Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2012

10:59 Uhr

Machtlos

Die Schwächen der EZB

VonNorbert Häring

Die Europäische Zentralbank (EZB) taugt nur bedingt zum Retter des Euroraums. Wenn die Banken nicht mitspielen, ist nämlich auch die EZB so gut wie machtlos. Und das ist nicht die einzige Schwäche.

Schwächen der EZB: Machtlosigkeit, Geldmenge, Gegensätze. AFP

Schwächen der EZB: Machtlosigkeit, Geldmenge, Gegensätze.

Schwäche 1

Spielen die Banken nicht mit, ist die Zentralbank fast machtlos

Das geldpolitische Konzept der Europäischen Zentralbank (EZB) ist strikt marktbasiert und bankenorientiert. Wo der Markt versagt und die Banken ihre Rolle nicht erfüllen, versagt auch das EZB-Konzept. Es sieht vor, dass die Banken die Wirtschaft mit Kredit versorgen und die EZB den Banken die nötigen Barreserven zur Verfügung stellt. Wenn sie die Kreditvergabe bremsen will, erhöht sie den Zins, andernfalls senkt sie ihn, so die Idee.

Damit das klappt, müssten die Banken ihr Kreditgeschäft vor allem auf die Versorgung der produzierenden Wirtschaft ausrichten. Das tun sie aber nicht zuverlässig – wie die EZB in ihrem letzten Monatsbericht monierte: „Da immer mehr Finanzaktivitäten zwischen den Finanzinstituten selbst stattfinden, löst sich das Finanzsystem tendenziell von seiner ursprünglichen Rolle, eine stabile Finanzierung und Risikodiversifikation zur Stützung der Realwirtschaft zu gewährleisten.“ Mit anderen Worten: Die Banken haben das Geld genutzt, um im Finanzkasino zu zocken oder andere Zocker zu finanzieren.

Und jetzt nutzen sie das Geld, das die EZB ihnen äußerst großzügig bereitstellt, um die Schulden, die sie dabei eingegangen sind, abzubauen. Damit auch bei der produzierenden Wirtschaft etwas ankommt, hat die EZB jüngst beschlossen, Kredite an kleine und mittlere Unternehmen als Kreditsicherheiten von den Banken zu akzeptieren. So soll es für die Banken attraktiver werden, solche Kredite zu vergeben.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Steuerzahler

31.01.2012, 11:26 Uhr

"Es fehlt ein Konzept, um Gegensätze im Euro-Raum auszugleichen."

Ein solches Konzept gibt es durchaus. Es wird in Fachkreisen unter dem Begriff "flexible Wechselkurse" diskutiert und ließe sich unmittelbar nach Abwicklung des Euros und Wiedereinführung der Landeswährungen umsetzen. Es würde allerdings den Abschied von der liebgewonnenen Inflations-, Schulden- und Transferunion bedeuten und ist daher in einigen Mittelmeeranrainerstaaten nicht sehr populär. Nun ja, wer verzichtet schon gern auf die Melkmaschine, wenn die Kuh immerzu schreit, sie profitiere am meisten vom Milchgeben.

hbleser

31.01.2012, 14:09 Uhr

Sehr schöner Kommentar!
Die EZB versucht das TARGET2-System tatsächlich zu beschönigen. Letztlich ist der Unterschied zu den USA existenziell: Das System in USA beruht auf Gold-basierten Assets (ist also endlich), das in Europa letztlich basiert allein auf dem religösen Glauben an das eine Europa, in dem alle solidarisch sind (ist also finanziell so gut wie undendlich).
Jetzt rate jeder für sich, wohin das führt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×