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22.06.2014

12:26 Uhr

Musterdepot

Banken-Stresstest hemmt die Inflation

Daniel Hupfer sieht im Stresstest der europäischen Banken den Knackpunkt für die geringe Inflation. Denn solange Stabilität der Geldhäuser getestet wird, werden diese sich hüten durch Kredite in Bedrängnis zu geraten.

Daniel Hupfer

Daniel Hupfer

An dem umfangreichen geldpolitischen Maßnahmenpaket, das die EZB vor 14 Tagen beschlossen hat, wird insbesondere in Deutschland heftige Kritik geübt. Im Kern geht es dabei um zwei Dinge: Zum einen sei die Geldpolitik der EZB unangemessen, da sich die wirtschaftliche Lage bereits verbessere und die Gefahr einer Deflation gering sei beziehungsweise gar nicht existiere.

Zum anderen seien die beschlossenen Maßnahmen wirkungslos und sogar schädlich, weil die deutschen Sparer „enteignet“ und nur die Bildung von spekulativen Blasen gefördert würden. Wir halten die erneute geldpolitische Lockerung durch die EZB dagegen durchaus für gerechtfertigt, denn einerseits weicht die derzeitige Inflationsrate für den Euroraum mit 0,5 Prozent für Mai 2014 von der EZB-Zielgröße „unter aber nahe bei zwei Prozent“ deutlich ab und das vergleichsweise moderate Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr wird in nächster Zeit kaum reichen, um einen stärkeren Preisanstieg auszulösen.

Daniel Hupfer

Der Anleger

Daniel Hupfer arbeitet für M.M.Warburg. "Wir präferieren die Direktanlage, das heißt im Wesentlichen kaufen wir Aktien und Anleihen, Fonds nur bei bestimmten Themen, wie China. Zertifikate grundsätzlich nicht", sagt er.

Die Strategie

Wir werden die "Handelsblatt"-Anlagestrategie offensiv ausrichten. Das bedeutet, unser Fokus liegt auf chancenorientierten Wertpapieren, wie beispielsweise Aktien. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und eines enormen Anlagedrucks halten wir Aktien und Unternehmensanleihen nach wie vor für attraktiv. Zwar sind Aktien nicht mehr günstig bewertet. Aufgrund unseres positiven Konjunkturszenarios sollten aber die Unternehmensgewinne weiter steigen und sich damit die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder relativieren. Wir halten die Region Europa für am interessantesten. Hier gibt es am Aktienmarkt noch Aufholpotential. Der US-Aktienmarkt ist etwas höher bewertet, allerdings sehen wir auch hier noch Potential.


Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Andererseits wird auch der Referenzwert für die Wachstumsrate der Geldmenge M3 von 4,5 Prozent seit fünf Jahren ununterbrochen verfehlt; zuletzt betrug das Geldmengenwachstum gerade einmal 0,8 Prozent.

Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage, ob die beschlossenen Maßnahmen überhaupt wirken werden und wann dies der Fall sein könnte. Der wesentlichste Hemmschuh für die Kreditvergabe dürfte der Stresstest für die 128 größten Banken der EU sein, der in den kommenden Monaten durchgeführt werden wird und dessen Ergebnisse im Oktober 2014 veröffentlicht werden sollen.

Banken, die diesen Stresstest durchlaufen, werden derzeit keine große Bereitschaft verspüren, neue Kredite zu vergeben, für die sie dann in dem von der Aufsicht geforderten Szenario Wertberichtigungen vornehmen müssen, die wiederum ihr Eigenkapital belasten. Keine Bank wird negativ auffallen und die Aufforderung erhalten wollen, Lücken im Eigenkapital schließen zu müssen.

Von daher wird eine Belebung der Kreditvergabe frühestens nach Beendigung des Stresstests im Herbst zu erwarten sein. Dann könnte sich aber – auch dank der zusätzlichen unkonventionellen Maßnahmen der EZB – tatsächlich die Situation zum Besseren wenden. Doch bis dahin wird Geduld gefragt sein, denn eine deutliche Verbesserung der Rahmenbedingungen ist vorher nicht zu erwarten. Dazu stehen sich Geldpolitik und Regulierung derzeit zu sehr im Wege.

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