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13.06.2016

20:30 Uhr

MDAX, SDAX und TecDAX

Wer dazugehört, entscheidet nur noch der Computer

VonEva Fischer

Die Deutsche Börse ändert das Regelwerk, wodurch der Auswahlprozess der indizierten Unternehmen zukünftig vollkommen automatisiert stattfindet. Das hat viele Vorteile. Aber gibt es auch Nachteile?

„Die Regelwerksanpassung ist ein wichtiger Schritt, um die Zusammensetzung aller Auswahlindizes der Deutschen Börse vollständig transparent, objektiv und faktenbasiert zu bestimmen.“ dpa

Kurstafel an der Börse Frankfurt

„Die Regelwerksanpassung ist ein wichtiger Schritt, um die Zusammensetzung aller Auswahlindizes der Deutschen Börse vollständig transparent, objektiv und faktenbasiert zu bestimmen.“

FrankfurtDie Entscheidung liegt nicht mehr beim Menschen: Die Deutsche Börse ändert die Regeln, wie sich die Indizes MDax, SDax und TecDax zusammensetzen. Ab September dieses Jahres sollen die in den Indizes gelisteten Unternehmen rein quantitativ ausgewählt werden –  und somit komplett automatisiert. Beim Dax wird dies bereits seit 2004 so praktiziert.

Umfangreiche Regelungen, wie die Wechsel in der Indexzusammensetzung bestimmt werden, gibt es bereits. Allerdings ergaben sich in einigen Fällen Ermessensspielräume bei der Regelauslegung, so dass zwischen Stabilität und Qualität des Indexes abgewogen werden konnte. 

Ob ein Unternehmen, in den Indizes auf- oder abstieg, konnte also von Menschen entschieden werden. „In der Vergangenheit sind Wechsel in den Indizes des Öfteren eine solche Entscheidung gewesen“, sagt Konrad Sippel, Head of Content Lab der Deutschen Börse. Der Arbeitskreis Aktienindizes legte stets eine Empfehlung vor – ihr wurde dann gefolgt.

Fakten rund um den Dax

Die Anfänge

Der Dax führt den Index der „Börsen-Zeitung” fort. Basis der Indexberechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten. Die historische Zeitreihe reicht bis 1959 zurück.

Wer ist gelistet?

Im Dax sind die Aktien der 30 größten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse enthalten.

Wie wird der Dax berechnet?

Der Index wird sekündlich auf Basis der Xetra-Kurse von 9.00 bis 17.30 Uhr berechnet und ist ein Performance-Index. Damit unterscheidet er sich vom Dow-Jones-Index für die US-Standardwerte, in dem die Aktien nicht gewichtet sind.

Wonach werden die Aktien gewichtet?

Das Gewicht einer Aktie bemisst sich nach dem Anteil an der gesamten Kapitalisierung der im Index enthaltenen Werte.

Was entscheidet über die Aufnahme in den Dax?

Wichtigstes Kriterium für die Dax-Aufnahme sind der Wert des Unternehmens an der Börse (Marktkapitalisierung) und der Börsenumsatz. Jeweils zu Monatsbeginn erstellt die Börse nach diesen Kriterien eine Rangliste, die dem Arbeitskreis Aktienindizes als Entscheidungsgrundlage bei der Überprüfung des Index dient. Daneben werden unter anderem auch der Streubesitz oder die Sektorenzugehörigkeit berücksichtigt.

Wie beeinflussen Dividenden den Index?

Bei Dividenden- oder Bonuszahlungen wird die Indexberechnung um den Betrag der Barausschüttung korrigiert. Ähnliches gilt bei Kapitalmaßnahmen.

Wer bestimmt über den Dax?

Die Zusammensetzung des Dax wird einmal jährlich im September vom Arbeitskreis Aktienindizes überprüft. Diesem gehören die Deutsche Börse und Banken aus dem In- und Ausland an. Der Arbeitskreis tagt aber vier Mal im Jahr: im März, Juni, September und Dezember.

Der Arbeitskreis setzt sich aus Mitarbeitern der Deutschen Börse und Vertretern nationaler und internationaler Finanzinstitute zusammen -  aktuell beispielsweise von Allianz, Commerzbank, Deka Investment, Deutsche Bank, HSBC Trinkaus & Burkhardt und Unicredit. Doch wo Menschen arbeiten, gibt es immer auch Interessenskonflikte. Wo Menschen Entscheidungen fällen, sind die Ergebnisse nicht immer vorhersehbar.

„Die Regelwerksanpassung ist ein wichtiger Schritt, um die Zusammensetzung aller Auswahlindizes der Deutschen Börse vollständig transparent, objektiv und faktenbasiert zu bestimmen“, sagt Holger Wohlenberg, bei der Deutschen Börse verantwortlich für das Indexgeschäft. Die Aufgabe des Arbeitskreises Indizes beziehe sich zukünftig rein auf die Ausgestaltung des Regelwerks, ergänzt Sippel.

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