solle für Großverdiener nicht mehr gelten.

Die Stadt wirbt um die Brexit-Banker. AP

Skyline Frankfurt

Die Stadt wirbt um die Brexit-Banker.

FrankfurtIm Kampf um einen neuen Standort für die Brexit-Banker hat sich Hessens Finanzminister mit einem ungewöhnlichen Vorschlag zu Wort gemeldet. Während Paris mit seinen kulturellen und kulinarischen Angeboten wirbt, Amsterdam mit digitaler Vernetzung und Dublin mit der englischen Sprache, will man es den Frankfurt den Banken leichter machen, ihre Mitarbeiter zu feuern.

Hessen suche nach Wegen, das Kündigungsschutzgesetz für die Branche zu lockern, sagte Thomas Schäfer (CDU) in einem Interview mit der Nachrichtenagentur „Bloomberg“. Frankfurt könne dadurch attraktiver für Unternehmen werden, die über einen Wegzug aus London nachdenken. „In Großbritannien heißt es: Wenn wir Topverdiener im Aufschwung anstellen, müssen wir sie auch schnell wieder loswerden können, wenn es bergab geht“. Man könne natürlich auch in Frankfurt klare Regeln für Großverdiener aufstellen, so Schäfer.

Al-Wazir in London: „Das ist kein Bank-Raub“

Al-Wazir in London

„Das ist kein Bank-Raub“

Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir versucht auf seiner London-Reise die Banker der City von den Vorzügen Frankfurts zu überzeugen – vermeidet es aber, zu direkt und aggressiv aufzutreten.

Auch wenn es noch Jahre dauern dürfte, bevor Großbritannien wirklich die EU verlässt, hat der Kampf um die beste Alternative zu London längst begonnen. Frankfurt steht im Wettbewerb mit mindestens einem halben Dutzend weiterer Städte. „Wir müssen darauf vorbereitet sein, bevor es Städte wie Paris oder Mailand tun“, sagt Uwe Becker, stellvertretender Bürgermeister Frankfurts und Stadtkämmerer.

Das deutsche Kündigungsschutzgesetz macht es Unternehmen schwierig, Mitarbeitern einfach so zu kündigen, egal was diese verdienen. Anders sieht es hingegen bei den Chefs aus, die nicht unter das Gesetz fallen. Finanzminister Schäfer schlägt deshalb vor, die lockereren Regel für alle Top-Banker, etwa ab einem Einkommen über 300.000 Euro, anzuwenden.

Die größten Banken Europas (nach Marktkapitalisierung)

Platz 10

Intesa Sanpaolo
Italien
28,472 Milliarden Euro

Stand: Anfang Juli 2016. Quelle: S&P Global Market Intelligence

Platz 9

Nordea Bank
Schweden
30,411 Milliarden Euro

Platz 8

Banco Bilbao
Spanien
32,701 Milliarden Euro

Platz 7

ING Groep
Niederlande
35,7527 Milliarden Euro

Platz 6

PAO Sberbank of Russia
Russland
40,396 Milliarden Euro

Platz 5

UBS Group
Schweiz

43,209 Milliarden Euro

Platz 4

Lloyds Banking Group

Großbritannien

46,368 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander

Spanien

49,393 Milliarden Euro

Platz 2

BNP Paribas

Frankreich

49,495 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC

Großbritannien

110,804 Milliarden Euro

Auf Nachfrage der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hieß es am Montag aus dem Finanzministerium in Wiesbaden, die Frage nach dem Kündigungsschutzgesetz sei eine von vielen, die im Zusammenhang mit dem Brexit erörtert würden; es sei noch zu früh, von einer „Initiative“ zu sprechen. 

Der Verband der Auslandsbanken hatte sogar vorgeschlagen, für drei bis fünf Jahre während nach einem Wegzug aus London die britischen Gesetze anzuwenden. „Wenn wir CEOs und Brexit-Teams treffen, fragen sie nach unseren Arbeitsgesetzen“, saht Eric Menges, Präsident der Wirtschaftsförderung Frankfurt-Rhein-Main. Sie hätten Angst vor den deutschen Arbeitsverträgen.

Eine Änderung des Kündigungsschutzgesetzes müsste jedoch auf Bundesebene von Arbeitsministerin Andrea Nahles eingebracht werden, die als SPD-Mitglied traditionell den Gewerkschaften nahe steht und sich kaum auf eine solche Änderung einlassen werden dürfte, wie auch ein Sprecher ihres Ministeriums „Bloomberg“ bestätigte.

Frankfurter Vertreter betonen, dass es nicht das Ziel sei, Jobs aus London zu klauen, sondern die Stadt attraktiver zu machen als die alternativen Standorte. Der Ruf sei schlechter als es eigentlich in wirtschaftsfreundlichen Stadt sei. Beispielsweise sei Paris „die Stadt des Lichts, die Stadt der Liebe, und die Stadt des mittäglichen Lunchs“, sagt Hubertus Väth, Chef der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance. „In der Finanzwelt ist Lunch aber für Verlierer“.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Annette Bollmohr

13.09.2016, 12:42 Uhr

"Das Kündigungsschutzgesetz solle für Großverdiener nicht mehr gelten."

Die Annahme, dass diese den Kündigungsschutz nicht im gleichen Maße wie "Nromalverdiener" brauchen ist doch wohl durchaus nicht ganz falsch?

Herr Alfred Neumann

13.09.2016, 13:45 Uhr

Ich gehe davon aus, dass der Vorschlag auch für Politiker gilt.

Account gelöscht!

13.09.2016, 14:01 Uhr

LONDON-ALTERNATIVE
Hessen will Banker schneller feuern lassen
Datum:
13.09.2016 10:06 Uhr
Im Wettbewerb um die beste Alternative zu London hat der hessische Finanzminister einen zumindest bei Gewerkschaften unbeliebten Vorschlag gemacht: Das Kündigungsschutzgesetz solle für Großverdiener nicht mehr gelten.

.........................

WELTWEIT...MÜSSTEN BANKER AN SPITZENSTELLEN...

sowie INDUSTRIE-MANAGER an SPITZENSTELLEN...

MIT ALLEM WAS SIE BESITZEN HAFTEN WENN DIE BANK PLEITE GEHT ODER ENORME SCHWIERIGKEITEN BEKOMMEN !

UND BEI VW...DA MÜSSTE JETZT AN HERR WINTERKORN ALLES GENOMMEN WERDEN !!!

WER MEHR VERDIENT...MUSS AUCH MEHR HAFTEN !!!


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×