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08.01.2008

07:08 Uhr

Minderheitsbeteiligungen

Mini kommt in Mode

VonPeter Köhler und Robert Landgraf

Das Jahr 2008 wird nach Ansicht von Experten eine Renaissance der Minderheitsbeteiligungen an börsennotierten Gesellschaften bringen. Dabei dürften sowohl die ausländischen Staatsfonds als auch die klassischen Private-Equity-Gesellschaften tief in die Taschen greifen, um sich kleinere Anteilspakete zu sichern.

Auch arabische Staatsfonds sind im Rennen um Beteiligungen. Foto: Reuters

Auch arabische Staatsfonds sind im Rennen um Beteiligungen. Foto: Reuters

FRANKFURT. „Minderheitsbeteiligungen bekommen in den nächsten Monaten eine viel größere Bedeutung“, sagt Kai Tschöke, Managing Director bei der Investmentbank Morgan Stanley in Deutschland. Seiner Schätzung nach gibt es heute „20 bis 30 Investoren, die aktiv Minderheitspakete erwerben wollen und die sich für den deutschen Markt interessieren.“ Dazu zählten private aktivistische Fonds ebenso wie die großen Staatsfonds aus dem Nahen Osten und aus Asien, ergänzt Tschöke. Staatsfonds würden als „Ankerinvestoren“ wahrgenommen und als solche zunehmend gesucht“, sagt Alexander Gehrt, Co-Deutschlandchef für Fusionen und Übernahmen (M&A) bei der schweizerischen Großbank UBS.

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass beispielsweise die Deutsche Post, TUI oder die Allianz Ziele für kleinere Paketkäufe sein könnten. Zu den bekanntesten Deals in jüngerer Zeit zählt der Einstieg des Finanzinvestors Blackstone mit 4,4 Prozent bei der Deutschen Telekom. Auch die Staatsfonds waren aktiv: Dubai International Finance stieg im Mai mit 2,2 Prozent bei der Deutschen Bank ein und Kuwait hält sieben Prozent an Daimler. In den USA sicherten sich die Staatsfonds im Zuge der Finanzmarktkrise Anteilspakete an den ersten Bankadressen wie Morgan Stanley und Merrill Lynch.

Die Motive für den Einstieg reichen von langfristigen Renditeüberlegungen bis zu strategischen Fragen wie dem Zugang zu Know- how und Technologien. Bei den Private-Equity-Fonds kommt hinzu, dass sie derzeit Probleme haben, milliardenschwere Mehrheitsübernahmen von den Banken finanziert zu bekommen. „Die Private-Equity-Fonds stehen unter Anlagedruck, das Geld brennt in der Tasche“, sagt ein Banker. Schließlich müssten die institutionellen Investoren den Private-Equity-Häusern eine Management-Gebühr von ein bis zwei Prozent bezahlen, egal ob investiert werde oder nicht. Deshalb würden früher verschmähte Minderheitsbeteiligungen auch wieder salonfähig.

Allerdings gibt es auch Argumente, die gegen einen Boom bei Minderheitsbeteiligungen sprechen. „Es wird viel über kleine und mittelgroße Deals gesprochen. Die kommen aber für die Mega-Fonds nicht in Frage, weil sie nicht zu viele einzelne Investments managen wollen“, sagt ein Berater. Kleinere Transaktionen seien ähnlich arbeitsintensiv wie größere, schafften aber weniger Wert für den Investor, heißt es weiter.

Dirk Albersmeier, Chef Fusionen und Übernahmen von JP Morgan in Deutschland, rechnet in 2008 mit weiteren Fällen, sieht aber nicht, dass es zu einem großen Aufschwung kommt. Nicht alle Zukäufe der Aktivisten seien von Erfolg gekrönt, Nicht geklappt hat etwa der Versuch von Centaurus Capital ( fünf Prozent), bei Heidelberger Druck eine Änderung der Strategie durchzusetzen, was letztlich Centaurus etwa 30 Mill. Euro an Verlusten einbrachte.

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