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22.03.2017

10:55 Uhr

Merrill-Lynch-Umfrage

Teure Aktien

VonAnke Rezmer

Eine Mehrheit von Großanlegern hält Aktien für zu teuer, und zwar vor allem in den USA. Allerdings lassen sie bisher ihren Einschätzungen kaum Taten folgen, zeigt die bedeutendste monatliche Umfrage unter Fondsmanagern.

Händler an der New Yorker Börse Wall Street: Investoren fürchten einen überhitzten US-Aktienmarkt. AP

Wie lange läuft die Aktienrally noch?

Händler an der New Yorker Börse Wall Street: Investoren fürchten einen überhitzten US-Aktienmarkt.

FrankfurtDie Luft scheint dünner zu werden, vor allem auf der anderen Seite des Atlantiks. Großinvestoren sorgen sich zunehmend um die Bewertung von Aktien, wie die wichtigste monatliche Umfrage unter internationalen Fondsmanagern der US-Großbank Bank of America Merrill Lynch ergibt. Befragt wurden 200 Fondsmanager, die insgesamt 592 Milliarden US-Dollar managen. Eine so große Mehrheit der Investoren wie nie zuvor hält Aktien demnach für überteuert. Der Umfrage zufolge sind es 34 Prozent mehr Fondsmanager, die Dividendentitel für überbewertet halten als solche, die das nicht finden. So viele waren es noch nie seit Beginn der Umfrage vor 17 Jahren.

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Die erwartete Verkaufswelle bleibt weiter aus: Trotz hoher Kurse investieren Unternehmenslenker wieder mehr eigenes Geld in die Aktien ihrer Unternehmen. Auf der Kaufliste stehen aktuell zwei Immobilientitel ganz oben.

„Investoren bringen Argumente in Stellung für eine Pause von der Rally“, interpretiert Michael Hartnett, Chef-Anlagestratege bei Bank of America Merrill Lynch das Umfrageergebnis als Signal für einen möglichen Wendepunkt. Schließlich seien die Aktienanteile der Investoren auf Zwei-Jahres-Hoch und ihre Quoten bei Bonds auf Drei-Jahres-Tief. In der Tat ist interessant, dass die Investoren trotz dieser massiv geäußerten Sorge bisher daraus kaum Konsequenzen ziehen: Ein Großteil der Fondsmanager gewichtet Aktien höher als ihren Börsen-Vergleichsindex. Anleihen gewichtet dagegen eine noch größere Mehrheit der Investoren gegenüber Börsenindizes unter.

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Im vergangenen Jahr hatten Fondsmanager sie noch gemieden. Nun erwärmen sich Investoren langsam wieder für europäische Aktien. Doch die Präsidentschaftswahlen in Frankreich könnten den Enthusiasmus ausbremsen.

Spannend ist, dass die Großanleger vor allem US-Aktien für zu teuer halten. Und hier schichten sie auch um: Nachdem im Februar noch ein gewichtiger Teil der Investoren stärker auf die Titel gesetzt hat, haben die meisten ihre Quoten nun heruntergefahren. Im Gegenzug haben sie ihre Gewichtungen bei europäischen und Schwellenländeraktien ausgebaut. In beiden Regionen halten sie Dividendentitel noch für preiswert. Besonders stark hochgefahren haben die Fondsmanager Schwellenländeraktien, die jetzt ein Großteil höher gewichtet gegenüber der Börsenbenchmark. Dahinter steckt ein wieder größerer Optimismus, was Chinas Wachstumsaussichten angeht. Europäische Aktien gefallen den Großinvestoren schon länger, sie gewichten die Titel so hoch wie seit elf Monaten nicht.

Als wahrscheinlichsten Auslöser für ein Ende des Bullenmarktes bei Aktien nennt ein gutes Drittel der Fondsmanager übrigens höhere Zinsen. Dafür müssten die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen auf 3,5 bis vier Prozent klettern, meinen die meisten Fondsmanager. Aktuell liegt die Rendite bei 2,4 Prozent. Gut zwanzig Prozent meinen, schwächere Firmengewinne könnten die Kursrally bei Aktien beenden. Ein Fünftel glaubt, protektionistische Politik könnte die Aufwärtsserie stoppen.

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