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30.11.2016

17:50 Uhr

Musterdepots

Äpfel und Birnen

Die Aktienmärkte befinden sich nunmehr im achten Jahr der Hausse. Und immer noch predigt die Finanzbranche die einmaligen Vorteile der Dividende im Nullzinszeitalter. Georgios Kokologiannis wagt einen kritischen Blick.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

„Die Dividende ist der neue Zins.“ Mit diesem Werbespruch trommelt die Finanzbranche auch im achten Jahr der zweitlängsten Aktienhausse aller Zeiten für den Einstieg in Dax & Co. Denn mit den Anteilscheinen solider Unternehmen könnten gerade langfristig orientierte Anleger eine im Vergleich zu Anleihezinsen um ein Vielfaches höhere Dividendenrendite einstreichen.

Zumindest an der Wall Street stimmt diese Rechnung nicht mehr: Nach dem Kursrutsch am Anleihemarkt rentieren etwa die vielbeachteten zehnjährigen US-Staatsbonds oberhalb von 2,3 Prozent - und damit über der durchschnittlichen Dividendenrendite der Titel aus dem S&P 500-Aktienindex, die nach deren Trump-Rally auf 2,1 Prozent gefallen ist.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Hintergrund: Anders als an der Wall Street wappnen sich die Investoren am US-Bondmarkt bereits jetzt gegen ein Szenario, in dem die Staatsverschuldung der USA unter dem designierten Präsidenten Donald Trump explodiert und die Inflationsraten rasant zulegen: Der Abverkauf bestehender Anleihen geht mit stark steigenden Bondrenditen einher. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren inzwischen mehr als zwei Drittel höher als noch im Juni bei damals 1,4 Prozent.

Bei kritischer Betrachtung entpuppt sich der griffige Werbeslogan vom neuen Zins auch insgesamt als fragwürdiges Argument:  Denn anders als ein Anleihekupon kann die Dividendenausschüttung jederzeit gekürzt oder sogar ganz gestrichen werden.

Dazu kommt noch ein zweiter Punkt, der die eindimensionale Gegenüberstellung von Dividendenrenditen und Bondverzinsung wie den Vergleich von Äpfeln und Birnen erscheinen lässt: Zwar können auch Anleiheinvestments zwischenzeitliche Kursverluste erleiden – so wie jüngst in den USA. Doch die Rückzahlungshöhe zum Ende der Laufzeit ist jederzeit bekannt.

Ob dagegen das Wall Street-Barometer S&P 500 beispielsweise in fünf Jahren noch auf dem aktuellen Kursniveau verharren wird, deutlich höher geklettert ist oder gar in einer Baisse steckt, kann heute niemand seriös vorhersagen.

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