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18.02.2013

14:50 Uhr

Monatsbericht

Bundesbank stellt sich gegen Lohnerhöhungen

Mitten in der laufenden Tarifrunde warnt die Bundesbank vor überzogenen Lohnerhöhungen. Stiegen die Gehälter stärker als es die Produktivität zulasse, würden Firmen Jobs abbauen und umgehend weniger investieren

Mit Warnstreiks machen Gewerkschaften Druck bei Tarifverhandlungen. dpa

Mit Warnstreiks machen Gewerkschaften Druck bei Tarifverhandlungen.

FrankfurtDie Stellungnahme der Bundesbank ist deutlich: Stark anziehende Löhne würden die Nachfrage der Verbraucher nur vorübergehend ankurbeln, erklärten die Bundesbank-Experten in ihrem aktuellen Monatsbericht: "Den Lohnsteigerungen der Arbeitnehmer stehen Einkommenseinbußen jener gegenüber, die ihre Arbeitsplätze verloren haben." Langfristig würden die real verfügbaren Einkommen und der private Konsum "sogar merklich unter der Last des Beschäftigungsabbaus" sinken. Letztlich würde dies die Binnennachfrage und die gesamte Wirtschaftskraft bremsen.

Anfang des Jahres hatte sich der Wirtschaftsweise Peter Bofinger für pauschale Lohnerhöhungen um fünf Prozent über alle Branchen hinweg ausgesprochen. Deutschland könne damit zur Stabilisierung der Euro-Zone beitragen und die Wettbewerbsposition der Krisenländer stärken, argumentiert der Würzburger Professor. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte dem bereits umgehend widersprochen: "Es gäbe ein Strohfeuer bei Einkommen und Konsum, aber die Unternehmen würden auch weniger investieren und zudem Beschäftigte entlassen."

Die Bundesbank kommt in ihrer Modellrechnung ferner zum Ergebnis, dass positive Effekte auf die Euro-Partnerländer ausblieben. "Zu beachten ist, dass selbst ein spürbarer Anstieg des deutschen Einfuhrvolumens keine entsprechend große Verbesserung der außenwirtschaftlichen Positionen der Peripherieländer zur Folge hätte." Vielmehr seien negative Folgen zu erwarten. Denn wegen des Kosten- und Preisauftriebs in Deutschland müsste wohl die Europäische Zentralbank die geldpolitischen Zügel wieder leicht anziehen. Kurz- und langfristige Zinsen würden in der Euro-Zone steigen und die Konjunkturentwicklung in einzelnen Ländern bremsen. "Zudem wird der Schock über eine Aufwertung des Euro auf den Rest der Welt übertragen", heißt es. Notenbanken in Drittstaaten könnten dann die Zinsen anheben, "wodurch auch dort die gesamtwirtschaftliche Erzeugung in Mitleidenschaft gezogen wird".

Deutschland hat nach Einschätzung der Bundesbank mit maßvoller Lohnpolitik in den vergangenen Jahren gute Erfahrung gemacht. Deshalb sei dies ein wichtiger Baustein im Anpassungsprozess der Euro-Krisenländer. Denn es gehe nicht so sehr darum, preisliche Wettbewerbsvorteile auf internationalen Märkten zu erringen - sondern vielmehr darum, "die Beschäftigungsschwelle des gesamtwirtschaftlichen Wachstums zu senken und der grassierenden Arbeitslosigkeit Herr zu werden".

Von

rtr

Kommentare (16)

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anonym

18.02.2013, 15:17 Uhr

Es ist schon anmaßend,wenn ausgerechnet Bankster zu Lohnverzicht aufrufen.Diese Damen und Herren sind dafür bekannt sich gerne eine kräftigen Schluck aus der Pulle zu gönnen(Boni).Aber wie es bei unseren oberen so üblich ist,Wasser predigen aber Wein saufen!

DummDreist

18.02.2013, 16:11 Uhr

Völlig richtig. Ein absolut dummdreistes Gerede und mal wieder der Versuch, in die Tarif-Hoheit einzugreifen.
Und unsere unfäigen Politiker lecken wieder den Speichel dieser vermeintlichen Finanzexperten, die von nichts anderem leben als unseren Steuergelder, die zudem noch zur Stützung der Märkte - wir wissen ja auch, wer dahinter steckt - unlegitimiert heran gezogen werden.

merkle

18.02.2013, 16:14 Uhr

Banker und Lohnverzicht? Das sollen sie doch mal vormachen! Dieser korrupte Haufen sollte sich gar nicht mehr aus der Deckung wagen. Wer hat die Bürger mehr betrogen als Banken und Politiker? Armes Deutschland.

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