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29.05.2017

19:22 Uhr

Mario Draghi

EZB-Präsident hält sich für Juni-Zinssitzung alle Optionen offen

EZB-Präsident Draghi bleibt vor der Zinssitzung im Juni im Ungefähren. Die Gefahren für die Konjunkturentwicklung seien zurückgegangen, doch ein „außergewöhnliches Maß an geldpolitischer Unterstützung“ sei noch notwendig.

Die Inflation ist dem EZB-Präsidenten immer noch zu niedrig. Reuters

Mario Draghi

Die Inflation ist dem EZB-Präsidenten immer noch zu niedrig.

Frankfurt/BrüsselEZB-Präsident Mario Draghi lässt sich vor der mit Spannung erwarteten Zinssitzung im Juni nicht in die Karten schauen. Zwar seien die Gefahren für die Konjunktur seit dem Jahresende 2016 messbar zurückgegangen, sagte der Notenbank-Chef am Montag im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europa-Parlaments in Brüssel. Die Europäische Zentralbank (EZB) sei aber fest davon überzeugt, dass ein "außergewöhnliches Ausmaß an geldpolitischer Unterstützung" immer noch nötig sei. Der EZB-Rat kommt am 8. Juni in Tallinn zu seiner nächsten Zinssitzung zusammen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hält unterdessen eine Diskussion um den Startpunkt der geldpolitischen Wende für gerechtfertigt.

Draghi ist vor allem die Inflation immer noch zu niedrig. Der Kostendruck, insbesondere von den Löhnen, sei nicht ausreichend, um eine dauerhafte und selbsttragende Entwicklung hin zum mittelfristigen EZB-Ziel zu unterstützen. "Das Lohnwachstum ist immer noch verhalten." Die Notenbank strebt eine Teuerung von knapp zwei Prozent als Optimalwert für die Wirtschaft an. Im April lag die Inflation in der Euro-Zone bei 1,9 Prozent. Für die EZB steht damit aber noch nicht fest, ob dieser Wert auch gehalten werden kann. Zudem war die Wirtschaft der Euro-Zone im ersten Quartal vergleichsweise kräftig gewachsen. Viele Volkswirte - insbesondere in Deutschland - fordern deshalb, dass die EZB langsam von ihrer Politik der weit offenen Geldschleusen abrückt.

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Laut Bundesbank-Präsident Weidmann ist eine expansive Geldpolitik der EZB aktuell zwar angemessen. Allerdings schreite die wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum voran und Inflationsprognosen zufolge werde die Teuerung 2019 bei knapp zwei Prozent liegen, sagte er am Montagabend in Berlin laut Redetext. Daher sei es "durchaus legitim zu fragen, wann der EZB-Rat eine geldpolitische Normalisierung in den Blick nehmen sollte", bekräftigte er. Weidmann erneuerte zudem seine Kritik an den Staatsanleihen-Käufen der EZB, denen er von Anfang an kritisch gegenüber stand.

Draghi wies in Brüssel darauf hin, dass dem EZB-Rat bei seinem Treffen in der estnischen Hauptstadt kommende Woche neue Konjunktur- und Inflationsprognosen der eigenen Volkswirte vorliegen werden. Die Notenbank werde dann in der Lage sein, ihr Urteil zu den Gefahren für die Inflations- und Konjunkturentwicklung zu fällen. Manche Experten halten es für möglich, dass die Notenbank im Juni vorsichtig die Weichen in Richtung einer späteren Eindämmung der Geldschwemme stellt und etwa Hinweise auf eine nötigenfalls noch expansivere Geldpolitik aus ihrem Ausblick streicht.

Bislang wollen die Währungshüter noch bis mindestens Ende Dezember Wertpapiere im Umfang von 60 Milliarden Euro pro Monat erwerben, um damit die Wirtschaft anzukurbeln und die Inflation nach oben zu hieven. Die Währungshüter halten zudem die Zinsen auf dem Rekordtief von null Prozent, um für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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G. Nampf

30.05.2017, 10:48 Uhr

" Die Notenbank strebt eine Teuerung von knapp zwei Prozent als Optimalwert für die Wirtschaft an. Im April lag die Inflation in der Euro-Zone bei 1,9 Prozent. Für die EZB steht damit aber noch nicht fest, ob dieser Wert auch gehalten werden kann."

Fängt man einmal mit der Staatsfinanzierung durch die EZB an, kann man nicht mehr damit aufhören.

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