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04.04.2014

17:26 Uhr

Medienbericht

EZB prüft Anleihekäufe von einer Billion Euro im Jahr

In einem Modell hat die EZB die Effekte von Wertpapierkäufen von einer Billion Euro im Jahr berechnen lassen. Der EZB-Rat soll auf der Sitzung am Donnerstag aber noch nicht über Details möglicher Käufe gesprochen haben.

EZB-Chef Mario Draghi. dpa

EZB-Chef Mario Draghi.

Zur Abwehr von Deflationsgefahren hat die Europäische Zentralbank (EZB) einen Wertpapier-Ankauf im großen Stil offenbar bereits konkret durchgespielt. Dafür wurde laut Vorabbericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstagausgabe) ein Kaufvolumen von einer Billion Euro veranschlagt, das innerhalb eines Jahres im Kampf gegen eine gefährlich abflauende Inflationsrate eingesetzt würde.

Die Überlegungen führten demnach zu sehr unterschiedlichen Resultaten. Im schwächsten Szenario habe die Krisenmaßnahme die Inflationsrate nur um 0,2 Prozentpunkte erhöht. Eine andere Simulation komme hingegen auf ein Anheizen der Teuerung um 0,8 Prozentpunkte. Die Europäische Zentralbank (EZB) lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Die Teuerung in den Euro-Ländern war zuletzt auf 0,5 Prozent gefallen und lag damit weit unter dem Ziel der EZB von knapp zwei Prozent. Auf breiter Front fallende Preise gelten als besonders gefährlich, weil eine solche Deflationsspirale die Konjunktur abwürgen kann.

Wenn Firmen und Haushalte auf weiter sinkende Preise spekulieren, konsumieren und investieren sie immer weniger. EZB-Chef Mario Draghi hatte jedoch nach der jüngsten Zinssitzung betont, der Euroraum stehe nicht am Rande einer Deflation.

Welche Waffen die EZB noch in ihrem Arsenal hat

Ein noch niedrigerer Leitzins

Der Spielraum der EZB beim Leitzins ist inzwischen sehr eng. Er liegt bei 0,15 Prozent. Damit ist das Ende der Fahnenstange praktisch erreicht.

Negativer Einlagezins

Banken können Geld bei der EZB parken, wofür sie in normalen Zeiten Zinsen bekommen. Damit sie das nicht tun, sondern das Geld als Kredite an die Wirtschaft weiterreichen, hat die Zentralbank diese Anlageform unattraktiv gemacht, indem sie den Zinssatz auf null gedrückt hat. Jetzt könnte die EZB noch einen Schritt weitergehen und negative Zinsen einführen.

Ende der Neutralisierung früherer Wertpapierkäufe

Zwischen 2010 und 2012 kaufte die EZB zur Stützung von Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien für mehr als 200 Milliarden Euro deren Staatsanleihen. Derzeit schöpft die EZB die Liquidität wieder ab, indem sie den Banken anbietet, in gleicher Höhe Geld bei ihr anzulegen. Die EZB könnte dieses Prozedere abschaffen - was entsprechend dem Restwert der Anleihen etwa 170 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln bringen würde.

Geringere Mindestreserve

Die Banken müssen zur Sicherheit Geld bei der EZB hinterlegen. Diese sogenannten Mindestreserven summieren sich auf etwa 100 Milliarden Euro. Würde die EZB die Anforderungen lockern und beispielsweise nur noch die Hälfte als Sicherheit verlangen, hätten die Banken zusätzlich 50 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld könnten sie als Kredite ausreichen.

Kreditvergabe fördern auf britische Art

Der niedrigste Leitzins nützt nichts, wenn die Banken keine Kredite vergeben. Nach der jüngsten EZB-Umfrage klagt jedes neunte kleine und mittelgroße Unternehmen der Euro-Zone darüber, keinen Zugang zu Bank-Krediten zu haben. Mit einem Trick nach britischem Vorbild könnte die EZB das ändern. Dort können sich Banken für jedes Pfund, das sie kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung stellen, zehn Pfund zu Vorzugskonditionen bei der Bank of England leihen.

Geringere Sicherheiten

Wenn Banken Geld von der EZB haben wollten, mussten sie bis 2007 Wertpapiere mit Top-Bonität als Sicherheit hinterlegen. Die Anforderungen hat sie seither mehrfach gesenkt - und könnte es weiter tun, um die Institute bei Kasse zu halten. Denn das ist die Voraussetzung für neue Kredite. Die Währungshüter könnten beispielsweise Aktien oder US-Staatsanleihen akzeptieren.

Liquidität für Förderbanken

Die Europäische Investitionsbank (EIB) kann am ehesten die kleineren und mittleren Unternehmen mit Geld versorgen. Seit 2009 kann sich die EIB bei der EZB Geld leihen, um es anschließend weiterzureichen. Die Währungshüter könnten solche Förderbanken mit zusätzlicher Liquidität ausstatten.

Langfristiger Ausblick

Die Kreditzinsen in vielen Krisenstaaten sind noch immer recht hoch. Um sie zu drücken, könnte die EZB nach amerikanischem Vorbild eine lange Niedrigzinsphase ankündigen. Die Federal Reserve hat erklärt, ihren Leitzins bis mindestens Mitte 2015 auf extrem niedrigem Niveau zu halten. Ringt sich die EZB zu einer ähnlichen Aussage durch, könnte dies die Zinsen im längeren Laufzeitbereich drücken.

Eine weitere "Dicke Bertha"

Die EZB hat Ende 2011 und Anfang 2012 die Banken mit zwei dicken Geldsalven von jeweils gut 500 Milliarden Euro geflutet. Draghi hatte diese in Anlehnung an ein deutsches Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg als "Dicke Bertha" bezeichnet. Sie wirkten: Inzwischen zahlen viele Banken bereits wieder schrittweise das Geld zurück, das sie sich damals bei der EZB geliehen haben. Eine Kreditklemme in vielen Südländern gibt es trotzdem, weil dort die Nachfrage der Unternehmen wegen der Krise sehr gering ist und die Banken Geld horten - zum Teil aus Angst, zum Teil wegen der steigenden Kapitalanforderungen der Regulierer. Ob sich die EZB eines Tages dazu durchringt, wie die Bank von England den Banken Geld nur unter der Bedingung zu geben, dass sie es als Kredit an Firmen weiterreicht, bleibt abzuwarten. Das Experiment auf der Insel war nur mäßig erfolgreich. Denn die Notenbank kann Unternehmen nicht befehlen, Kredite zu nehmen und zu investieren.

Wertpapierkäufe

Sollte die Krise wieder eskalieren, bliebe der EZB noch der massenhafte Ankauf von Wertpapieren - beispielsweise von Staatsanleihen oder Bankanleihen. Im Sommer 2012 - auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise - hatte Draghi versprochen, die EZB werde bei Bedarf und unter klar definierten Bedingungen Staatsanleihen von Problemländern kaufen - notfalls in unbegrenzter Höhe. Vor allem hierzulande hat dieses Versprechen der EZB Ärger eingehandelt. Sogar das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich damit, weil die EZB im Fall der Fälle das Verbot der Staatsfinanzierung aus Sicht ihrer Kritiker wohl brechen würde. Bis dato musste Draghi jedoch nicht eine Staatsanleihe kaufen.

Dennoch bestehe kein Grund zur Sorglosigkeit. Die EZB könne sich bei Bedarf mit unkonventionellen Maßnahmen gegen eine zu lange Phase niedriger Inflation wappnen. Dazu gehöre auch ein Wertpapier-Kaufprogramm. Mit entsprechenden Instrumenten hatten bereits die Notenbanken der USA, Japans und Großbritanniens gearbeitet.

Der EZB-Rat hat laut Notenbank-Vizepräsident Vitor Constancio bei seinem jüngsten Treffen noch keine Details eines möglichen umfangreichen Wertpapierkaufprogramms diskutiert. „Dafür war das Umfeld nicht entsprechend“, sagte Constancio dem Fernsehsender CNBC.

Es sei am Donnerstag nicht über die Frage gesprochen worden, ob die EZB Staatsanleihen oder private Schuldtitel kaufen könnte. Vielmehr sei es vor allem darum gegangen, einen grundsätzlichen Konsens unter den Mitgliedern des Rats herzustellen, dass Wertpapierkäufe – im Fachjargon Quantitative Easing genannt – als Mittel im Kampf gegen eine drohende Deflation in der Euro-Zone eingesetzt werden könnten. „Diese Einigkeit herzustellen war sehr wichtig“, sagte Constancio.

Kommentare (36)

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04.04.2014, 17:37 Uhr

Goldesel von Goldman Sachs.

Er kauft jeden Schrott auf und füttert damit die Banken.

Account gelöscht!

04.04.2014, 18:00 Uhr

Der Verbrec... von Goldman Sachs, Draghi, hat gesagt, man würde ach in großem Stil Anleigen aufkaufen, da zu befürchten sei, bei der niedrigen Inflation würden die Menschen das Vertrauen in den Euro verlieren. Wenn die EZB jährlich für 1000 Milliarden Euro (1 Billion) Schuldtitel der Euroländer aufkaufen muss, damit das System nicht zusammenbricht, brennt die Hütte lichterloh. Der Crash ist nicht mehr weit. Die FED hat Billionen an Dollar in den Markt gepumpt. Was hat es gebracht, fast null. Dafür haben scih die Schulden der USA in ca. 6 Jahren verdoppelt. Die Eurokrsie ist vorebi heucheln die eurofanatischen Politiker. Dollar am Ende, weil sichd ie Staatsschden der USA verdoppelt haben und beim Euro ist es nun genaus so. Ich aheb mein ganzesl Geld bis auf 1000.- Euro von der Bank geholt, schon 2008 Lbensveresicherungen aufgelöst (3 Monate vor Beginn der Krise), alles Sparverträge aufgelöst und Gold und Silber gekauft. Wer gleicht die Blanz der EZB aus, wenn die jedes Jahr 1000 Milliadren Euro als Saldo in ihre Bücher nimmt ?

Account gelöscht!

04.04.2014, 18:08 Uhr

"EZB-Chef Mario Draghi hatte jedoch nach der jüngsten Zinssitzung betont, der Euroraum stehe nicht am Rande einer Deflation. Dennoch bestehe kein Grund zur Sorglosigkeit. Die EZB könne sich bei Bedarf mit unkonventionellen Maßnahmen gegen eine zu lange Phase niedriger Inflation wappnen."

Und so muss man das auch lesen: Draghi weiß genau, dass aller Wahrscheinlichkeit nichts dergleichen droht, da die Konjunkturindikatoren entsprechendes nahelegen. Die Gefahr, dass er wirklich handeln müsste ist sehr, sehr, sehr gering.

Allerdings kann er es sich nicht leisten, dass man ihn der Untätigkeit bezichtigt. Er hat also den Weg gewählt, glaubhaft Maßnahmen anzudrohen, falls es notwendig sein sollte. Natürlich gehört auch dazu, dass man erst einmal die Wirkung einer Maßnahme untersucht, bevor man weiter mit so etwas herumdroht;)

Das ist im Grunde genommen nur politische Schauspielerei: Niemand glaubt ernsthaft, dass es dazu kommt.

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