Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.10.2012

16:25 Uhr

Milliardenschweres Edelmetall

Wirtschaftsforscher fordert Verkauf der Goldreserven

Die Bundesbank hortet Gold im Wert von mehr als 100 Milliarden Dollar, das meiste davon im Ausland. Wirtschaftsforscher Gustav Horn fordert, einen Teil der Reserven zu verkaufen. Mit dem Geld ließe sich einiges machen.

Wirtschaftsforscher Horn: „„Der Goldstandard ist seit langem Geschichte.“ dpa

Wirtschaftsforscher Horn: „„Der Goldstandard ist seit langem Geschichte.“

BerlinDie Bundesbank soll einen Teil ihrer milliardenschweren Goldreserven verkaufen - das fordert Gustav Horn, Leiter des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung. In einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“ schreibt Horn, es gebe keinen rationalen ökonomischen Grund mehr dafür, derartig hohe Goldvorräte vorzuhalten.

„In Zeiten schwacher Konjunktur könnte ein Teil verkauft werden, die Erlöse könnten dazu verwendet werden, die Wirtschaft zu stimulieren. Dies würde den Bundeshaushalt schonen und so den konjunkturpolitischen Spielraum des Staates in Zeiten der Schuldenbremse erhöhen.“

Weimers Woche: Verkauft das Gold!

Weimers Woche

Verkauft das Gold!

Ein Streit um die Sicherheit der deutschen Goldreserven im Ausland ist entbrannt.

„Ursprünglich hielten Zentralbanken Goldbestände, weil dies der Abdeckung und Sicherung der von ihnen gehüteten Währung diente“, schreibt Horn. „Doch der Goldstandard ist seit langem für alle bedeutenden Währungen aus gutem Grund Geschichte. Der Euro war nie durch Gold gedeckt, und die Bundesbank verfügt nicht einmal mehr über eine eigene Währungshoheit, wohl aber über hohe Goldreserven.

In der jetzigen Stimmung, die vor dem Hintergrund der krisenhaften Entwicklung im Euro-Raum zwischen Vorsicht und Panik schwanke, sei ein „souveräner Umgang“ mit Goldreserven aber unwahrscheinlich. „Da bricht die psychologische Wirkung von Gold durch: Es beruhigt wegen seiner scheinbaren Wertbeständigkeit.“

Reserven der Bundesbank: Der Kampf ums deutsche Gold

Reserven der Bundesbank

Der Kampf ums deutsche Gold

Ist er wirklich noch da? Der deutsche Goldschatz liegt im Ausland, doch gesehen hat ihn schon lange keiner mehr.

Die Goldreserven der Bundesbank liegen bei 3.396 Tonnen, aktueller Marktwert: 144 Milliarden Euro. Fast die Hälfte der 3.396 Tonnen Gold lagert in den USA. In den nächsten drei Jahren sollen 150 Tonnen davon nach Deutschland geholt werden.

Forderungen, den gesamten Milliardenschatz in heimischen Tresoren zu lagern, hatte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch eine Absage erteilt: „Auch in Zukunft wollen wir Gold an internationalen Goldhandelsplätzen halten, um es im Fall der Fälle binnen kürzester Zeit als Währungsreserve verfügbar zu haben.“ Der Bundesrechnungshof hatte „angesichts des hohen Werts der bei ausländischen Notenbanken gelagerten Goldbestände und der Tatsache, dass diese noch nie aufgenommen wurden“, regelmäßige Stichproben gefordert.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Von

dpa

Kommentare (100)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

27.10.2012, 16:39 Uhr

Je öfter ich was von diesem Gustav Horn lese, desdo öfter fällt mir der Spruch ein: Niemand ist unnütz. Er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen.
Außerdem sorgt der Mann für Heiterkeit an einem trüben Herbstwochenende, das ist ja auch was wert.

Account gelöscht!

27.10.2012, 16:47 Uhr

Wie kommt er eigentlich darauf, daß die deutschen Goldreserven überhaupt noch vorhanden sind, bzw. wir Deutschen darauf Zugriff haben?

Account gelöscht!

27.10.2012, 16:49 Uhr

Tolle Idee.
Gib den Euro-Junkis noch mehr Geld in die Hand und sie werden es verspielen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×