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05.04.2011

08:47 Uhr

Mohamed El-Erian

„Ohne höheres US-Schuldenlimit droht ein neuer Kollaps“

VonRolf Benders

Gläubiger verlieren das Vertrauen in die USA, falls das Limit für die Staatsschulden nicht angehoben wird, warnt Mohamed El-Erian. Mit dem Chef des größten Anleiheinvestors Pimco sprach das Handelsblatt.

Mohamed El-Erian, CEO der "Pacific Investment Management Company" (PIMCO), während einer Rede. Quelle: Reuters

Mohamed El-Erian, CEO der "Pacific Investment Management Company" (PIMCO), während einer Rede.

Handelsblatt: Herr El-Erian, warum ist der Dollar derzeit so schwach? Müsste er bei all den Krisen in der Welt nicht steigen?

Mohamed El-Erian: Ja, man würde erwarten, dass der Dollar als Fluchthafen für sichere Anlagen wie in der Vergangenheit gesucht würde. Ist er aber nicht.

Warum nicht? Wegen der hohen Verschuldung?

Unter anderem. Die Märkte mögen den Dollar und US-Staatsanleihen nicht mehr so sehr wie einst. Man kann sich fiskalpolitisch eben nur eine begrenzte Zeit unverantwortlich verhalten.

Endet damit also die Zeit des Dollars als Weltreservewährung?

Wir sind vermutlich auf dem Weg von einer unipolaren zu einer multipolaren Welt. Möglicherweise haben wir in Zukunft mehrere Reservewährungen. Der Dollar wird weiter wichtig sein, aber nicht mehr so hoch geschätzt sein wie zuvor.

Pimco hält US-Staatsanleihen derzeit für überbewertet. Warum? 

Wir haben uns gefragt: Was passiert, wenn die US-Notenbank im Sommer aufhört, Staatsanleihen zu kaufen? Wer ersetzt dann diese Nachfrage im Markt?

Und?

Wir glauben, dass es ausreichend Nachfrage geben wird, aber zu einem niedrigeren Preis. Mein Kollege Bill Gross hat mal gesagt, die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe, die derzeit bei ungefähr 3,5 Prozent liegt, könnte auf rund vier Prozent steigen. Wenn so etwas passiert, müssen wir unsere Haltung erneut prüfen.

In Washington ringt die Regierung derzeit um eine Anhebung der Schuldenobergrenze. Was erwarten die Märkte?

Das beste Szenario wäre, wenn das Schuldenlimit angehoben und gleichzeitig Grundsätze für eine mittelfristige Reform der Staatsfinanzen beschlossen würden. Diese müssten Einnahmeerhöhungen und Ausgabenkürzungen beinhalten. Aber ich bin wegen der politischen Lage wenig optimistisch, dass das funktioniert.

Was wäre die zweitbeste Lösung?

Eine Anhebung der Schuldenobergrenze in Kombination mit Maßnahmen für das laufende und das kommende Jahr sowie das Bekenntnis zu echten Reformen auf mittlere Frist. Die drittbeste Lösung wäre das, was gerade auf dem Tisch liegt. Ein Deal für dieses Haushaltsjahr.

Würde der Markt den USA ein Reformbekenntnis für die Zukunft abnehmen?

Ich denke ja. Denn es würde signalisieren, dass sich etwas bewegt. Ich vermute, Investoren würden eine „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“-Haltung einnehmen. Das heißt, ihre Meinung zu US-Staatsanleihen würde zumindest etwas positiver. Sie würde sich dann deutlich bessern, wenn dem Bekenntnis Taten folgen.

Kommentare (3)

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KriminelleMachenschaften

05.04.2011, 10:32 Uhr

Das hoehere Schuldenlimit ist mal wieder alternativlos.
Die weltweite Vermoegensenteignung durch Hyperinflation wird weiter vorangetrieben. Weltsozialismus wir kommen!!!

Account gelöscht!

05.04.2011, 11:12 Uhr

Am besten weltweit in allen Währungen das Komma 3 Stellen nach vorne schieben.

Damit wird aus 10.000 EUR Gespartes im Nu 10 EUR.

Aber die Verschuldungen der Staaten wäre gelöst. Ich denke zu so einer Schweinerei sind die Notenbanken durchaus in der Lage.

Prenden

05.04.2011, 11:45 Uhr

Erstens ist die US-Notenbank eine privatwirschaftliche Einrichtung und keine Staatliche und zweitens ist diese Einrichtung die (möglicherweise) Einzige, welche noch die US-Staatsanleihen kauft. Pimco hat sich doch zurückgezogen! Damit das Geschäft weitergeht würde ich denen auch empfehlen das Schuldenlimit anzuheben, damit sich jemand anderes mit den Problemen beschäftigen kann. Alles Quatsch und Parallelen gibt es auf jeden Fall zur EU. Undemokratisch, nicht von den Völkern gewählt und Verstoß gegen die Verfassung.

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