Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.09.2015

14:31 Uhr

Marktindikator Swaps

Zweite Fed-Zinserhöhung nicht vor Ende 2016

Kommt die Zinswende bald – oder doch etwas später? Was auch passiert: Marktindikatoren deuten daraufhin, dass eine zweite Erhöhung der Leitzinsen nicht vor 2016 erfolgen wird. Anleger rechnen mit gemächlicher Anhebung.

Seit fast zehn Jahren hält die US-Notenbank den Leitzins nahe null. ap

Federal Reserve in Washington

Seit fast zehn Jahren hält die US-Notenbank den Leitzins nahe null.

New YorkBill Gross zufolge wird die US-Notenbank, falls sie im September die Zinsen anhebt, mindestens sechs Monate warten, bevor sie einen zweiten Zinsschritt unternimmt. Marktindikatoren aber deuten an, dass es doppelt so lang dauern könnte.

Geldmarktderivate weisen darauf hin, dass die Federal Funds Rate in einem Jahr bei durchschnittlich 0,60 Prozent liegen wird. Um zwei Anhebungen um jeweils einen Viertel-Prozentpunkt anzuzeigen, müsste der Satz aber höher als 0,625 Prozent sein, wenn man unterstellt, dass der Leitzinssatz nahe der Mitte der offiziellen Bandbreite liegen wird. Seit Dezember 2008 strebt die Notenbank einen Satz zwischen null und 0,25 Prozent an.

„Wenn man sich anschaut, was so alles um uns herum passiert, dann wird die Erwartung einer Einmalaktion, zumindest für eine Weile, allmählich zum Konsens“, sagte Stanley Sun, Stratege bei Nomura Holdings Inc. in New York. „Der Markt preist eine sehr, sehr gemächliche Anhebung ein.“

Im Juni senkte die Fed ihre Medianschätzung für den Leitzins für Ende 2016 auf 1,625 Prozent, von 1,875 Prozent im März. Nach der geldpolitischen Sitzung am 16. und 17. September wird sie ihre Schätzungen aktualisieren.

Nobelpreisträger Robert Shiller: „Drastische Leitzinserhöhung noch im Juni“

Nobelpreisträger Robert Shiller

Premium „Drastische Leitzinserhöhung noch im Juni“

Ökonomie-Nobelpreisträger Robert Shiller warnt im Gespräch mit dem Handelsblatt vor neuen Spekulationsblasen. Er fordert daher von der US-Notenbank entschlossenes Handeln. Wo Shiller neue Blasen sieht.

Die Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung noch im September ist auf 32 Prozent zurückgegangen, nachdem sie Ende Juli noch bei 40 Prozent gelegen hatte. Für eine Erhöhung im Oktober liegen die Werte bei 43 Prozent, für Dezember bei 58 Prozent.

Die Fed „wirkt entschlossen“, den Leitzins anzuheben, „und sei es nur um zu beweisen, dass sie auf den Weg zu einer ‚Normalisierung‘ einschwenken kann“, schrieb Gross am Mittwoch in einem Investmentausblick für Janus Capital Group Inc. „Das sollte sie auch – allerdings muss sie ihre Worte bei der September-Sitzung so vorsichtig wählen, dass eine ‚Einmalaktion‘ zunehmend wahrscheinlich ist, zumindest für die nächsten sechs Monate.“

Der andere treibende Faktor für die Finanzmärkte ist China, wo die Zentralbank auf Yuan lautende Vermögenswerte kauft und auf Dollar lautende verkauft, um nach der unerwarteten Abwertung der Landeswährung im August den Wechselkurs zu stützen.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Laut Goldman Sachs Group Inc. sollten Investoren nicht erwarten, dass der Verkauf von US-Staatspapieren durch China die Renditen erhöht, zumindest nicht sofort.

Die chinesischen Treasuries-Verkäufe würden teils dadurch ausgeglichen, dass Investoren Geld in Festzinsprodukten parken, schrieb Francesco Garzarelli von Goldman Sachs in London am Mittwoch in einer Studie.

China war im Juni mit einem Volumen von 1,27 Billionen Dollar der größte ausländische Besitzer von US-Treasuries.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×