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17.11.2014

17:22 Uhr

Mögliche Staatsanleihenkäufe

Draghi denkt laut nach

In der Eurozone sorgt die unerwünscht niedrige Inflation für Kopfschmerzen. Das veranlasste EZB-Chef Mario Draghi entsprechende Instrumente bereitzuhalten. Die Geldschleusen könnten bei Bedarf geöffnet werden.

EZB-Präsident Mario Draghi: „Wir müssen weiter auf der Hut sein, was Abwärtsrisiken für unseren Inflationsausblick angeht.“ Reuters

EZB-Präsident Mario Draghi: „Wir müssen weiter auf der Hut sein, was Abwärtsrisiken für unseren Inflationsausblick angeht.“

Brüssel/BerlinEZB-Chef Mario Draghi will wegen der unerwünscht niedrigen Inflation die Geldschleusen bei Bedarf weiter öffnen. „Wir müssen weiter auf der Hut sein, was Abwärtsrisiken für unseren Inflationsausblick angeht“, warnte Draghi am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments.

Wenn die EZB zu weiteren Maßnahmen jenseits des bereits weitgehend ausgereizten Leitzinses greifen sollte, könnten dazu auch Ankäufe von Staatsanleihen gehören, sagte der Italiener. Im Dezember legen die Volkswirte der Europäischen Zentralbank (EZB) ihre aktualisierten Prognosen zur Teuerung wie auch zu Wachstum und Beschäftigung vor. Im Vergleich zu den September-Vorhersagen erwarten viele Beobachter eine deutliche Korrektur nach unten. Damit würde es wahrscheinlicher, dass die EZB die Notenpresse künftig schneller rotieren lässt.

Draghis Äußerungen gaben der Börse in Frankfurt Auftrieb. “Das Wort 'Staatsanleihen' ist mal wieder gefallen“, sagte ein Händler. Draghi betonte, der EZB-Rat sei sich einig, dass bei Bedarf zusätzliche geldpolitische Instrumente genutzt werden müssten. Die Zentralbank sei weiter bereit, im Rahmen ihres Mandats „alles Nötige“ zu unternehmen, um den Euro zu bewahren.

Der Stab der Zentralbank bereitet bereits vorsorglich den Einsatz weiterer sogenannter unkonventioneller Mittel vor. Die EZB hält sich bei Bedarf auch den Ankauf privater Anleihen offen, um so die lahmende Wirtschaft mit billigem Geld anzuschieben und zugleich die Inflationsrate nach oben zu treiben.

Mario Draghis Krisenkurs in Zitaten

Amtsantritt am 3.November 2011 in Frankfurt

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung.“

26. Juli 2012 in London

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

EZB-Sitzung am 4. Juli 2013

„Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinssätze der EZB für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben werden.“

Nach der Leitzinssenkung am 7. November 2013

„Wenn wir Deflation verstehen als einen weit verbreiteten Verfall von Preisen in vielen Warengruppen und in mehreren Ländern – das sehen wir nicht.“

Gespräch mit Altkanzler Schmidt am 7. November 2013

„Ich bin sehr bewegt von Helmut Schmidts Worten und sollte dafür wirklich dankbar sein. Komplimente sind Mangelware in diesen Tagen.“

EZB-Sitzung am 3. April 2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

EZB-Sitzung am 8. Mai 2014

„Der EZB-Rat fühlt sich wohl damit, beim nächsten Mal zu handeln.“

EZB-Konferenz am 26. Mai 2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

Der EZB-Rat erwartet, dass die Bilanz der Notenbank auf das Niveau von Anfang 2012 aufgebläht werden kann. Dies entspricht einer Ausweitung um rund eine Billion Euro. Mit den Käufen von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen wird diese Summe nach Ansicht von Experten jedoch bei weitem nicht erreicht. Draghi sagte vor dem Ausschuss in Brüssel lediglich, mit zusätzlichen geldpolitischen Maßnahmen könnten sich "Umfang und Zusammensetzung" der EZB-Bilanz ändern.

Die EZB verfolgt nach den Worten von Notenbank-Direktor Yves Mersch allerdings kein konkretes Bilanzziel. „Unsere Liquiditätsspritzen und Ankaufprogramme dienen dazu, die Verstopfungen im Kreditkanal zu lösen.“ Ziel sei es nicht, dem Bankensektor schlechte Kreditrisiken abzunehmen und in der Bilanz der Notenbank zu versenken. „Das ist nicht unser Auftrag. Dass sich unsere Bilanz im Zuge dessen verlängert, ist weder ein Selbstzweck noch ein Fetisch“, sagte der Luxemburger.

Die EZB stemmt sich mit den geldpolitischen Maßnahmen gegen das unerwünscht niedrige Preisniveau in der Euro-Zone. Die Inflationsrate lag zuletzt nur bei 0,4 Prozent und damit weit unter dem Ziel der Notenbank von knapp zwei Prozent. Im September hatte der Stab der Zentralbank für 2014 eine Inflationsrate von 0,6 Prozent vorhergesagt. 2015 wird die Jahresteuerung demnach mit 1,1 Prozent deutlich unter dem Zielwert der EZB landen. Die Phase niedriger Inflation wird Experten zufolge noch eine ganze Weile anhalten.

Erst 2019 soll sich die Inflationsrate mit 1,8 Prozent wieder der Zielmarke von knapp zwei Prozent nähern, wie aus der jüngst von der EZB veröffentlichten Umfrage unter professionellen Beobachtern ihrer Geldpolitik hervorgeht.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

17.11.2014, 17:50 Uhr

Nun muß doch selbst Draghi bemerkt haben, was seine aktuell verbalen Liquiditätszaubereien in Praxis helfen: nichts.

Dies jedenfalls belegt sich einmal in USA, wo allenfalls die erste Stufe von QE nutzte, nämlich der allgemeinen Desorientierung nach dem 08-Crash. Alle folgenden QE-Stufen brachten: nichts.

Zum anderen belegt es sich in Japan, wo heute (nach Frühjahr schon - 1,9%) eine Rezession von 0,5% eintrat - trotz allen Liquiditätszaubers.

Account gelöscht!

17.11.2014, 17:57 Uhr

Es gibt einfach zu viele Zeitgenossen, die von so einem Irrsinn zu gut leben, ohne je einen Beitrag für das Wohlergehen aller Bürger geleistet zu haben. Mich wundert, daß noch nicht mal Islamisten sich dieser Zeitgenossen annehmen, denn dann wären ihnen sicherlich die doppelte Menge Jungfrauen reserviert.

Herr Peter Spiegel

17.11.2014, 18:42 Uhr

Nur der, der keine Zinsen nimmt, bekommt die Jungfrauen.
Also, kein Neid, Draghi bekommt die Damen.

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