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09.03.2016

08:43 Uhr

Minuszinsen

Diese Bank verdient Geld mit ihren Schulden

VonAndrea Cünnen

Die Hypothekenbank Berlin Hyp hat als erstes Unternehmen ein Zinspapier mit negativer Rendite begeben. Bislang gelang es nur Staaten, mit ihren Schulden Geld zu verdienen.

Erstmals gelang es auch einem Unternehmen, von den Negativzinsen der EZB zu profitieren. dpa

Die EZB am Morgen

Erstmals gelang es auch einem Unternehmen, von den Negativzinsen der EZB zu profitieren.

FrankfurtWas viele Staaten schon lange können, ist jetzt erstmals auch einem Unternehmen gelungen: mit der Aufnahme von Schulden Geld zu verdienen. Die Hypothekenbank Berlin Hyp hat einen Pfandbrief begeben, der sich mit minus 0,162 Prozent verzinst. „Damit sind die Negativrenditen beim ersten Pfandbrief-Emittenten angekommen; weitere dürften folgen, solange so viele Staatsanleihen im Minus rentieren“, sagt Sebastian Sachs, Analyst beim Bankhaus Metzler.

Deutsche Pfandbriefe und Europäische Covered Bonds sind Anleihen von Banken, die mit Hypotheken oder Krediten an die öffentliche Hand gedeckt sind, dabei strengen Regeln unterliegen und deshalb bei Investoren als sichere Anlagen gefragt sind. Im Handel haben sich auch bei ihnen die Negativrenditen längst durchgeschlagen.

Die Erwartungen an die EZB

Was die EZB bisher getan hat

Die Zinsen im Euroraum wurden unter EZB-Chef Mario Draghi quasi abgeschafft, der Leitzins liegt seit September 2014 mit 0,05 Prozent nur noch knapp im positiven Bereich. Zusätzlich kauft die Notenbank seit dem 9. März 2015 in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere. 60 Milliarden Euro nimmt die EZB dafür in die Hand - Monat für Monat. Im Dezember verlängerte der EZB-Rat dieses Programm („Quantitative Easing“/QE) um ein halbes Jahr bis mindestens März 2017. Das viele billige Geld soll über Geschäftsbanken in Form von Krediten bei Verbrauchern und Unternehmen ankommen und die Wirtschaft ankurbeln.

Warum die EZB nachlegen will

Oberstes Ziel der EZB sind stabile Preise - und die definieren Europas Währungshüter bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent. Doch davon ist die Inflation trotz der Geldflut der Notenbank weiterhin meilenweit entfernt. In Deutschland drückte der erneute Absturz der Ölpreise die jährliche Teuerungsrate im Februar nach vorläufigen Zahlen auf Null. Im Euroraum fielen die Verbraucherpreise erstmals seit einem halben Jahr sogar wieder: Die Inflationsrate ging auf minus 0,2 Prozent zurück. Das dürfte die EZB nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Christoph Weil bestärken, ihre eigenen Inflationsprognosen zu senken: „Dies macht den Weg frei für weitere expansive Maßnahmen.“

Was die EZB noch tun kann

Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Währungshüter den Strafzins nochmals verschärfen, den Banken bezahlen müssen, wenn sie kurzfristig Geld bei der Notenbank parken. Seit Dezember liegt er bei 0,3 Prozent. Möglich wäre auch eine Staffelung dieses Zinses je nach Höhe der Einlagen. Müssen Banken mehr für das Bunkern von Liquidität zahlen - so die Theorie - bringt sie das eher dazu, das Geld als Kredit an Verbraucher und Unternehmen weiterzureichen. Theoretisch könnte die EZB auch das Volumen ihrer monatlichen Wertpapierkäufe aufstocken oder Grenzen aufweichen, die im Rahmen ihres QE-Programms eingezogen wurden - wie die, dass die Zentralbank nicht mehr als 33 Prozent der Anleihen eines Staates kaufen darf. Solche Schritte sind im EZB-Rat aber wesentlich umstrittener als das Thema Strafzinsen.

Was die Maßnahmen bringen - und was nicht

Ökonomen raten zu mehr Besonnenheit: Hauptgrund für die niedrige Inflation sei der Absturz der Ölpreise - und der sei zugleich ein Konjunkturprogramm. „Der niedrige Ölpreis lässt der Inflation keinen Raum zum Atmen. Doch die Lage ist nicht so gravierend, wie die Gesamtrate glauben macht“, kommentierte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner die jüngsten Inflationszahlen. Und da die Finanzmärkte eine Erholung der Rohölpreise erwarteten, sei für 2017 im Durchschnitt eine Inflationsrate von rund zwei Prozent wieder realistisch. „Deshalb sollte die EZB über die aktuelle Flaute hinwegsehen“, riet Zeuner. „Vor allem eine weitere Absenkung des bereits negativen Einlagensatzes erscheint mir per Saldo wenig wirksam.“

Laut NordLB rentieren im viel beachteten „iBoxx Euro Covered Bond Index“ rund 37 Prozent aller Covered Bonds unter null Prozent. Insgesamt umfasst der Index Papiere im Wert von 755 Milliarden Euro. Im Februar brachte die Helaba als erster Emittent einen Pfandbrief mit einem Zinskupon von null Prozent auf den Markt, der aber mit einer leicht positiven Rendite an die Investoren verkauft wurde.

Auch der dreijährige Pfandbrief der Berlin Hyp hat einen Null-Kupon. Trotz der Negativrendite war das 500 Millionen Euro schwere Papier fast dreifach überzeichnet. „Solange Pfandbriefe noch einen kleinen Aufschlag gegenüber Bundesanleihen bieten, sind sie für einige Investoren interessant“, sagt Matthias Melms, Analyst bei der NordLB. Deutsche Bundesanleihen mit drei Jahren Laufzeit rentieren aktuell bei minus 0,55 Prozent.


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