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10.11.2016

18:14 Uhr

Musterdepots

Anleger deuten Wahlergebnisse um

Der Freihandelsgegner Trump wird plötzlich zum Hoffnungsträger uminterpretiert, meint Georgios Kokologiannis. Sönke Niefünd beschäftigt sich unter dem Eindruck der politischen Börse mit Charttechnik.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Düsseldorf Die zeitweise deutlich eingebrochenen Börsenkurse unmittelbar nach Donald Trumps Wahlsieg hatte ich am Mittwochmorgen genutzt, um die hohe Cash-Quote zu verringern: Gekauft wurden neue Discount- (WKN: DT92GZ) sowie Sprintzertifikate (VN13U0), die sich auf den Euroland-Aktienindex Euro Stoxx 50 beziehen.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Die Discountzertifikate erreichen bis September 2017 eine Rendite von insgesamt rund zehn Prozent – selbst wenn der Euro Stoxx nur stagniert.Offensiver sind die Sprinter, die überproportional von einem möglichen Indexanstieg bis auf maximal 3 207 Punkte profitieren. Gleichzeitig bieten sie auf dem gegenwärtigen Kursniveau einen Seitwärtsertrag von rund 4,5 Prozent. Umgerechnet entspricht das einer jährlichen Rendite von rund sieben Prozent, falls sich der Index mindestens auf seinem gegenwärtigen Niveau halten kann.

Bereits jetzt liegen beide Positionen im Plus. Hintergrund: Nach einem ersten Schock haben Anleger damit angefangen, das Wahlergebnis plötzlich ganz anders zu deuten. Während man bisher bei einer Wahl Donald Trumps als künftigen US-Präsidenten abstürzende Börsenkursen und wirtschaftliches Chaos fürchtete, will davon kaum noch jemand etwas wissen. Es sind teils dieselben „Experten“ die zuvor Schreckensszenarien für die Kapitalmärkte skizziert hatten, die nun völlig gegensetzliche Prognosen aus dem Hut zaubern: Der Freihandelsgegner Trump wird plötzlich zum Hoffnungsträger uminterpretiert – unter anderem wegen seiner Steuersenkungspläne.

Zudem verweisen die Optimisten darauf, dass angesichts der unklaren wirtschaftlichen Pläne des designierten neuen US-Präsidenten die Notenbank Fed auf ihre ursprünglich wohl für Dezember anvisierte nächste Leitzinsanhebung verzichten werde. Ich halte die überraschende Erleichterungsrally an den weltweiten Aktienmärkten für nicht nachhaltig: Den möglicherweise konjunkturell stimulierenden fiskalischen Impulsen müssen die Risiken einer protektionistischen Wirtschaftspolitik entgegengestellt werden. Trumps Pläne für Zollschranken, ein Ende der bisherigen weltweiten Handelsbeziehungen und die Ausweisung von Millionen illegal Eingewanderter könnte die US-Wirtschaft sogar in eine Rezession stürzen.

Zudem ist eine weiterhin lockere Geldpolitik keine ausgemachte Sache: Da der umstrittene Milliardär bislang keine Pläne zur Gegenfinanzierung seiner Steuersenkungsvorhaben vorgelegt hat, erwarten viele Ökonomen einen massiven Anstieg der Staatsverschuldung und anspringende Inflationsraten.

Vor diesem Hintergrund müsste die US-Notenbank Fed die Leitzinsen spätestens 2017 womöglich deutlich stärker und häufiger anheben, als es die meisten Anleger bisher erwarten. Das ist nicht gerade das Idealszenario für eine Fortsetzung der bereits fast acht Jahre währenden zweitlängsten Wall-Street-Hausse aller Zeiten.

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