Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.09.2015

20:44 Uhr

Musterdepots

„Aktien sind alternativlos!“

Nachdem der Dax im Frühjahr die 12.000er-Marke geknackt hatte, riefen Experten immer spektakulärere Kursziele aus. Nun wollen die Verantwortlichen davon aber nichts mehr wissen, kritisiert Depotmanager Georgios Kokologiannis.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

DüsseldorfWährend Berufsoptimisten und urteilsfreie Kommentatoren selbst beim Dax-Allzeithoch von fast 12.400 Punkten im April die Anleger noch zum Börseneinstieg gedrängt haben, wurde an dieser Stelle immer wieder vor der Kauf um jeden Preis gewarnt: Anders als es das Dauermantra der Finanzindustrie behauptete, seien Aktien keinesfalls "alternativlos" - und Dividenden alles andere als "der neue Zins", habe ich mehrfach geschrieben.

Mittlerweile hat der Dax nicht nur seinen kompletten Jahresgewinn von zeitweise mehr als 26 Prozent verloren – sondern zusätzlich auch den vollständigen Wertzuwachs des Vorjahres ausradiert und ist weit unter 9.500 Punkte eingebrochen. Gleichzeitig aber ist es auffällig still geworden um die Experten, die selbst auf dem Höhepunkt der Übertreibungsphase an den Börsen im Frühjahr noch zum Einstieg in Dividendenpapiere geblasen haben.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Ein regelrechter Wettkampf um die spektakulärsten Prognosen war damals vor allem am deutschen Aktienmarkt entbrannt: Nachdem der Dax die 12.000er-Marke geknackt hatte, riefen die ersten Fachleute bereits 14.000 Punkte als Jahresendziel aus. Mittelfristig seien selbstredend auch 20.000 und mehr Zähler drin.

Manch ein Stratege fühlte sich nach der Endlos-Hausse der vergangenen Jahre sogar dazu ermutigt, mit vollends unseriösen Kursprognosen zu kokettieren: Bei den extremen Niedrigzinsen am Anleihemarkt komme man derzeit rein rechnerisch auf einen fairen Dax im sechsstelligen Bereich, argumentierten etwa allen Ernstes sogar Vertreter namhafter Großbanken.

Von alldem wollen die Fachleute inzwischen natürlich nichts mehr wissen. Wer sich nicht gleich in vielsagendes Schweigen hüllt, der versucht sich zumindest möglichst geräuschlos von seinen bisherigen übereuphorischen Kurszielen zu distanzieren.

So kappten jetzt etwa die Verantwortlichen der Deutschen Bank ihre Dax-Prognose zum zweiten Mal innerhalb von weniger als vier Wochen – um insgesamt mehr als 1700 Punkte auf nur noch 10300 Zähler bis Ende dieses Jahres. Adjektive wie „alternativlos“ oder „zwingend“ werden inzwischen ebenfalls gemieden – und Anleger ratlos zurückgelassen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×