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08.02.2006

07:00 Uhr

Markt bleibt im Fokus der Anleger

Türkische Aktien steigen unaufhörlich

Der Boom an der türkischen Börse hält unvermindert an. Auch die ersten Fälle der Vogelgrippe konnten die Kauflust der Investoren nicht dämpfen.

Und bisher haben sich auch die Sorgen vor einem möglichen Abfluss ausländischer Anlagegelder – aus Schwellenländern insgesamt – wegen des anhaltenden Zinsanstiegs in den USA nicht bewahrheitet. Ganz im Gegenteil, das Vertrauen der Investoren nimmt nach Beobachtung von Analysten noch zu. Experten bleiben daher für den türkischen Aktienmarkt optimistisch und rechnen mit weiteren Kursgewinnen.

„Die Türkei gerät immer mehr in den Fokus internationaler Investoren“, haben die Experten der österreichischen Raiffeisen Capital Management (RCM) beobachtet. Selbst der erwartete Dämpfer durch die Einführung einer Spekulationsertragssteuer auf Substanzgewinne sei bislang ausgeblieben und habe sich nicht negativ auf die Kursentwicklung an der Börse in Istanbul ausgewirkt. Der ISE-National-100-Index der Börse liegt mit gut 44 700 Punkten nur knapp unter seinem historischen Hoch. Nach Einschätzung der Raiffeisen-Analysten profitiert das Land und damit auch die Börse von kräftigen Liquiditätszuflüssen. Zudem stützten die Konvergenzdynamik der türkischen Volkswirtschaft und weiterhin gute Unternehmensnachrichten eine positive Entwicklung an der Börse.

Das Vertrauen der Investoren in den türkischen Markt sei gewachsen, so RCM. Zudem werde das Land immer mehr als Beitritts- und Konvergenzkandidat wahrgenommen. Gestärkt worden sei das Vertrauen der Investoren durch eine restriktive Geld- und Fiskalpolitik, die starke Wachstumsdynamik und sinkende Inflationszahlen. Die türkischen Zinsen liegen inzwischen auf einem historisch tiefen Niveau. Niedrige Zinsen schlagen sich in den Aktienkursen positiv nieder, da die Unternehmen und Verbraucher für Kredite weniger Geld aufwenden müssen.

Die Chancen auf weitere Zinssenkungen durch die Zentralbank seien im ersten Quartal dieses Jahres aber zunächst einmal geringer geworden, meint Harwig Wild, Experte für Schwellenländer im Financial-Markets-Team des Bankhauses Metzler. Denn die Verbraucherpreise hätten sich im Januar gegenüber dem Vormonat mit 0,75 Prozent stärker verteuert als erwartet. Die Jahresrate erhöhte sich laut Wild leicht von 7,7 Prozent auf 7,93 Prozent. Das Ziel der Zentralbank für die Inflationsrate am Jahresende liege bei fünf Prozent. Zudem seien die Produzentenpreise im Januar sogar mit einer Monatsrate von 1,96 Prozent gestiegen, dies entspreche einer Jahresrate von 5,11 Prozent (Vormonat 2,66 Prozent). rp

Auch Oliver Stönner-Venkatarama, Emerging–Markets-Experte der Commerzbank, sieht nur begrenzte Chancen für eine Zinssenkung. „Die Zentralbank wird in diesem Jahr voraussichtlich vorsichtig agieren“, meint er. Denn wegen des starken inländischen Verbrauchs nähmen die Risiken auf der Inflationsseite zu. Zur Vorsicht mahnt ihn auch das Auftreten der Vogelgrippe in der Türkei. Direkte Auswirkungen seien zwar vor allem im Tourismussektor möglich. „Eine schwächere Entwicklung des Tourismus und im Agrarbereich könnte aber das gesamte wirtschaftliche Wachstum beeinträchtigen“, meint Wild.

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