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18.01.2011

02:51 Uhr

Marktliberalisierung

China lässt Ausländer an eigenen Börsen investieren

VonFinn Mayer-Kuckuk

Um die chinesischen Aktienmärkte stand bisher eine chinesische Mauer. Nur wenige, handverlesene Investoren aus dem Ausland durften an den Märkten Shanghai und Shenzhen mitmischen. Das ändert sich jetzt - die Regierung öffnet die Börsen für wesentlich breitere Anlegerschichten.

Finanzplatz Hongkong: Mehr Investoren dürfen Geld auf dem Festland anlegen. dpa

Finanzplatz Hongkong: Mehr Investoren dürfen Geld auf dem Festland anlegen.

HB PEKING. China steht kurz vor einer weiteren Öffnung seiner Aktienmärkte für ausländische Investoren. "Das erlaubt internationalen Fondsmanagern ein stärker diversifiziertes Portfolio von Yuan-Geldanlagen", sagt Enoch Fung von Goldman Sachs Hongkong.

Die Regierung in Peking bereite derzeit den Start eines neuen Programms vor, das deutlich mehr Investoren aus Hongkong den Zugang zu Festland-Börsen erlaubt, berichtet die "South China Morning Post". Schätzungen zufolge könnte die Öffnung schon kurzfristig einen Zufluss von 50 Milliarden Yuan (5,5 Milliarden Euro) bewirken. Die Regierung werde die Neuregelung vermutlich Anfang Februar offiziell bekannt geben.

Hintergrund ist die traditionelle Abschottung der chinesischen Finanzmärkte von der Außenwelt. Die chinesische Mauer um die Börsen, die Währung und die Unternehmen hat China zwar schon in den Krisen von 1998 und 2008 davor gerettet, mit in den Strudel zu geraten. Sie verhindert jedoch auch eine weitere Internationalisierung des Finanzplatzes Shanghai.

In Shanghai befinden sich derzeit zwei Klassen von Aktien im Handel: A-Shares, die in Yuan notiert sind, und B-Shares, die auf Dollar lauten. Bisher durften Ausländer grundsätzlich nur in die B-Aktien investieren - doch deren Attraktivität hält sich in Grenzen. "Um die Liquidität der B-Aktien ist es aber nicht sonderlich gut bestellt", warnt Anlageexperte Guo Guodong, Vizepräsident der Researchabteilung von Everbright Securities in Shanghai.

Nur hundet handverlesene Institutionen durften bisher mit Sonderlizenzen am Handel für A-Aktien teilnehmen - und das auch nur innerhalb geringer Quoten. Das ändert sich nun. Wer eine Zulassung erhält, kann demnächst von Hongkong aus direkt in die Festland-Märkte einsteigen.

Zehn Anträge für die Sonderzulassung im Rahmen des Programms "Mini Qualified Investor II" (Mini-QFII) seien bereits eingegangen, berichtet heute die "South China Morning Post". Unter den Geldanlagehäusern in Hongkong besteht jedoch noch deutlich größeres Interesse an der Lizenz zur China-Anlage. Denn sie können damit ihre in Hongkong eingesammelten Yuan gewinnbringend auf dem Festland anlegen - einem potenziellen Milliardenmarkt mit stabilem Wachstum um zehn Prozent.

Das Pilotprojekt Mini-QFII ist Teil eines groß angelegten Plans zur Internationalisierung des Yuan. Die chinesische Währung ist zwar noch nicht frei handelbar. Doch in Pilotprojekten in Hongkong und anderen südostasiatischen Finanzplätzen sind bereits Auslandskonten, Anleiheemissionen, Optionshandel und internationaler Zahlungsverkehr in Yuan möglich.

Die Zulassung von mehr ausländischen Investoren wird Analysten zufolge stützend und stabilisierend auf die chinesischen Märkte wirken. Weil bisher nur Chinesen am Handel teilnehmen können, gilt die Börse Shanghai als volatil und nicht liquide genug. Die Kurse sind zudem im letzten Jahr trotz hohen Wachstums und Anlegerinteresses laufend gefallen.

Die aktuelle Reform gilt nur als Zwischenschritt - langfristig strebt China eine weiter reichende Öffnung seiner Finanzmärkte für weitere internationale Investoren an. Die vorgelagerte Festung wird jedoch Hongkong bleiben. Die Volksrepublik will sich auf absehbare Zeit nicht der Gefahr aussetzen, Opfer internationaler Turbulenzen und Spekulationen zu werden.

Kommentare (2)

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nEurotiker

18.01.2011, 09:58 Uhr

Das ist ein fairer Tausch: China verkauft ein paar seiner überteuerten Aktien gegen Euro und kauft sich davon überteuerte Euro-päische Staatsanleihen.

opsat

20.01.2011, 22:50 Uhr

Mh. Jetzt wo der boom schon ne Weile läuft, dürfen also die Ausländer doch kaufen?
Kann mir jemand sagen was mich daran stört?

@nEurotiker
Hat nich vor kurzem irgendein Ökonom den Handel zwischen China und den USA als fair bezeichnet weil
vergiftetes Spielzeug und minderwertiger Kram gegen Dollar und andere lustige Papiere getauscht werden (-;

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