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24.11.2015

10:53 Uhr

Musterdepot

Aktienrückkäufe werden zum Börsenrisiko

Das Volumen der durch US-Firmen selbst erworbenen eigenen Unternehmensanteile steuert in diesem Jahr auf einen Rekordwert zu. Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis findet das besorgniserregend.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Zu den maßgeblichen Kurstreibern an der Wall Street gehören neben der Geldflut der Notenbanken vor allem Aktienrückkäufe. Das Volumen der durch die US-Firmen selbst erworbenen eigenen Unternehmensanteile steuert in diesem Jahr auf den höchsten Stand seit Ausbruch Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 zu.
Analog zur ultralockeren Geldpolitik gilt: Kurzfristig profitieren Anleger zwar davon – doch zu Lasten der langfristigen Perspektiven ihrer Depotwerte. Niedrigstzinsen halten nicht wettbewerbsfähige Unternehmen künstlich im Markt – und vielen Anteilseignern wird die Überlegenheit konkurrierender Geschäftsmodelle erst dann bewusst, wenn es schon zu spät ist.

Das Risiko bei übertriebenen Aktienrückkäufen: Zugunsten der bequemen Kurspflege vernachlässigen die Firmen oftmals operative Investitionen – beispielsweise für Forschung und Entwicklung oder für die Erschließung neuer Absatzmärkte.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Hintergrund: Weil nach einem Aktienrückkauf der Unternehmensgewinn auf eine verringerte Anzahl an Aktien aufzuteilen ist, steigt in der Folge der Ertrag je einzelner Aktie – selbst wenn sich die Gewinnentwicklung kein bisschen verbessert hat. Dadurch wiederum verbessert sich eine für viele Investoren entscheidende Kennzahl: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis nimmt ab.

Die Aktie erscheint also wie von Zauberhand plötzlich attraktiver bewertet - obwohl weder der Aktienkurs gesunken ist, noch der Gesamtgewinn des Unternehmens zugelegt hat. Die Folge: Mehr Anleger greifen zu, die Aktie steigt noch höher, die Anteilseigner und Bonusempfänger freut' s. Langfristfolgen werden ausgeblendet.

Allein im dritten Quartal dieses Jahres hat fast jedes vierte Unternehmen aus dem marktbreiten US-Aktienindex S&P 500 die Menge seiner im freien Umlauf befindlichen Anteilsscheine um mindestens vier Prozent verringert. Insgesamt haben die 500 wichtigsten börsengelisteten Unternehmen in den USA von Juli bis September eigene Dividendenpapiere im Umfang von mehr als 100 Milliarden US-Dollar zurückgekauft. Zum Vergleich: die gesamte Marktkapitalisierung im S&P 500 beläuft sich aktuell auf rund 19 Billionen US-Dollar.

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