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06.01.2010

09:33 Uhr

Londoner Kapitalmarkt

Britische Aktien dümpeln dahin

VonChristoph Giesen

Britische Unternehmer schauen optimistisch ins neue Jahr. Doch für die Aktionäre scheint sich die Erholung der Realwirtschaft nicht auszuzahlen. Experten erwarten 2010 eine Seitwärtsbewegung an der Londoner Börse.

Die Talsohle ist in London durchschritten. Quelle: dpa

Die Talsohle ist in London durchschritten.

LONDON. Die meisten Analysten sind sich einig, dass Großbritannien 2010 die Rezession endgültig überwinden und das britische BIP im kommenden Jahr um rund 1,2 Prozent zulegen wird. Die vergangenen Monate hatten der britischen Wirtschaft arg zugesetzt. Besonders die hohe Verschuldung der privaten Haushalte und der Einbruch des Immobilienmarktes ließen die Rezession in Großbritannien noch schärfer ausfallen als in der Euro-Zone. Das britische BIP schrumpfte 2009 um rund 4,5 Prozent. Doch die Talsohle scheint durchschritten. Vom verbesserten Geschäftsklima profitieren im kommenden Jahr viele britische Unternehmen. Weitaus geringer als der Gewinnzuwachs wird im kommenden Jahr der Anstieg der Dividenden ausfallen. Leigh Harrison, Analyst der Londoner Fondsgesellschaft Threadneedle prognostiziert eine Erhöhung von durchschnittlich drei Prozent.

Trotz der sich abzeichnenden Erholung wird es im kommenden Jahr nicht zu großen Veränderungen am Aktienmarkt kommen. „Der Leitindex könnte sich im kommenden Jahr zwischen 6 000 und im Falle von vorherrschender Angst 5 000 Punkten bewegen“, glaubt Threadneedle-Analyst Harrison. Derzeit steht der Londoner Leitindex FTSE 100 bei rund 5 500 Zählern. Die Analysten von Morgan Stanley prognostizieren für Dezember 2010 einen FTSE 100-Wert von rund 5 000 Punkten.

Dagegen solle es nach zwei magereren Jahren wieder verstärkt zu Fusionen und Übernahmen im Königreich kommen. Auch einen Anstieg an Börsengängen erwarten viele Analysten.

Die Gründe für die allgemeine Zurückhaltung sind vielfältig. Seit den jüngsten Herabstufungen Irlands und Griechenlands durch die Rating-Agenturen herrscht in der Londoner City die Angst, dass auch Großbritannien sein exklusives AAA-Rating in den kommenden Monaten einbüßen könnte. Außerdem befürchten viele Experten einen sprunghaften Anstieg der Inflation. Die Analysten der Helaba schließen einen Anstieg der Teuerungsrate auf 3,0 Prozent in den ersten Monaten 2010 nicht aus. Sorgen bereiten den Investoren auch die hohen Arbeitslosenzahlen, die derzeit bei 7,9 Prozent liegt. Die Analysten von Morgan Stanley befürchten, dass die Arbeitslosigkeit im Laufe des Jahres sogar noch weiter steigt.

„Ich glaube, dass der Aufschwung nur sehr langsam und stotternd daherkommen wird und dass wir weiterhin mit hoher Arbeitslosigkeit kämpfen werden“, meint Leigh Harrison. Es werde Kostendruck und soziale Probleme geben, sagt Harrison.

Entspannung dagegen könnte es beim Pfund geben. Anfang 2009 erreichte die britische Währung ihren historischen Tiefstand gegenüber dem Euro. Einige englische Seebäder nutzten die Pfund-Flaute und führten als Werbegag den Euro als gleichberechtigtes Zahlungsmittel ein.

Die Analysten der Helaba erwarten, dass das Pfund in den kommenden Monaten wieder an Stärke gewinnen wird. „Der Euro-Pfund-Kurs dürfte bis Jahresmitte 2010 auf 0,85 zurückgehen.“ Entscheidend für die Kursentwicklung sei die Zinsentscheidung der Bank of England im Februar. Sollten die britischen Währungshüter den Leitzins erhöhen, dürfte das Pfund zulegen und die Mitte Dezember aufgrund der Dubai-Krise erlittenen Abwertungen wieder wettmachen. Damals wäre das Pfund kurzfristig unter Druck gekommen, da von einem Zahlungsausfall des Emirats besonders britische Banken betroffen gewesen wären.

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